„Einer der größten Vereine der Welt“: Woltemade-Kumpel träumt von Bayern-Rückkehr

Ex-Campus-Spieler Frans Krätzig ist fix zu Red Bull Salzburg gewechselt. In einem erstaunlichen Interview spricht er über die Freundschaft zu Nick Woltemade und eine Rückkehr zum FC Bayern.

Frans Krätzig war 2017 als 14-Jähriger vom 1. FC Nürnberg zum FC Bayern Campus gewechselt. Hochtalentiert machte ihm dort seine schmächtige Statur zu schaffen. 2019 spielte er zusammen mit dem gleichaltrigen Jamal Musiala in Miroslav Kloses U17. Mit dem Beginn der Corona-Pandemie schien er aber im Gegensatz zum aktuell verletzten Superstar des Rekordmeisters das Pech gepachtet zu haben: Von März 2020 bis Juni 2021 fast kein Spielbetrieb im gesamten Nachwuchsfußball und in der Saison 2021/22 fiel der U21-Nationalspieler fast komplett wegen einer hartnäckigen Schambeinentzündung aus.

Vom Campus-Pechvogel zum „Frans im Glück“

Obwohl er damit für den Spielbetrieb fast zweieinhalb Jahre ausgefallen war, wurde Krätzig nicht zuletzt wegen seiner überragenden technischen Begabung zur Spielzeit 2022/23 in den Kader der Bayern Amateure aufgenommen. Auch dort hatte er in der spielerisch limitierten Regionalliga aufgrund seiner körperlichen Defizite schnell einen großen Nachteil als zentraler Mittelfeldspieler. Im Spätherbst 2022 verlor er seinen anfänglichen Stammplatz, um dann wie „Phönix aus der Asche“ in der Rückrunde sein Comeback in der neuen Rolle als Linksverteidiger zu geben.

Sicherlich nicht seine Lieblings- und auch nicht seine beste Position auf dem Spielfeld, aber sein Durchbruch im Seniorenfußball. Als sich dann im Sommer 2023 Neuzugang Raphaël Guerreiro verletzte, nominierte FCB-Coach Thomas Tuchel Krätzig für den Asientrip der Bayernprofis. Legendär sein überragender Siegtreffer in Singapur zum 4:3 gegen den FC Liverpool: Vom Campus-Pechvogel zum „Frans im Glück“.

Nach drei Leihen nun fix bei Red Bull Salzburg

Nach der Werbetournee absolvierte der damals 20-Jährige unter Tuchel im Kalenderjahr 2023 sieben Pflichtspiele für die Profis, sein Vertrag wurde bis 2027 verlängert. Dennoch gelang ihm nicht der große Durchbruch, weshalb Leihen zu Austria Wien, zum VfB Stuttgart und zum 1. FC Heidenheim folgten. Im Juni denn der Wechsel für 3,5 Millionen Euro zu den Roten Bullen nach Salzburg.

Die Sportseite SPOX führte nun ein Interview mit Krätzig, welcher schon zu Bayern-Zeiten mit reflektierten sympathischen Interviews auf sich aufmerksam gemacht hatte.

Krätzigs Salzburg-Einstand bei Klub-WM mit Erinnerungen an FCB-Asientour

Seinen Einstand für den früheren österreichischen Serienmeister gab Krätzig gleich bei der Klub-WM in den USA, wo er in allen drei Partien als Linksverteidiger in der Startformation stand. Der FC Bayern hatte wohl überlegt, ihn selbst noch mit zum Turnier zu nehmen, aber der deutsche Nachwuchs-Nationalspieler hat sich „letztlich dann ganz bewusst für einen vorzeitigen Wechsel nach Salzburg entschieden. Ich wollte das Turnier nutzen, um hier reinzukommen.“

Im Interview erinnert sich Krätzig in diesem Kontext an den Asien-Trip von vor zwei Jahren: „Vom Gefühl her war es ähnlich wie jetzt in den USA. Außer, dass es damals sportlich nicht so um die Wurst ging. Für mich waren das die ersten Schritte im Profigeschäft. Ich habe zum ersten Mal gesehen, wie es bei Bayern läuft und wie es so ist, Profifußballer zu sein. Als erstes denke ich natürlich an mein Tor gegen Liverpool. Das war ein Riesending für mich.

