Die Proteste der Fanszene des FC Bayern gegen die geplante Hospitanz der Vereinslegende Jérôme Boateng beim Training an der Säbener Straße haben Wirkung gezeigt. Das gefällt jedoch einer großen Zahl der Anhänger des Rekordmeisters überhaupt nicht.
Die Vorgeschichte: Nachdem der Weltmeister von 2014 im September sein Karriereende bekannt gegeben hatte, wurde Vincent Kompany auf einer Spieltags-PK von einem anwesenden Medienvertreter darauf angesprochen, ob dieser auf dem Weg zur A-Trainer-Lizenz die Möglichkeit bekommen würde, bei ihm im Training zu hospitieren. Der FCB-Chefcoach bejahte dies, Boateng meldete sich kurze Zeit später an der Säbener Straße und eine viertägige Hospitanz wurde vereinbart, nur der Zeitpunkt stand noch nicht fest.
Diese Vereinbarung rief die sog. „FCB-Fanszene“ auf den Plan, die den dominierenden Kern des Stimmungs-machenden Unterrangs der Südkurve in der Allianz Arena darstellt. Offiziell bietet dieser Stadionbereich 9336 Stehplätze an, etwa ein Tausend davon sind durch Ultras belegt, welche meinungsführend im Club Nr. 12, der Dachorganisation der aktiven Fanszene, sind. Der C12 selbst hat ca. 3000 Mitglieder.
Aufgrund von Boatengs „privaten Turbulenzen“, die jahrelang diverse Gerichte beschäftigten (an späterer Stelle eine ausführlichere Darstellung) wurden Verein und Ex-Spieler (2011 bis 2021, an beiden Triple-Siegen der Vereinsgeschichte beteiligt) bei den Heimspielen gegen Borussia Dortmund und Club Brügge heftig von der aktiven FCB-Fanszene attackiert. Mehrere großflächige Banner wurden ausgerollt, darauf war unter anderem zu lesen: „Wer dem Täter Raum gibt, trägt seine Schuld mit – Boateng, verpiss dich!“ wie auch „Kein Platz für Charakterschweine in unserem Verein – kein Platz mehr für Boateng!“
Während die Aktionen bei den übrigen Stadionfans größtenteils auf Ablehnung stießen und mit Kopfschütteln bedacht wurden, löste die massive mediale Berichterstattung in den Sozialen Medien heftige Diskussionen unter den Bayernfans aus. Dabei zeigte sich deutlich, dass sich eine beachtlich große Mehrheit hinter Boateng stellte. Selbst aus der Südkurve kamen durchaus zahlreiche Stimmen, die sich extrem von den „Ultra-Aktionen“ distanzierten. Medien-unterstützt sollten sich diese jedoch – mit Blick auf ähnliche Angelegenheit in der Vergangenheit nicht überraschend – mit ihren Forderungen durchsetzen.
Erklärung des FC Bayern zu Jérôme Boateng
Nach dem Sieg im Bundesliga-Klassiker bei Borussia Mönchengladbach (3:0) erklärte der Rekordmeister auf seiner Homepage und in den Sozialen Medien:
„In einem konstruktiven Austausch, den der FC Bayern und Jérôme Boateng in dieser Woche hatten, wurde entschieden, dass Jérôme Boateng nicht beim FC Bayern hospitieren wird. Jérôme fühlt sich dem FC Bayern sehr verbunden und möchte nicht, dass der FC Bayern aufgrund der aktuellen kontroversen Diskussion um seine Person Schaden nimmt.“
Wie vor zwei Jahren, als die aktive FCB-Fanszene bereits aus gleichen Gründen ein Boateng-Engagement unter dem damaligen Trainer Thomas Tuchel verhindert hatte, reagieren sehr viele Bayern-Anhänger auch diesmal wieder sehr enttäuscht auf die Entscheidung des Vereins. Hier exemplarisch die Äußerungen der Bayernfans auf Facebook (die Seite hat über 60 Millionen Follower) auf die Vereins-Erklärung.
