Als der FC Bayern vor einem Monat den zyprischen Meister Paphos FC im Auswärtsspiel mit 5:1 besiegte, war dies eine normale CL-Partie. Das war nicht immer so bei Begegnungen mit Vertretern der Mittelmeerinsel.
In ihrer ersten Olympiastadion-Saison 1972/73 bei ihrem zweiten Auftritt im Europapokal der Landesmeister trafen die Bayern im Achtelfinale auf Zyperns Champion Omonia Nikosia. Zuvor hatte der FCB in der 1. Runde den türkischen Meister Galatasaray Istanbul mit 1:1 und 6:0 eliminiert, während sich Nikosia überraschend gegen den irischen Meister Waterford FC (1:2; 2:0) durchsetzen hatte können. Der Deutsche Meister ging als turmhoher Favorit in die beiden Partien, für welche es einen aus heutiger Sicht nicht vorstellbaren Deal zwischen den Vereinen gab.
13 FCB-Tore „dahoam“ innerhalb von 48 Stunden
Denn Hin- und Rückspiel wurden innerhalb von nur 48 Stunden ausgetragen, beide in Bayern. Am 24. Oktober 1972 besiegten die Bayern in ihrem Heimspiel im Olympiastadion vor 24000 Zuschauern Nikosia mit sage und schreibe 9:0. Die Begegnung war wohl eine der einseitigsten in der Europapokalgeschichte – Omonia konnte noch glücklich sein, dass der FC Bayern nicht unbedingt auf ein zweistelliges Resultat aus war und den Torreigen bereits nach dem 9:0 in der 82. Minute beendete.
Fünffacher FCB-Torschütze war Gerd Müller, zusätzlich trafen Edgar Schneider (2), Uli Hoeneß und Franz Bulle Roth. Für den „Bomber“ waren es im dritten Spiel des Wettbewerbs bereits die Treffer 4 bis 8. Kein Wunder, dass er am Ende mit insgesamt 12 Toren der Torschützenkönig des Europapokals der Landesmeister 1972/73 war.
Udo Lattek ließ folgende Mannschaft auflaufen: Sepp Maier – Johnny Hansen, Georg Katsche Schwarzenbeck, Franz Beckenbauer, Paul Breitner – Rainer Zobel, Hoeneß, Roth (64. Schneider) – Franz Krauthausen, Müller, Bernd Wipf Dürnberger.
Das Rückspiel fand nur zwei Tage später statt – im Augsburger Rosenaustadion. Die Bayern gewannen auch diese Partie vor 20.000 Zuschauern souverän mit 4:0; die Torschützen waren abermals Müller (2), Roth und der zur Halbzeit eingewechselte Willi Hoffmann. Interessant dabei: Die Startelf der Bayern war mit einer einzigen Ausnahme dieselbe. Geschont wurde ausgerechnet der Torwart, die FCB-Legende Sepp Maier. Es war übrigens das einzige Europapokalspiel, welches er in seiner grandiosen Ära von 1966-79 verpasste. Im Bayerntor stand in Augsburg der Jugoslawe Zlatko Skoric, es blieb sein einziges Pflichtspiel für den FCB in seiner einzigen Saison in München.
Auch wenn es die Bayern im zweiten Spiel eher gnädig machten, ist der Gesamtscore von 13:0 bis heute der höchste, den der heutige deutsche Rekordmeister jemals in einem Europapokalduell erzielt hat.
Die Gründe für den kuriosen Deal
Nikosia befindet sich im türkischen, damals hermetisch abgeriegelten Nordteil der Insel. Es war zu der Zeit politisch schwierig, dort ein internationales Spiel stattfinden zu lassen. Außerdem waren die Kräfteverhältnisse zu eindeutig, ein Rückspiel auf Zypern hätte am klaren Ausscheiden nichts geändert. Dies war allen vor den Partien klar.
Aber auch schon damals galt es, den ökonomischen Aspekt zu beachten: Omonia sportlich chancenlos, aber mit wesentlich höheren Zuschauereinnahmen in Augsburg. Außergewöhnlich für die damalige Europapokalzeit war auch, dass die Spiele am Dienstag und Donnerstag stattfanden. Ansonsten wurden ausnahmslos alle Europapokalspiele ausschließlich am Mittwoch ausgetragen und dies in allen drei ausgetragenen Wettbewerben (Landesmeister, Pokalsieger und UEFA-Cup).
Nur weitere zwei (eigentlich eher anderthalb) Tage später gewannen die Bayern übrigens beim VfB Stuttgart in der Bundesliga (um 15:30 Uhr) mit 1:0. Wieder sah Latteks Startformation bei den Feldspielern identisch aus. Möglicherweise ein bisher nicht recherchierter weiterer Profi-Fußball-Rekord. Andere Zeiten …
Titelbild: Nach der Saison wurden die Bayern zum zweiten Mal in Folge souverän Deutscher Meister. Vom Spiel in Augsburg vor 53 Jahren stehen Bayern Total leider keine Bilder zur Verfügung. Von den im Beitrag genannten Spielern fehlt außer Ersatzkeeper Skoric lediglich Breitner.
