Champions-League-Auslosung FC Bayern: Revanche, Finalluft und neue Erfahrungen

Der FC Bayern hat für die Ligaphase der Königsklasse acht interessante Gegner zugelost bekommen. Das erklärte Ziel, erneut direkt ins CL-Achtelfinale einzuziehen, sollte machbar sein. Vielleicht aber sogar auch noch mehr.

„Losfee“ Thierry Henry hat die Bayern lange warten lassen: Als letzter der neun in Lostopf 1 gesetzten Vereine wurde der deutsche Rekordmeister gezogen. Mit den acht Gegnern kann er jedoch zufrieden sein. Sie sind in Summe etwas einfacher einzuschätzen als vor einem Jahr, als die Münchner dennoch als Liga-Zweiter direkt in das Achtelfinale der Champions League einziehen konnten.

Vincent Kompanys Team tat dies äußerst souverän mit sieben Siegen – darunter ein 2:1 beim späteren CL-Gewinner PSG – bei lediglich einer Niederlage. Diese erlitten die Münchner beim 1:3 beim FC Arsenal. Die Londoner gewannen in der vergangenen Spielzeit alle acht Ligapartien und beendeten somit diese CL-Phase vor dem FCB. Nun stehen die Chancen für die Bayern gut, dies in der Saison 2026/27 gegen den letztjährigen Finalisten umzudrehen.

Arsenal kommt zur Revanche nach München

Der englische Meister muss nämlich dieses Mal in der Allianz Arena antreten. Dabei hat dieses Duell durchaus Tradition in der Königsklasse. Die Partie in München wird die 16. zwischen den Gunners und dem FC Bayern sein. Von den bisherigen 15 Spielen gegeneinander gewannen die Bayern acht, dreimal endete das Aufeinandertreffen unentschieden, und vier Partien konnten die Londoner für sich entscheiden – Torverhältnis 31:18.

Interessant ist, dass sich der FCB in allen sieben Duellen von 2001 bis 2024, die mit Hin- und Rückspiel ausgetragen wurden, durchsetzen konnten. Zweimal (2000/01 und 2012/13) passierte dies sogar auf dem Weg zum CL-Triumph. In der Saison 2016/17 gewannen die Bayern unter Chefcoach Carlo Ancelotti im Achtelfinale beide Spiele jeweils mit 5:1: Das Gesamtscore von 10:2 stellt die schlimmste Europapokalschmach in der Geschichte der Gunners dar. Zuletzt wurde Arsenal vom FCB im Viertelfinale 2023/24 mit 2:2 und 1:0 ausgeschaltet.

Finalluft und schmerzvolle Erinnerungen

Das Auswärtsspiel gegen den Gegner aus Lostopf 1 führt den FC Bayern in dieser CL-Spielzeit zu Atlético Madrid ins Riyadh Air Metropolitano Stadion, und damit ausgerechnet in den Fußballtempel, in dem Ende Mai 2027 das Finale stattfinden wird.

Der Lokalrivale von Real Madrid zählt zu den legendärsten Gegnern des FC Bayern in der Geschichte der Fußball-Königsklasse. Gegen „Atleti“ gewann er im Mai 1974 sein erstes Endspiel im Wettbewerb – es waren damals sogar zwei und es hieß damals noch Europapokal der Landesmeister. Die finalen Duelle waren die einzigen, die in der Königsklassen-Historie seit 1955 nicht nur in die Verlängerung, sondern auch in ein zweites Spiel gingen, weil es noch kein Elfmeterschießen gab.

Dem 1:1 nach Verlängerung in der ersten Partie im Brüsseler Heysel-Stadion am 15. Mai 1974 folgte aufgrund des legendären Ausgleichstores von „Katsche“ Schwarzenbeck nur zwei Tage später an selber Stelle ein fulminanter 4:0-Sieg. Gerd Müller und Uli Hoeneß vollendeten mit jeweils zwei Weltklassetreffern den überragenden Sieg der Bayern. Es war eines der besten Spiele der Vereinsgeschichte.

