Im Wiederholungsspiel des Landesmeistercup-Endspiels 1974 zeigten famose Bayern beim 4:0-Sieg über Atlético Madrid die wohl beste Partie der Vereinsgeschichte.
Nur zwei Tage nach dem 1:1 n.V. im ersten Finale des Europapokals der Landesmeister der Saison 1973/74 traten die Bayern am 17. Mai 1974 erneut im Brüsseler Heysel-Stadion zum Wiederholungsspiel gegen Atlético Madrid an.
Es war das einzige Mal in der über 70-jährigen Europapokalgeschichte, dass das Königsklassenfinale wiederholt werden musste. In den frühen 1980er Jahren wurde stattdessen das Elfmeterschießen eingeführt. War das erste Endspiel – trotz „Katsche-Happy-End“ – aus Bayernsicht noch eine Enttäuschung, übertraf diese zweite Partie alle Münchner Erwartungen bei Weitem.
Legendäre FCB-Startformation
Vor 30.000 Zuschauern – dieses Mal nur wenige aus München selbst, dafür eine beträchtliche Anzahl an Bayernfans aus dem restlichen Deutschland – ließ Trainerlegende Udo Lattek dieselbe Elf wie im ersten Endspiel beginnen:
Sepp Maier – Johnny Hansen; Schorsch „Katsche“ Schwarzenbeck; Franz Beckenbauer; Paul Breitner – Franz Roth; Rainer Zobel; Jupp Kapellmann – Conny Torstensson; Uli Hoeneß; Gerd Müller.
Nachdem sich im Wiederholungsspiel jeder einzelne Spieler in bestechender Form präsentieren sollte, nahm der Bayerntrainer – durchaus ungewöhnlich – keine einzige Auswechslung vor. Diese Startelf zählt zu den ganz legendären FCB-Mannschaften und zeigte in jenem Finale das möglicherweise beste Spiel der Vereinsgeschichte. Als ihre Konkurrenten könnten die Teams des Rekordmeisters genannt werden, die den FC Barcelona 2013 (4:0) und 2020 (8:2) gedemütigt haben.
Bayern dominieren Atlético Madrid und schießen Traumtore
Anders als im Spiel zwei Tage zuvor übernahmen die Bayern mit dem Anpfiff eindeutig das Kommando. Gerd Müller hatte in der 17. Minute mit einem Kopfball an den Pfosten noch Pech. Danach folgte jedoch ein Traumspiel für die Bayern, ein Albtraum für die Spanier. Jedes der vier FCB-Tore an jenem Abend war wie ein Gemälde, alle Treffer wären würdig gewesen, zum Tor des Monats gewählt zu werden.
28. Minute: Paul Breitner schickt auf der rechten Seite Uli Hoeneß mit einem weiten Pass auf die Reise. Dieser lässt in einem langen Sprintduell seinem Gegenspieler Adelardo nicht den Hauch einer Chance und vollendet mit einem „Beinschuss“ für Atléticos Torwart Miguel Reina zum 1:0.


57. Minute: Unwiderstehlicher Sololauf von Jupp Kapellmann am linken Flügel: Hart von seinem Gegenspieler attackiert, setzt er sich durch und schlägt auf Höhe der Strafraumlinie eine Flanke zum in halbrechter Position frei stehenden Gerd Müller. Dieser lässt den Ball von der Brust abtropfen und schmettert den Ball aus extrem spitzem Winkel zum vorentscheidenden 2:0 hoch in die Maschen.




70. Minute: Rainer Zobel lupft aus dem Mittelfeld einen Ball in den Lauf des sich in zentraler Position befindlichen „Bombers“. Der schließt sofort und – für ihn untypisch – noch vor dem Strafraum mit einer perfekten Bogenlampe über den ihm entgegenkommenden Reina zum 3:0 ab. Ein unglaubliches, perfekt ausgeführtes Tor – die endgültige Entscheidung.

„Und jetzt hauen sie ihn um“
82. Minute: Breitners Fallrückzieher im eigenen Strafraum wird von Müller per Kopf zu Uli Hoeneß verlängert. Dieser startet kurz hinter der Mittellinie ein unwiderstehliches Solo, die spanischen Abwehrspieler werden von ihm wie Slalom(kipp)stangen ausgetanzt. TV-Kommentator Oskar Klose meinte damals in der Liveübertragung kurz vor seinem Torabschluss: „Und jetzt hauen sie ihn um!“ – Nein, der Uli war für alle viel zu schnell, zu wendig. Am Ende umdribbelt er auch noch den bemitleidenswerten Reina und zirkelt den Ball ins leere Tor – ein absolutes Traumtor zum 4:0.


Eine legendäre Mannschaft auf dem Zenit
Jenes Finale am 17. Mai 1974 war eine einzige Machtdemonstration des FC Bayern. Keines der fünf später gewonnenen Königsklassenendspiele – 1975 – 1976 – 2001 – 2013 – 2020 – konnte leistungsmäßig konkurrieren. Die Fußballwelt verneigte sich vor einem großartigen Champion. Die großartige FCB-Fußballgeneration um Beckenbauer, Müller, Maier, Schwarzenbeck, Roth & Co. war auf ihrem absoluten Höhepunkt. Leider sollte sie dieses Level nie wieder erreichen.

Hochverdienter Lohn: Jubelnde Bayern – der Kaiser mit dem Bomber – Gerd Müller mit dem Henkelpott – der sympathische „Anti-Held“ Schwarzenbeck – Beckenbauer mit dem Pokal – die Macher des FCB: Walter Fembeck, Wilhelm Neudecker, Robert Schwan.







Seit 2018 erinnern auch einige Gemälde im Stadionumlauf der Allianz Arena an jenes großartige Spiel. Ehre, wem Ehre gebührt!