Die Bayernfans wütend: „Vereinslegende mit Füßen getreten“
Die mit Abstand größte Zustimmung haben folgende Statements erhalten:
„Lächerlich und sehr peinlich, dass der Verein hier so regiert wegen einer kleinen Gruppe in der Kurve. Lieber Boa, nicht alle Fans denken so, es gibt eine große Gruppe, die sehr dankbar ist und dir alles Gute wünscht.“
„Ekelhafte Fans! Anscheinend wurde seine Leistung komplett vergessen! Dann weiß NIEMAND, was hinter verschlossenen Türen passiert ist und ob das alles so stimmt. Und wer bisher in seinem Leben KEINEN Fehler gemacht hat, der werfe den ersten Stein! #Heuchler„
„Die Ultras braucht keine Sau. Wenn ich Woche für Woche diese politischen Statements in der Kurve lese. Katastrophe. Und mindestens die Hälfte in der Kurve hat eine andere Meinung. Diese paar Idioten nehmen sich mittlerweile viel zu wichtig. Sie denken, sie stehen über dem Verein.“
„In dubio pro reo. Mehr sage ich nicht. Hier wird eine Vereinslegende mit Füßen getreten von einer Minderheit von Populisten, denen der Verein scheißegal ist. Leider mussten wohl Jerome und auch der FC Bayern so auseinander gehen, um all diesen Leuten und Schmierfinken jegliche Plattform zu nehmen… Alles Gute Jerome Boateng. Du packst das als Trainer und wer weiß, man sieht sich immer zweimal im Leben, vielleicht auch in München.“
Das Einknicken der FCB-Bosse vor einer „Minderheit“ wird von einer Vielzahl der Bayernfans in den Kommentaren bedauert bis scharf verurteilt. Die Wut verteilt sich auf die Ultras, die Vereinsführung, aber auch die (einseitig) berichtenden Medien. Grundtenor: „Applaus Bayern München, vor denen muss man natürlich kuschen.“
Auch Zustimmung für Entscheidung und Ultras
Natürlich gibt es in der heiß und häufig höchst unsachlich (weil auch schlecht informiert) geführten Debatte auch Zustimmung für die Ultra-Meinung und Vereinsentscheidung. „Einen Menschen zu verteidigen, der wegen Körperverletzung an seiner Freundin/Frau verurteilt wurde, sagt alles über euch aus, was man wissen muss…“ werden etwa die Boateng-„Verteidiger“ in einem Kommentar, der auch zahlreiche, aber längst nicht so viel Zustimmung wie die vorherigen findet, scharf kritisiert.
Dann mischen sich leider auch nicht wenige Nicht-Bayernfans in die Debatte ein. Meist Vertreter einer hasserfüllten Gruppe unserer Gesellschaft, die das Szenario als Anlass nehmen, auf tatsächlich schäbige Weise ehemals in die Kritik geratene Bayern-Legenden derb zu beleidigen. Uli Hoeneß, Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenigge, Franck Ribéry, selbst Breno wird in diesem Kontext erwähnt.
Jenseits der Emotionen: Der juristische Fall Boateng
Und dann gibt es einen – leider wenig beachteten – Kommentar, der zur Versachlichung der Geschichte beitragen möchte und den „Fall Boateng“ entsprechend ausführlich darstellt. Dieser Beitrag von Thomas B. wäre es grundsätzlich wert, hier als ganzer veröffentlicht zu werden, dies sprengt aber den Rahmen. Es geht um den Verlauf der Prozesse und die Begründung des letztinstanzlichen Urteils der Richterin Susanne Hemmerich am Landgericht München I. „Von dem Vorwurf des notorischen Frauenschlägers sei nichts übrig geblieben“, so Hemmerich bei der Urteilsverkündung.
„Boatengs Ex-Partnerin hatte ihm Gewalttätigkeit vorgeworfen. Er habe sie bei einem gemeinsamen Urlaub geschlagen und mit Gegenständen beworfen. Boateng selbst sprach von einer Rangelei mit beiderseitigen Verletzungen. Sein Verteidiger hatte eine „moderate“ Geldstrafe gefordert. Dieser Auffassung war nun auch die Vorsitzende, die von einer langjährigen „toxischen Beziehung“ mit wechselseitigen körperlichen Übergriffen und Beleidigungen sprach.“
Weiter: Ursprünglich verurteilte das LG München I Boateng „im Oktober 2022 in zweiter Instanz wegen Körperverletzung und Beleidigung zu einer Geldstrafe von insgesamt 1,2 Millionen Euro. Doch das BayObLG kassierte das Urteil unter anderem wegen durchgehender Rechtsfehler. Jetzt musste das LG München I erneut entscheiden. Zwar könnte Boateng erneut Rechtsmittel bei einer anderen Kammer des BayObLG einlegen, in seinem letzten Wort soll er laut Angaben der SZ jedoch gesagt haben, dass er müde sei. Neben dem Prozess wegen der Gewaltvorwürfe streiten Boateng und seine Ex-Partnerin auch seit Jahren um das Sorgerecht für die gemeinsamen Töchter.“
Anregungen zum Nachdenken in dieser Angelegenheit
Hierzu eigene Anmerkungen: Bei den „durchgehenden Rechtsfehlern“ muss es sich nicht zuletzt um eine massive Befangenheit der damaligen Richterin gehandelt haben. Das Sorgerecht für die beiden Töchter liegt laut neuesten Informationen aktuell bei Boateng, so etwas geschieht nie ganz grundlos.