Insgesamt spielten die Münchner achtmal gegen Atlético, gewannen vier dieser Partien, verloren 2016 zweimal 0:1 in Madrid (noch im Estadio Vicente Calderón) – und zweimal endeten die Duelle unentschieden. Gesamttorverhältnis: 13:5 für Bayern. Madrid wird jedoch mit Sicherheit ein ganz heißes Pflaster werden.

Manchester United – auf Drama folgte Siegesserie

Ein FCB-Highlight dürfte auch die Partie im Fußballtempel Old Trafford beim „alten Rivalen“ Manchester United werden. Auch wenn sich viele Münchner Anhänger mit Grausen an die „Mutter aller Niederlagen“ 1999 erinnern werden, ist die CL-Bilanz gegen den englischen Rekordmeister (20; gemeinsam mit dem FC Liverpool) insgesamt sehr positiv. Nach dem dramatischen 1:2 im CL-Finale 1999 in Barcelona ist der FC Bayern nie wieder gegen United aus dem Wettbewerb ausgeschieden.

Unter anderem setzten sich die Bayern 2000/01 auf dem Weg zum vierten Henkelpottsieg durch, ebenso 2009/10 und 2013/14 – immer im Viertelfinale. Bei den Duellen in der letzten Gruppenphase der CL-Historie 2023/24 gewann der deutsche Rekordmeister beide Spiele: 4:3 in München, 1:0 in Manchester.

Gesamtbilanz aus Münchner Perspektive: 13 Spiele – 6 Siege / 5 Unentschieden / 2 Niederlagen – 21:16 Tore. Selbst die Bilanz in Old Trafford ist positiv (2S / 3U / 1N).

Fünf machbare Gegner

Die übrigen fünf Ligaphasen-Gegner des FC Bayern erscheinen alle machbar. Dennoch muss nicht erst Kompany seine Spieler darauf aufmerksam machen, dass es in der Königsklasse keine leichten Kontrahenten gibt.

Dabei hat Bayern einzig mit dem Tabellendritten der vergangenen Ligue-1-Saison, dem OSC Lille, schon einmal die Klingen gekreuzt: In der Spielzeit 2012/13, als man zum ersten Mal das Triple gewann, wurden die Franzosen in der Gruppenphase mit 1:0 (A) und 6:1 (H) besiegt. Lille dürfte eine „mittelschwere Auswärtshürde“ werden.

Alle anderen Gegner sind „Europapokal-Neuland“ für die Münchner: Der Tabellenfünfte der spanischen Liga, Betis Sevilla, der tschechische Meister Slavia Praha, und der norwegische Vizemeister Bodö/Glimt müssen in der Allianz Arena antreten, zum norwegischen Meister Vicking Stavanger muss der FCB reisen.

Sicherlich sind die Bayern nicht traurig, wie die Stadionverteilung bei den beiden norwegischen Kontrahenten ist. Bodö liegt 1500 Kilometer nördlich von Stavanger und auf dem Kunstrasenplatz dort spielen die wenigsten Auswärtsgegner gerne.

Zusammenfassung

Etwas kurios an der FCB-Auslosung ist, dass man jeweils auf zwei Gegner aus der Premier League, der spanischen Liga und aus Norwegen trifft.

Die Gesamtbilanz der Münchner gegen die acht (vier schon gespielten) Gegner ist mit 20 Siegen, zehn Unentschieden und acht Niederlagen bei einem einem Torverhältnis von 72:40 aus 38 Spielen äußerst positiv, wenn man die Prominenz der Vereine betrachtet.

Laut Ankündigung werden die Spieltermine erst am Samstag, den 29. August, bekanntgegeben. Es ist nicht ganz unerheblich, wie man in die Saison hineinstartet. Tun die Bayern das – wie gewohnt – erfolgreich, und wird der FC Arsenal in der heimischen Arena besiegt, dann ist in dieser Saison sogar ein erster Platz in der Ligaphase möglich. Dieser hat bekanntermaßen nachfolgend so einige Vorteile.


Titelbild: Viertelfinal-Rückspiel 2024 gegen Arsenal (1:0): Die Südkurve „brennt“.

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