Ob er damals auf eine FCB-Karriere gehofft hat: „Ich bin bodenständig genug, um zu wissen, dass dafür ein Tor nicht reicht. Aber ich habe das damals schon als Startschuss empfunden und geglaubt: Ja, ich komme irgendwie rein in den Profifußball – vielleicht nicht bei Bayern, aber irgendwo.“

Keine Kritik an FCB-Nachwuchsarbeit

Die aktuelle Kritik am FCB-Campus kann Krätzig nicht nachvollziehen: „Ich hatte zu meiner Zeit im Verein schon das Gefühl, dass viel auf die eigenen Jugendspieler geschaut wird. Sonst wäre so etwas wie meine Teilnahme an der Asien-Reise gar nicht passiert. Klar ist es schön, wenn junge Spieler Chancen bekommen. Aber Bayern ist einer der größten Vereine der Welt, da ist es nicht so einfach ganz nach oben zu kommen.“

Dicke Freundschaft mit Nick Woltemade

Mit dem aktuellen FCB-Wunschspieler Nick Woltemade verbindet Frans Krätzig seit seinem halbjährlichen Stuttgart-Engagement in der Hinrunde der vergangenen Spielzeit eine echte Freundschaft: „Bei uns hat es sofort gematcht. Wir sind zwei Charaktere, die perfekt zusammenpassen. Wir verstehen uns sehr gut und haben gleiche Interessen. Mit Nick macht es immer Spaß, egal ob auf oder neben dem Platz.“

Die rasante Entwicklung seines guten Kumpels überrascht Krätzig keineswegs: „Im Fußball geht alles schnell, egal ob nach oben oder unten. Seine Entwicklung hat mich nicht überrascht. Ich habe schon damals Nicks fußballerische Anlagen gesehen.“ Um dann noch ein interessantes Detail zu liefern: „Jetzt kommt auch noch das nötige Selbstvertrauen dazu.“

Mit dem Torschützenkönig der U21-Europameisterschaft verbindet den Neu-Salzburger zudem die Leidenschaft für Mode. Woltemades „Style“ findet er gut. „Ein bisschen besonders. Ich mag es, wenn Leute den Konsens brechen – und genau das macht er.“

Krätzigs Ziele beim neuen Verein

Nachdem der österreichische Serienmeister in der Mozartstadt in den letzten beiden Spielzeiten zusehen musste, wie die Meistertrophäe in Graz in die Höhe gereckt wurde, hat Krätzig – auf seine sympathische Weise – bei seinem neuen Verein bescheidene wie große Ziele.

„Für mich persönlich ist Spielpraxis das Wichtigste. Gleichzeitig möchte ich der Mannschaft nicht nur als Spieler, sondern auch als Persönlichkeit helfen. Nach den beiden schwierigen Jahren sollten wir demütig sein und nicht zu viel erwarten. Es wäre aber auch komisch, wenn ich sagen würde: Wir wollen Zweiter werden. Ich will am Ende so ein rundes Ding in die Höhe strecken.“

Erfolg in Salzburg würde für ihn bedeuten, „wenn ich mich als Fußballer weiterentwickelt habe, vor allem aber als Mensch. Wenn ich mich zuhause gefühlt habe, nette Menschen kennengelernt habe und immer gerne zum Training gekommen bin. Das alles ist meiner Meinung nach im Fußball-Business keine Selbstverständlichkeit.“

„Der hat das Fußball-Business missverstanden“

Der FC Bayern hat sich für Krätzig eine Rückkaufoption gesichert. Krätzig zu einer Rückkehr an die Säbener Straße: „Bayern ist einer der größten Vereine der Welt. Wer nicht bei Bayern spielen will, der hat das Fußball-Business missverstanden. Es ist für mich sehr denkbar, irgendwann zum FC Bayern zurückzukehren. Aber jetzt will ich mich in Salzburg weiterentwickeln. Hier mache ich Schritt eins, zwei und drei. Vielleicht ist Schritt vier eine Rückkehr zum FC Bayern.“

Eine schöne Vorstellung, auch für einen Bayernfan, der dem kleinen Frans auf dem Campus mit Begeisterung zugeschaut hat, als er als mit Abstand schmächtigster Akteur auf dem Feld mit seiner Technik das gesamte Spiel dominiert hat. Zudem machen ihn seine sympathische Art und Reflektiertheit zu einer äußerst positiven Erscheinung im Profi-Fußball.

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