Rummenigge fordert rechtliche Vorgehensweise gegen die Spielerberater: „Völlig die Orientierung verloren“

Die explodierenden Beraterhonorare sind derzeit beim FC Bayern ein riesiges Thema. Nach Uli Hoeneß äußert sich nun auch Karl-Heinz Rummenigge dazu – und hat Großes vor.

Nach seinem langjährigen Weggefährten Uli Hoeneß meldet sich nun auch der Ex-FCB-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge erneut in der Debatte um die drastisch angestiegenen Ausgaben für Spielerberater. Der 70-Jährige hält in der Angelegenheit selbst das Einschlagen des Rechtswegs für eine sinnvolle Vorgehensweise.

„Zunächst sollte man es im Guten versuchen. Wenn das nicht funktioniert, muss man den Weg über die europäische Justiz gehen. Bisher zeigt sich die Politik bei solchen Regulierungen ziemlich zurückhaltend, weil sie den freien Wettbewerb bevorzugt. Aber auch in Brüssel sollte man erkennen, dass die Ausgaben im Fußball längst jedes Maß überschritten haben“, so Rummenigge im Interview mit der spanischen „AS“.

Gemeinsame Lösung ist zwingend notwendig

Der Europameister von 1980 sieht die FIFA in der Verantwortung, mit Reformen das Gebaren bei Spielertransfers wieder seriöser zu gestalten: „Die Idee, dass ein fester Anteil von fünf Prozent des Jahresgehalts eines Spielers an den Berater geht, ist sehr gut. Das wäre ein guter Ausgangspunkt, denn derzeit liegen wir bei etwa zehn Prozent“, meint Rummenigge und übt in diesem Zusammenhang Kritik: „Es braucht eine gemeinsame Lösung, denn neben den explodierenden Gehältern sind diese Beraterprovisionen das größte Problem im Fußball. Leider haben vor allem deutsche Gerichte eine Deckelung der Provisionen bislang gekippt.“

Rummenigges dringender Rat an den gesamten Profi-Fußball: „Wir sitzen alle im selben Boot. Deshalb finde ich, dass wir uns alle gemeinsam an einen Tisch setzen sollten: die Berater selbst, aber auch Verbände, Ligen und Klubs“. Der zweifache Vizeweltmeister klagt: „Wir haben völlig die Orientierung verloren. Im vergangenen Sommer wurden 1,347 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 1,17 Milliarden Euro) an Provisionen für Berater gezahlt. Vor fünf Jahren waren es noch 500 Millionen – und das war schon viel“.

In diesem Kontext erläutert das heutige Aufsichtsratsmitglied des FC Bayern die Mechanismen im Fußball: „Wenn der FC Bayern einen Spieler aus Freiburg kauft, verpflichtet Freiburg anschließend einen aus Mainz und Mainz wiederum einen anderen, dann bleibt das Geld im Fußballkreislauf. Was die Berater einstreichen, dagegen nicht – und das schadet unserem Sport enorm. Beim FC Bayern werden wir dieses Thema künftig konsequenter angehen“.

Seinen eigenen Verein sieht Rummenigge in einer Position, in welcher Zeichen gesetzt werden können: „Zunächst einmal ist der FC Bayern München keine Adresse, die Berater einfach umgehen können. Wenn wir nicht mehr mit einem Berater zusammenarbeiten wollen, hat das Konsequenzen“. Ein Alleingang des deutschen Rekordmeisters im Umgang mit den Spielerberatern dürfte dabei allerdings ein schwieriges Unterfangen werden, sollten sich andere Topvereine und Verbände nicht „an einen Tisch setzen“ wollen, um die entsprechenden Schritte einzuleiten.

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