In der aktuellen Spielzeit konnte der FC Bayern die Meisterschaft schon frühzeitig für sich entscheiden, nun geht es ums Triple. 1996/97 war das Titelrennen wesentlich dramatischer und es gab noch ein Münchner BL-Lokalderby.
Am 4. Mai 1997 traten die Bayern am 30. BL-Spieltag als Tabellenführer beim Lokalrivalen TSV 1860 vor 69.000 Zuschauern im Münchner Olympiastadion an. Das damalige Meisterschaftsrennen gegen Bayer Leverkusen war sehr eng und das Derby wie jedes einzelne in jener Periode extrem heiß umkämpft.
In der 1. Halbzeit kamen die Bayern an jenem sonnendurchfluteten Sonntag-Frühabend überhaupt nicht ins Spiel. Der gegen den Rekordmeister stets besonders motivierte und gut aufspielende Horst Heldt brachte die Löwen per Doppelschlag (15. / 18. Elfmeter im Nachschuss) früh mit 2:0 in Führung. Von den Bayern, bei welchen u.a. die heutigen TV-Experten Lothar Matthäus, Markus Babbel, Didi Hamann, Thomas Helmer und Thomas Strunz auf dem Feld standen, kam lange Zeit nichts, gar nichts. Mario Basler schmorte übrigens bis zum Schlusspfiff auf der Bank. Hoffnung gab aber der blitzsaubere Anschlusstreffer von Jürgen Klinsmann fast mit dem Halbzeitpfiff.
Giovanni Trapattoni wechselte in der Halbzeit Mehmet Scholl für den blassen Hamann ein und die heutige FCB-Legende glich in der 57. Minute zum viel umjubelten 2:2 aus. Auch wenn es ein Sechzig-Heimspiel war, kamen in jener Zeit zu diesen Derbys immer mindestens doppelt so viele Rote wie Blaue ins Stadion. Die Fans des kleinen Lokalrivalen konnten allerdings durch ihren Fanatismus stimmungstechnisch immer einiges wettmachen.
Dramatische Schlussphase, Platzverweise – Happy End für Bayern
Nun nahm die Partie so richtig Fahrt auf. Es wurde dramatisch und ruppig. Schiedsrichter Weber, der damals inflationär viele Karten – vor allem für die Bayern – verteilte, stellte Christian Ziege in der 71. Spielminute per Ampelkarte vom Platz. Gut zehn Minuten später jubelten die Löwen nach einem sensationellen Schlenzer von Jörg Böhme – der vollendete mit dem linken Außenrist von der rechten Strafraumkante in die lange Ecke des von Oliver Kahn gehüteten Tors. Der CL-Sieger von 2001 hatte nicht die geringste Chance.
Kurze Zeit später musste auch Lothar Matthäus mit Gelb-Rot das Feld verlassen. In doppelter Unterzahl einen Rückstand gegen höchstmotivierte Löwen aufholen – unmöglich? NEIN.
In der 88. Minute setzte sich der zwanzig Minuten zuvor für Klinsmann eingewechselte Carsten Jancker robust gegen die gesamte Löwen-Defensive durch und erzielte das 3:3. Die Bayernfans im Stadion explodierten und verspotteten den blauen Lokalrivalen. Der war zu perplex, als dass er selbst in doppelter Überzahl noch einmal zurückschlagen konnte.
Fun Facts
Am Saisonende wurde der FCB mit ganzen zwei Punkten vor Leverkusen Meister. Dieser eine – am Schluss nicht mehr erwartete – Punkt sicherte die zwischenzeitliche Tabellenführung ab und war extrem wichtig für das finale Meisterschaftsrennen.
Es war übrigens Janckers allererstes Bundesligator für den FC Bayern, in seiner Debütsaison beim FCB sollte dies auch sein einziges in 22 Spielen bleiben. Aber was für eines!
Knapp ein Jahr später machte Jancker sich mit seinem „Torklau“ gegen den Löwen-Keeper Bernd Meier endgültig unsterblich bei den Bayernfans, zum Derbyhelden und zum ersten „Fußballgott“ der FCB-Fans. Später gab es (nur) noch einen …
Nach sechs Jahren verließ Jancker 2002 den FCB – unter anderem als CL-Sieger und viermaliger Deutscher Meister. Auch seine 48 BL-Tore hinterließen Spuren.
Titelbild: Jancker eingerahmt vom späteren FCB-Spieler Jens Jeremies (1998-2006) und vom früheren FCB-Spieler Manni Bender (1989-92).

Absolut legendär.
Ich war damals auch im Stadion. Wir Roten mussten ziemlich leiden, waren aber am Ende diejenigen die gejubelt haben.
Das Böhme-Tor war unfassbar, das vom „Fußballgott“ in der Konstellation noch mehr.