Der lauteste Torjubel der Europapokal-Geschichte des FC Bayern

Die Bayern-Fans konnten in der über 60-jährigen Europapokal-Historie des Klubs mehr als tausendmal (exakt 1099 Mal) über ein Tor jubeln. Einmal war es besonders laut.

Am 30. März 2010 traten die Bayern zum CL-Viertelfinal-Hinspiel in der damals mit 66000 Zuschauern ausverkauften Allianz Arena gegen den legendären Rivalen Manchester United an. Während die Red Devils 2008 ihren Triumph von 1999 wiederholt hatten, warteten die Bayern nach ihrem CL-Sieg 2001 bis zu jenen Duellen vergeblich darauf, wenigstens ins Halbfinale der Königsklasse einziehen zu können. So ging United auch als Favorit in die Viertelfinalspiele.

… Und wurde dieser Rolle zum Leidwesen der Bayern und ihrer in jenem Match leidenschaftlich mitgehenden Anhänger schon in der 2. Minute gerecht: Nach einer Ecke vollstreckte Wayne Rooney – auch begünstigt durch eine völlig unsortierte FCB-Abwehr – grandios zum 0:1. Was für ein Schock. Beinahe hätte Manchester United früh zum 0:2 nachgelegt und der Halbfinaltraum der Bayern wäre wahrscheinlich schon zu diesem frühen Zeitpunkt ausgeträumt gewesen.

Es entwickelte sich ein Spiel mit zahlreichen Chancen auf beiden Seiten, mit einem leichten Plus für die Münchner, die allerdings bis zur 76. Minute warten mussten, ehe Franck Ribéry mit einem von der United-Mauer abgefälschtem Freistoß zum 1:1 ausgleichen konnte. Die Hoffnung auf ein positives Hinspielergebnis war wieder da. Die Bayern hatten weitere dicke Chancen – kurz vor Spielende hätte es sicherlich auch 4:3 oder 5:3 stehen können. Dann begann die Nachspielzeit.

Siegtor von Ivica Olić lässt die Arena explodieren

Der spät für Thomas Müller eingewechselte Mario Gomez setzte sich vor dem United-Strafraum robust gegen mehrere Gegenspieler durch, kam aber zu Fall. In der Verwirrung der englischen Hintermannschaft schnappte sich Ivica Olić geistesgegenwärtig den Ball und stand plötzlich frei vor Edwin van der Sar, verzögerte raffiniert den Schuss, der holländische Keeper sprang in das rechte Torwarteck, der Kroate vollendete geschickt in die andere (lange) Ecke.

Wer bei der Partie vor 16 Jahren unter den Zuschauern war, wird den anschließenden frenetischen, explosionsartigen Torjubel wohl nie vergessen: wie ein langanhaltender, lauter Knall. Das Stadiondach der Münchner Arena schien abzuheben. Die ganze Anspannung der Fans, das fast neunjährige Warten auf einen Einzug in ein CL-Halbfinale schien sich in einem einzigen Torjubel zu entladen – und das, obwohl es erst das Hinspiel war und ein ebenso dramatisches Rückspiel folgen sollte.

Der Jubel schien damals selbst nach der Partie beim Weg aus dem Stadion nachzuhallen, die euphorisierten Bayernfans befanden sich in einem Ausnahmezustand. Gut zwei Jahre später, beim Finale dahoam, sind die Anhänger des Rekordmeisters bei Thomas Müllers spätem vermeintlichen Siegtreffer sicherlich noch einmal auf einem anderen Level explodiert. Aber es war eben – typisch für ein Endspiel – nur die Fankurve in der Arena und nicht fast das gesamte Stadion. Selbiges trifft natürlich auch auf das Siegtor von Arjen Robben in Wembley 2013 zu.


Ein Kommentar zu “Der lauteste Torjubel der Europapokal-Geschichte des FC Bayern

  1. Sehr gut beschrieben.
    Ivy hat sich nach dem Tor das Trikot vom Leib gerissen, Gelb kassiert … so etwas von egal.
    Und beim Abgang aus dem Stadion herrschte eine unglaublich euphorische Stimmung unter den Bayernfans. Sensationell.

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