Für den internationalen Profifußball gilt mittlerweile: Nach dem Transferfenster ist vor dem Transferfenster. Je prominenter der Verein umso mehr mediales Thema. Kommentar Petersgradmesser.
Zum Ende der – wie sich nun immer mehr herauskristallisiert – doch durchaus gelungenen Sommertransferperiode hat Max Eberl angekündigt, sich in der September-Länderspielpause ein paar Tage Erholung zu gönnen. Die hat sich der Sportvorstand des FC Bayern redlich verdient, es war eine schwierige und sehr lange Transferperiode mit einigen überraschenden Wendungen und sich offensichtlich kurzfristig ändernden komplexen finanziellen Vorgaben. Die Öffentlichkeit hat ihm und all seinen Kollegen diese Auszeit nicht gegönnt.
Natürlich sind neu verpflichtete Spieler wie der am Deadline Day vom FC Chelsea ausgeliehene Nicolas Jackson ein großes Thema. Aber sind zunächst nicht die sportlichen Dinge – wie bewährt sich ein Neuzugang – in den Fokus zu rücken, bevor die Vereinspläne mit dem Spieler nach Ablauf der Leihe berichtet und diskutiert werden? Schlägt Jackson ein, ist eine Weiterverpflichtung logisch, tut er es nicht, wesentlich weniger.
Seriöser „Transfer-Journalismus“ gehört zum Fußball-Geschäft
Uli Hoeneß kritisiert permanent den „Transfer-Journalismus“, Fußball-Romantiker stimmen ihm dabei ohne Einschränkung zu. Aber es gibt natürlich auch einen Grund, warum es Transferexperten wie Fabrizio Romano mit Social Media Zahlen im zweistelligen Millionenbereich gibt: Angebot und Nachfrage. Aktuell könnte man aber durchaus den Eindruck gewinnen, dass das Angebot die Nachfrage bei Weitem übersteigt.
Nach dem – trotz Kane-Verpflichtung – final desolaten Transfersommer des FC Bayern 2023 mit einigen gewaltigen Kaderbaustellen machte es noch Sinn, auf das künftige Wintertransferfenster zu blicken und zu spekulieren. Aber trifft das auch auf den Herbst 2025 zu? Das Team von Vincent Kompany ist grandios in die Saison gestartet und seit seinem Amtsantritt vor über 19 Monaten predigt Eberl permanent, dass man mit dem Kader zufrieden sei und bei Bedarf lediglich „punktuell“ agieren würde.
FCB-Herbst-Spekulationen 2024
Blicken wir auf den Herbst 2024 zurück: Der Start des neuen Coaches Kompany war vielversprechend, aber man konnte sich gewiss nicht sicher sein, wohin die Reise des FC Bayern bzw. seiner Profimannschaft gehen würde. Eine Vielzahl an Spielern wurden als potenzielle Wechselkandidaten nach der Saison gesehen: Aufgrund der auslaufenden Verträge wurde Alphonso Davies bereits als künftiger „Königlicher“ gesehen, Joshua Kimmich konnte man sich in Halb-Fußball-Europa vorstellen.
Leon Goretzka gilt seit Jahren als Abschiedskandidat, ebenso Serge Gnabry, dazu das „schwächelnde Monster“ Minjae Kim, Sacha Boey wurde sowieso als zu schwach für den Rekordmeister erachtet, selbst bei Jamal Musiala über eine Rückkehr auf die Insel spekuliert. Sie sind alle in München geblieben und haben teilweise langfristig verlängert.
Die tatsächlichen Sommer-Zu- und Abgänge 2025
Gegangen sind dagegen Neuzugang João Palhinha, von dem man nicht gedacht hatte, dass er überhaupt nicht in das Kompany-System passen würde, Mr. Zuverlässig (aber nicht brillant) Eric Dier, Fanliebling Mathys Tel, bei dem zunächst sogar die Tottenham-Leihe eine Überraschung war, die Vereinsikone Thomas Müller, bei der man dachte, er würde definitiv so lange bleiben, wie es ihm selbst Spaß macht.
Aus dem Trio Kingsley Coman, Leroy Sané, Serge Gnabry war letzterer aufgrund der Vertragskonstellation der „logischste“ Abgang, gegangen sind die anderen beiden – nicht wirklich gerne.
Auf der Zugangsseite wurde Florian Wirtz monatelang als wahrscheinlicher bis sicherer Kandidat gehandelt – gekommen sind dagegen Luis Díaz, Nicolas Jackson, Tom Bischof und Jonathan Tah. Wer im Herbst 2024 auf eine Verpflichtung der beiden Premier-League-Profis gewettet hätte, wäre reich geworden, Bischof ist ein typischer FCB-Deal, ohne Vorankündigung. Tah wurde – trotz des 2024 geplatzten Wechsels an die Säbener Straße – eher nach Barcelona geschrieben, obwohl die desaströse Situation der Katalanen allgemein bekannt ist.
Herbst 2025: Die Dinge wiederholen sich
Nun im Herbst 2025 sieht die Lage nicht viel anders als vor einem Jahr aus: Wieder gibt es aus unterschiedlichen Gründen angebliche Wechselkandidaten: Den Part „Most Wanted“ von Musiala haben Michael Olise und Harry Kane eingenommen, Goretzka und Minjae verharren in ihren Positionen, Dayot Upamecano hat eine Vertragssituation wie zuvor Davies und Kimmich, das Tauziehen verläuft ähnlich.
Raphaël Guerreiro besitzt unter Kompany keinen Stammplatz, ist aber gerade als Allrounder sehr wichtig beim relativ kleinen FCB-Kader. Dass selbst ein Abgang der Eigengewächse und gebürtigen Münchner Josip Stanišić und Aleksandar Pavlović diskutiert wird, ist nahezu absurd.
Und dann gibt es natürlich bei den Wunschkandidaten für den nächsten Sommer diese legendäre „Short List“ der Verantwortlichen an der Säbener Straße, deren Aktualisierung täglich den leitenden Angestellten einer großen deutschen Boulevardzeitung zukommen soll, damit diese die „geheimen FCB-Pläne“ in ihrem frequentierten Podcast mitteilen können. Davon träumen Christian Falk & Co. zumindest.
In den vergangenen Jahren wurde oft die Wiederkehr des FC Hollywood aus den 1990er Jahren gefeiert und belächelt. Die Dimension des Ganzen ist jedoch erheblich größer geworden: Der gesamte Profifußball-Zirkus ist mittlerweile ein riesiges Hollywood. Die eigentlichen Protagonisten, die Spieler, dabei nicht selten aber nur Nebendarsteller und Komparsen.
Titelbild: Verabschiedet sich Upamecano schon von Kane? Nein, derzeit sind beide glückliche Mitglieder einer äußerst erfolgreichen Mannschaft.

Top Kommentar!
Ich bin einer dieser „Romantiker“ 😉