Gerade in München angekommen, starteten schon die Spekulationen über einen raschen Abgang von Nicolas Jackson. Der Senegalese überzeugt nun mit starken Leistungen. Ein Kommentar.
Der 24-jährige Nicolas Jackson ist im Sommer 2025 als „Deadline-Transfer“ auf Leihbasis vom Klubweltmeister FC Chelsea zum FC Bayern gewechselt. Der ausgehandelte Kontrakt enthielt bei einer de facto nicht erreichbaren Anzahl an (Startelf-)Einsätzen eine Kaufpflicht von 65 Millionen Euro, welche teilweise auch als Kaufoption ausgelegt wurde. Von Anfang an wurde die Verpflichtung des 30-fachen senegalesischen Nationalstürmers (sieben Tore) in der Öffentlichkeit ziemlich skeptisch gesehen. Nach wenigen Wochen kursierten bereits Gerüchte, dass sein Engagement beim Rekordmeister mit größter Wahrscheinlichkeit zum Saisonende enden würde.
Auch wenn Jacksons Berater diese Spekulationen stets dementierte, verfestigten sie sich stetig, speziell nach seiner langen Absenz beim Afrika Cup in Marokko, welchen er mit seinem Nationalteam als Sieger beendete. An der Säbener Straße verhielt man sich in dieser Angelegenheit sehr lange zurückhaltend, bis Chefcoach Vincent nach der letzten Bundesliga-Partie gegen Mönchengladbach (4:1) eine für seine Verhältnisse scharfe Medienkritik äußerte.
Jackson „hat nichts falsch gemacht, er hat extrem gut trainiert.“
Der Belgier lobte zunächst Jacksons Leistung: „Er hat heute sehr gut gespielt“, anschließend platzte es aber aus ihm heraus: „Ich muss sagen, dass mir seit meiner Ankunft hier aufgefallen ist, dass, wenn alles gut läuft in der Mannschaft, immer wieder versucht wird, einen oder zwei Spieler ohne Grund herauszugreifen.“ Kompany über die seiner Meinung nach ungerechtfertigte Kritik an seinem Spieler: „Der Mann hat nichts falsch gemacht, er hat extrem gut trainiert.“
Hinsichtlich der Situation des Senegalesen verwies Kompany auf die riesige Konkurrenzsituation in der Offensive seiner Mannschaft: „Es stimmt, dass es etwas schwierig ist, wenn Harry Kane auf deiner Position spielt – oder Michael Olise oder Luis Díaz“, so der Bayern-Trainer. Um dann noch einmal demonstrativ den Auftritt Jacksons zu loben: „Nico hat heute sehr gut gespielt und wird das hoffentlich bald wieder tun.“
Im Champions-League-Achtelfinale bei Atalanta Bergamo stand Jackson aufgrund der Wadenverletzung von Kane nun zum zweiten Mal in Folge in der Münchner Startformation und geriet trotz der überragenden ersten Halbzeit der gesamten Mannschaft nach einer vergebenen Großchance fast schon standardmäßig in den Social Media ins Kreuzfeuer der eigenen Fans. Diese ewigen Nörgler ließ er im zweiten Durchgang durch zwei Scorerpunkte – Tor und schöner Assist für Jamal Musiala – verstummen.
Senegalesischer Nationalspieler mit starker FCB-Bilanz
Insgesamt lohnt sich ein Blick auf die Bilanz des 24-Jährigen: Bislang kam er für den FC Bayern bei wettbewerbsübergreifend 24 Pflichtspielen zu 821 Einsatzminuten, in welchen ihm durchaus bemerkenswerte zehn Torbeteiligungen gelangen (sieben Tore, drei Vorlagen). Erstmals in seiner Münchner Zeit durfte er nun zweimal in Folge sein Können über die volle Spielzeit zeigen und in beiden Partien war er direkt an zwei Toren beteiligt. Dieses Kunststück gelang ihm übrigens auch bei seiner dritten FCB-Partie über die volle Distanz beim FC Paphos.
Durch den verletzungsbedingten Ausfall des FCB-Toptorjägers Kane kommt Jackson nun zu mehr Spielpraxis, und diese nutzt er auch, um Eigenwerbung für sich zu betreiben. In seiner Brandrede hat Kompany darauf hingewiesen, dass die Back-up-Position hinter Kane und den anderen Münchner Weltklasse-Offensivspielern eine sehr komplizierte ist. Nun ist der Senegalese gefragt – und er liefert. In Richtung Kritiker: Selbst ein Harry Kane hat keine 100-Prozent-Quote, niemand hat die.
Die offensichtlich bislang von Chelsea geforderten 65 Millionen Euro an Ablösesumme erscheinen tatsächlich sehr hoch – wohl zu hoch. Aber sie sind sicherlich verhandelbar, wenn sich Jackson und der FC Bayern darin einig sind, dass man gemeinsam eine erfolgreiche Zukunft haben könnte. Nein, Nicolas Jackson ist kein sicherer Abschiedskandidat.
