Vor dem PSG-Kracher: Sind die Bayern die europäischen Comeback-Könige?

Trotz der 4:5-Hinspiel-Niederlage im CL-Halbfinale bei Paris Saint-Germain gehen die Bayern und ihre Fans optimistisch ins Rückspiel. Tun sie das zu Recht?

Bei der Beschreibung von Vincent Kompanys Bayern fallen in der laufenden Spielzeit Begriffe wie „Tormaschine“, aber auch „Mentalität“, „Charakter“ und „Moral“. All diese Eigenschaften werden Harry Kane, Michael Olise & Co. benötigen, wenn es am Mittwochabend in der heimischen Arena darum geht, die 4:5-Niederlage aus dem Hinspiel bei Titelverteidiger PSG umzudrehen, um nach sechs Jahren wieder ins Finale der Königsklasse einzuziehen.

Schaut man sich die bisherigen Saisonspiele an, ist dem Rekordmeister ein Umdrehen des Ergebnisses absolut zuzutrauen, auch wenn die Pariser derzeit wohl die größte Herausforderung im Wettbewerb darstellen. In den K.-o.-Runden der Champions League benötigten die Bayern das Hinspielergebnis betreffend noch keine Comeback-Qualitäten, beide Partien wurden auswärts – 6:1 in Bergamo; 2:1 in Madrid – gewonnen.

Allerdings mussten die Münchner im Heimspiel gegen die Königlichen insgesamt drei Rückständen nachlaufen und gewannen am Ende doch mit 4:3. Auch im Ligaspiel gegen den späteren Viertelfinalisten Sporting Lissabon wurde ein Rückstand gedreht: 3:1 hieß es im Dezember 2025 nach 0:1-Rückstand. In der Bundesliga wandelten die Bayern in der laufenden Spielzeit schon acht Rückstände in einen Sieg um: Spektakulär dabei vor allem die beiden Freiburg-Siege nach jeweiligem Zwei-Tore-Rückstand (6:2 und 3:2), das Mainz-Comeback (4:3 nach 0:3), aber auch das 5:1 in Leipzig und das 3:2 in Dortmund.

Die Kölner konnten sich in dieser Saison zweimal nur kurz über eine 1:0-Führung freuen: Beim 1:4 im Pokal und beim 1:3 in der Meisterschaft. Auch bei allen fünf Unentschieden der laufenden Saison – alle in der Bundesliga – lagen die Bayern 0:1 (viermal) oder zwischenzeitlich (1:2 im Heimspiel gegen Mainz) zurück – und kamen jeweils – meist spät – noch zum Ausgleich. Der FC Bayern 2025/26 „kann also Rückstand“.

Ein ernüchternder Blick in die Champions-League-Historie?

Seit dem Start der Champions League in der Saison 1992/93 ging der FCB 16 Mal in einem Hinspiel der K.-o.-Phase als Verlierer vom Platz. Nur vier Mal gelang ihm danach noch das Weiterkommen, zuletzt in der Saison 2023/24 im Achtelfinale gegen Lazio Rom (Hinspiel 0:1 in Rom, Rückspiel 3:0 in München). Sind die Bayern doch keine „Comeback-Könige“?

Historisch gesehen sind sie vielleicht wirklich nicht der Verein mit den meisten und spektakulärsten CL-Comebacks – trotz des 6:1 nach dem 1:3 beim FC Porto im Viertelfinale 2014/15. Aber es lohnt sich ein genauerer Blick auf die Ausgangssituationen: Nur sechs der 16 waren wirklich vergleichbar: Eine Auswärtsniederlage mit einem Tor. Fünfmal musste man ein 0:1 im Heimspiel wettmachen, einmal ein 2:3.

Dreimal sind die Bayern bei diesen sechs Versuchen weitergekommen, zweimal entschied dabei die Auswärtstorregel – einmal pro Bayern (2006/07 – 2:3 und 2:1 gegen Real Madrid), einmal gegen den FCB (2015/16 – 0:1 und 2:1 gegen Atlético Madrid). Der FC Basel wurde 2012 im Achtelfinal-Rückspiel mit 7:0 abgeschossen, zwei Jahre später ging man nach dem 0:1 im Bernabéu zu Hause mit 0:4 unter. Viermal gewannen die Bayern das Rückspiel – bei einem Unentschieden: 1:1 gegen den FC Villarreal (2022).

Übrigens war die 0:4-Halbfinal-Schlappe 2014 gegen Real Madrid mit Cristiano Ronaldo, Sergio Ramos & Co. das einzige (von 16) Mal, bei dem der FC Bayern nach dem Hinspiel auch das Rückspiel nach 90 Minuten verloren hat.

Ausschlaggebend sind all die alten Europapokalbilanzen ohnehin nicht, wenn es darum geht, wer sich im Duell der aktuell wohl weltbesten Vereinsmannschaften für das Finale am 30. Mai in Budapest qualifiziert. Die Bayern wissen jedoch, dass sie in der laufenden Saison für den „Fall der Fälle“ gewaltige Comeback-Qualitäten besitzen.


Titelbild: SK-Choreo vor dem 6:1-Sieg der Bayern gegen Porto (Hinspiel 1:3).

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