Glosse von Petersgradmesser
Hatten bis zur Leverkusen-Pleite insgesamt die Ergebnisse von Thomas Tuchels Bayern gestimmt, obwohl die Spielweise schon länger kritisiert wird, passte im Topspiel in der BayArena beim FCB auf erschreckende Weise gar nichts mehr, absoluter Krisenmodus. Medien und FCB-Fans hauen nun entweder den Trainer oder die Spieler oder beide – häufig auf unsachliche Art – in die Pfanne. Ich selbst hatte den aktuell an der Säbener Straße extrem fehlenden (Weltklasse-)Mentalcoach ins Spiel gebracht. Aber gibt es nicht vielleicht doch noch einen anderen triftigen Grund für die zum größten Teil unerklärlich schwachen Leistungen? 😉
Es ist schon fast Ironie des Schicksals, dass die 0:3-Klatsche in Leverkusen fast genau auf den dritten Jahrestag des legendären Sextupels des FC Bayern gefallen ist. Nur zwei Vereinen in der gesamten Fußballgeschichte ist die gelungen: Peps Barcelona 2009 und Flicks Bayern 2020, wegen der verdammten Corona-Pandemie erst im Februar 2021 vollendet.
Auch wenn die abrundende Klubweltmeisterschaft in Katar vor einer limitierten Zuschauermenge stattfand, die drei wirklich wichtigen Titel wurden komplett ohne Fans errungen: Die Deutsche Meisterschaft im Juni 2020, der DFB-Pokal im Juli 2020 (gegen völlig chancenlose Leverkusener!) und als Krönung der CL-Sieg im Finalturnier in Lissabon im August 2020.
Der FC Bayern war damals eindeutig das weltbeste Team – ohne Zuschauer in den Stadien. Es gab auch keine Pressekonferenzen an der Säbener Straße mit Journalisten, die nicht zuletzt ihren Job so ausrichten, dass die eigenen Anhänger gegen Verein, Trainer, Team, Bosse aufgewiegelt werden.
Die Fans hatten damals andere Sorgen: Sich über Regierung und Entscheidungsträger in der Covid19-Krise aufzuregen. Und beim FCB lief es so derart gut, dass man Negativmeldungen schon fast mit der Lupe suchen musste. Joshua Kimmich und Leon Goretzka hatten in der Pandemie die fantastische Idee, eine große Spendenorganisation zu gründen. Überhaupt der Leon: Die FCB-Fans bejubelten in jener Zeit seine nahezu täglich zunehmende Muskelmasse …
Wie schaut es dagegen zu Jahresbeginn 2024 aus? Die Stadien sind zwar rappelvoll, jedoch entweder 15 Minuten lang ein Stimmungsfriedhof oder fast genauso lang ein Kindergarten, in welchem Schokotaler oder Tennisbälle aufgesammelt werden. Die Journalisten berichten wöchentlich ein- oder zweimal von Tuchels PKs an der Säbener Straße: Die Fans reagieren darauf wütend, genervt, dies häufig noch heftiger nach den Spielen …
Apropos mega erfolgreiche Bayern: Bei einem der legendärsten FCB-Spiele der Vereinsgeschichte, dem CL-Halbfinale 2013 gegen die damalige Weltklassetruppe aus Barcelona (4:0), gab es in der Südkurve einen Stimmungsboykott. Die meisten merkten das damals nicht einmal, weil das restliche Stadion tobte.
Und in Angesicht dieser Tatsachen wollen sich die Fans über die FCB-Protonisten aufregen?
PS: Wer sich jetzt über diesen Beitrag aufregt, möge die Definition von Glosse googeln … 😉
Titelbild: Trotzdem ist natürlich ein brechend volles Stadion, bestenfalls mit einer grandiosen Choreo vor dem Spiel, um ein Vielfaches schöner als eine leere Arena. Sehen wohl trotz allem auch die Spieler selbst so. Hier die fantastische Ganzstadion-Choreo zum 120-jährigen Vereinsjubiläum Anfang März 2020. Das letzte Spiel in der Münchner Arena, bevor die Pandemie zuerst die Spiele ausfallen ließ, dann die Stadien leer ließ.

Sehr nett 😉 😉
Möchte aber gar nicht wissen, wie viele reine Headline-Leser auf Social Media bei diesem Artikel völlig ausrasten werden und beleidigen.
Jaja, kleinere Ausraster gab es durchaus schon … war klar und einkalkuliert 😉
Manche nutzten den Beitrag auch dazu, mit den Ultras abzurechnen … das war aber keineswegs die Intension der Glosse. Die war schon eher gegen die Social Media „Rabauken“ gerichtet … aber alles auch hauptsächlich mit einem (großen) Augenzwinkern 😉