Und eine Anregung zum Nachdenken: Das Werfen von Gegenständen in einer langjährigen „toxischen Beziehung“ sollte eher der Ausdruck von Verzweiflung als der Nachweis für einen „notorischen Frauenschläger“ sein. „Häusliche Gewalt“ gibt es zudem nicht nur von Seiten der Männer, sondern auch in erheblichem Maße andersherum. Die überwältigende Mehrzahl dieser Fälle dürfte aus nachvollziehbaren Gründen nie an die Öffentlichkeit oder gar zur Anzeige kommen.
Zusätzlich wird von der „Boateng-Frauenschläger-Fraktion“ auch der Suizid seiner Ex-Freundin Kasia Lenhardt im Februar 2021 angeführt. Spekulationen in dieser tragischen Angelegenheit ohne tatsächliche Sachkenntnisse sollte man tunlichst unterlassen, zumal in diesem Zusammenhang damals das Ausschlachten durch den Boulevard auf das Schärfste verurteilt worden war. Stattdessen könnte man aktuell ein bisschen Rücksicht auf Boatengs 14-jährige Zwillingstöchter nehmen. In dem Alter bekommt man durchaus mit, wenn der eigene Vater von der Öffentlichkeit als „Frauenschläger“ gebrandmarkt wird, auch wenn die Gerichte zu einem ganz anderen Urteil gekommen sind.

Noch besser als der Boateng-Beitrag in der vergangenen Woche.
Hier wird recherchiert, während der Boulevard klick-heischend hetzt und mobbt!
Danke
Habt ihr mitbekommen, dass dieser Pseudo-FCB-Blog Miasanrot nun wegen dieses Beitrags gegen euch (dich) hetzt?
Die gehören wohl zu den Initiatoren dieser Hetzjagd gegen Boateng. Dieser Justin Kraft nennt sich in einem Thread „neutral“, teilt aber gegen alles und jeden aus, der sich nur ansatzweise pro Boa äußert. „Petersgradmesser“ ist nun auch im Fokus. Unfassbar was der da so alles loslässt. Die Inquisition im Mittelalter war nicht viel schlimmer. Ein widerlicher Wicht.
Ja, leider.
Ich bin heute Morgen schon darauf aufmerksam geworden.
Dieser Kraft hat sich vor über zehn Jahren mal auf Petersgradmesser gemeldet. Er stand als Blogger-Anfänger mit „Lahmsteiger“ da und schleimte, dass er noch viel von mir lernen könnte.
Jetzt bekämpft er mich ganz offensichtlich, weil ich mich nicht seiner Hetzjagd gegen Boateng anschließe, sondern genau andersherum argumentiere. Dass er so weit gehen würde (hat mich auch bei meinem Verlag angeschwärzt), hätte ich aber nicht einmal ihm zugetraut.
Er berichtet aus Berlin vom FC Bayern (ins Stadion geht er offensichtlich auch fast nie) und erklärt mir Münchner die FCB-Fanszene. #Abenteuerlich
Ganz bitter so etwas zu hören.
MiasanS(ch****) habe ich vor langer Zeit wegen ihres etwas anderen Ansatzes einige Zeit angetan. Dann wurde mir das pseudo-intellektuelle Geschwafel zu viel, da startete gerade dieser ziemlich weich gespülte „Justin“, als sie dann ihre Leserschaft quasi um Geld angebettelt haben, bin ich komplett ausgestiegen.
Kraft ist ja mit teilweise fürchterlichen Artikeln auch im Boulevard unterwegs. „Pseudo-Journalismus“ der heutigen Zeit. Harry Valerien, Dieter Kürten & Co drehen sich da im Grab um.
MsR braucht letztendlich kein wirklicher FCB-Fan. „Pseudo-intellektuell“ ist ein treffender Ausdruck. Ausschließlich Sesselpupser, die meinen alles besser wissen zu müssen.
Wirkliche Bayernfans sind eher hier zuhause.
Zur Causa Boateng: Ich kenne keinen einzigen FCB-Fan, der sein Hospitieren nicht begrüßt hätte. Alles (ehemalige) Stadiongänger, viele in der SK zu Hause, allerdings eher Olympiastadion als AA, alles (Ex-)Kicker. Spielkonsolen-Fans wie bei MsR benötigen die nicht.