Vertragsverhandlungen: Verpokert sich der FC Bayern oder Upamecano?

Kommentar Petersgradmesser

Beim FC Bayern droht ein zweiter „Fall Sané“. Mit Dayot Upamecano könnte ein weiterer im Verein hochgeschätzter Spieler gehen, weil man keine Einigung beim Gehalt erzielen kann.

Die Parallelen sind auffällig: Wie der deutsche Nationalspieler Leroy Sané stellt auch der französische Vizeweltmeister Dayot Upamecano auf seiner Position Weltklasse dar, wenn er fit und in Bestform aufläuft. Weil das beiden nicht regelmäßig gelingt, sind sie häufig Ziel von übermäßiger, teilweise auch ungerechtfertigter Kritik.

Gescheitere Sané-Verhandlungen kommen den FCB sehr teuer

Obwohl sich Leroy Sané in der letzten Saison nach einer Leistenoperation speziell in der Rückrunde auf sehr überzeugende Weise zurückgekämpft hatte, grundsätzlich sehr gerne beim Rekordmeister geblieben wäre, konnte man sich nicht auf eine Verlängerung des am 30. Juni 2025 auslaufenden Vertrags einigen.

Dabei wäre der 29-Jährige – trotz der kurzfristigen Verpflichtung des berüchtigten Spielerberaters Pini Zahavi – sogar zu Einbußen bei seinem sehr üppigen Gehalt bereits gewesen. Aber nicht in dem Maße, wie es die Verantwortlichen des FC Bayern vorsahen. Seit dem 1. Juli ist er nun Spieler von Galatasaray Istanbul, an der Säbener Straße tut man sich derweil äußerst schwer, einen adäquaten Ersatz zu finden. Jeder medial diskutierte Transfer wird den Verein wesentlich teurer kommen als es bei einer Kontraktverlängerung Sanés der Fall gewesen wäre. Derzeit ist Luis Díaz vom FC Liverpool der Favorit.

Wie honoriert Bayern Upamecanos überragende Saisonleistungen?

Während Sané mit Vorwürfen wie „Launenhaftigkeit“ und Inkonstanz in den Leistungen konfrontiert wurde, waren es bei Upamecano zumeist Leichtsinnsfehler, Unkonzentriertheiten, die sogar zuvor erbrachte Weltklasse-Performances „vernichtet“ hatten. Unter dem neuen Chefcoach Vincent Kompany stellte er diese Fehleranfälligkeit aber fast komplett ab. Diese Einschränkung betrifft natürlich sämtliche Weltklassespieler – nicht nur – auf seiner Innenverteidigerposition. In der großartigen Historie des FC Bayern beispielsweise auch Franz Beckenbauer, Schorsch Schwarzenbeck, Klaus Augenthaler, Jérôme Boateng und David Alaba.

Bis zu seiner bei der französischen Nationalmannschaft im März erlittenen Knieverletzung performte Upamecano unter Kompany, für dessen aggressives Spielsystem er der perfekte Innenverteidiger ist, überragend. Im CL-Viertelfinale gegen Inter Mailand fehlte er an allen Ecken und Enden. Anschauungsunterricht für welche Spielweise er steht, lieferte er im Achtelfinale der Klub-WM gegen Flamengo: Bei Harry Kanes 2:0 eroberte er auf ebenso geschickte wie robuste Weise tief in der brasilianischen Hälfte das Spielgerät, die FCB-Tormaschine musste nur noch vollenden.

Die Stärken des Vize-Weltmeisters

Das Aufbauspiel des 26-Jährigen ist ebenfalls hervorragend, zumindest auf dem Level der immer noch von zahlreichen Bayernanhängern vermissten Alaba und Boateng. Die Zweikampfquote des 30-fachen Nationalspielers ist stark und könnte sogar noch erheblich besser sein: Denn in die Statistiken fließen auch solche Zweikämpfe – negativ – ein, die von der Situation quasi unmöglich zu gewinnen sind. Upamecano stürzt sich aufgrund seiner Athletik regelmäßig in Szenen, die wesentlich langsamere Verteidiger wie Matthijs de Ligt oder Eric Dier nicht ansatzweise erreichen können. Ein stets bei seiner Bewertung vernachlässigter Fakt.

Wie Sané war auch Upamecano in der abgelaufenen Saison bei Kompany gesetzt: Als Abwehrboss – und auch wenn nun geschrieben wird, dass die Neuverpflichtung Jonathan Tah der neue Chef in der Münchner Verteidigung sein soll, ist diese Verteilung keineswegs in Stein gemeißelt.

Welche Zahlen stimmen bei Upamecano?

Der FCB-Vertragspoker mit Sané ist gescheitert, der mit Upamecano sollte nun in eine entscheidende Phase treten, sein Vertrag endet 2026. Während der Tempodribbler keine radikale Verringerung seines Salärs akzeptierte, soll der massive Abwehrspieler einen heftigen Sprung bei seinem Jahresgehalt einfordern.

Bei der Einschätzung, was das genau bedeutet, gehen die Meinungen aber weit auseinander. Diejenigen, die diese „maßlose Forderung“ kritisieren und als absolut unangemessen ansehen, zitieren Quellen, die ihn mit einem Jahresgehalt von rund 16 Millionen Euro bereits zu den Münchner „Besserverdienern“ zählen. Stimmen diese Zahlen, hätten sie wohl recht.

Es gibt aber auch zahlreiche Quellen, die Upamecanos Jahressalär bei 10 Millionen Euro einordnen. In diesem Fall wäre eine Gehaltsaufbesserung im Vergleich zu den Mitspielern für einen Weltklasse-Innenverteidiger durchaus angebracht. Welches Gehalt der bullige Franzose 2021 mit dem damals sehr spendablen Sportvorstand Hasan Salihamidžić tatsächlich ausgehandelt hat, bleibt unklar. Beide Zahlen erscheinen möglich.

Presse, Spielerberater & der FC Bayern

Wenig verwunderlich in diesem Kontext ist, dass Medien, in diesem Fall das spanische Portal fichajes.net, berichten, dass es spektakuläre Interessenten für den Stamm-Innenverteidiger des Vize-Weltmeisters Frankreich gäbe: Real Madrid und auch der FC Barcelona sind auf Innenverteidigersuche.

Mediale Logik und / oder taktische Vorgehensweise eines Spielerberaters, der auf den Stammverein Druck ausüben möchte? Alles möglich. Der FC Bayern sollte auf alle Fälle nicht noch einmal den Sané-Fehler begehen. Wobei es bei der Einschätzung natürlich eine Rolle spielt, ob nun Upamecano tatsächlich ein Jahresgehalt von 10 oder 16 Millionen Euro einstreicht.

Das Ergebnis des Sané-Pokers war für den FC Bayern und den Spieler eine bedauerliche Lose-Lose-Situation. Eine Warnung für die Beteiligten der derzeitigen Verhandlungen. Ein tatsächliches Interesse von Real Madrid wäre natürlich ein Joker in der Hinterhand der Upamecano-Seite. Ein angebliches vom FC Barcelona hat schon in der Causa Sané nicht gezogen.

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