Der Abgang von Eric Dier zur AS Monaco wurde bislang nicht offiziell von Spieler- oder Vereinsseite bestätigt, dennoch gibt es über die Konsequenzen bereits zahlreiche Diskussionen.
Bis zuletzt konnte man davon ausgehen, dass der englische Ex-Nationalspieler Eric Dier seinen zum Saisonende beim FC Bayern auslaufenden Vertrag verlängern würde. Der 31-Jährige schwärmte stets von der Magie des großen Klubs, mit dem er sich klar und deutlich identifiziert. Aufgrund zahlreicher Ausfälle in der Münchner Innenverteidigung stand er in den letzten Monaten regelmäßig in der Startelf von Vincent Kompany. Seine soliden Leistungen sollen die Vereinsverantwortlichen dazu bewogen haben, mit ihm zu verlängern.
Dazu soll es jetzt aber – etwas überraschend – doch nicht kommen. Der Engländer wird laut übereinstimmenden Medienmeldungen den FC Bayern im Sommer verlassen. Das Angebot von der AS Monaco aus der französischen La Ligue soll für Dier verlockender sein: Anstelle eines Ein-Jahres-Vertrags an der Säbener Straße – weiterhin ohne große Einsatzgarantien – soll der Nobelklub aus dem Fürstentum im Süden Frankreichs einen Zwei-Jahres-Vertrag mit der Option auf eine weitere Verlängerung um ein Jahr anbieten. Zudem soll er dort als Stammkraft in die Saison gehen.
Hamann kritisiert FC Bayern für Dier-Abgang
Sky-Experte Didi Hamann zeigt – wie viele FCB-Fans – für dieses neue Szenario wenig Verständnis, kritisiert die FCB-Verantwortlichen. So schreibt er in seiner Kolumne: „Das überrascht mich sehr. Ich dachte, dass eine Vertragsverlängerung mit ihm Formsache ist. Die Bayern waren möglicherweise nicht dazu bereit, Dier solch eine Laufzeit über zwei Jahre plus Option auf ein weiteres Jahr, was er nun in Monaco bekommt, zu geben“, so Hamann einleitend.
Und weiter: „Vielleicht hätte Bayern da etwas kreativer sein müssen. Dier wurde in der Rückrunde gebraucht, ist auf dem Platz selten bis nie negativ aufgefallen. Das ist für mich immer das beste Zeichen als Innenverteidiger bei Bayern München. Er spricht auch intern gewisse Dinge mal an. Zudem war er auch torgefährlich, traf beim Rückspiel in Mailand. Auf ihn ist immer Verlass.“
Vor allem für die Klub-WM sieht Hamann den Abgang kritisch: „Dier ist ein Spieler, der eine Mannschaft zusammenhält. Wenn er nicht spielt, meckert er nicht. Wenn er spielt, bringt er Leistung. Er hat es in seiner Bayern-Zeit herausragend gemacht. Gemeinsam mit Stanišić hat er es in den letzten Wochen in den großen Spielen hervorragend gemacht. Auch mit Blick auf die Klub-WM ist das ein großer Verlust.“
Dier-Einsatz bei Klub-WM sollte möglich sein
Mit seinen Äußerungen zur Klub-WM geht Hamann davon aus, dass es dafür – nicht wie in anderen Fällen – eine Sonderlösung geben wird. Die FIFA bietet aufgrund der speziellen zeitlichen Konstellation hierzu an, individuelle Lösungen zwischen den Vereinen und Spielern zu finden. Das Verhältnis von Dier und dem FC Bayern sollte weiterhin absolut intakt sein. Warum sollte man also nicht auch hier eine gute Lösung finden können. Es ist die letzte Chance des 31-Jährigen auf dieses neu eingeführte Turnier.
Trotz solider Leistungen: Dier genügt nicht dem Anforderungsprofil für FCB-IV
Tatsächlich konnte Eric Dier – gemessen an seinen Möglichkeiten – in den letzten Wochen und Monaten überzeugen. Er hat seinen Part solide herunter gespielt. Aber es hatte auch seinen Grund, warum er im Herbst trotz eines akuten Personalnotstands in der FCB-Innenverteidigung von Kompany fast schon ignoriert wurde. Nach wie vor passt er nicht in das System des Belgiers: Dier fehlt es an Grundschnelligkeit und sein Aufbauspiel ist schlichtweg nicht ausreichend für die Ambitionen des Rekordmeisters.
Aufgrund der Verletzungen von Dayot Upamecano und Hiroki Ito, der permanenten Achillessehnenbeschwerden von Minjae Kim musste Kompany in den letzten Wochen sein System an Dier anpassen. Das hohe Anlaufen, gerade der Innenverteidiger, wurde mehr oder weniger eingestellt. Und die Mängel im Aufbauspiel von Dier – lieber ein Sicherheitsrückpass als ein gekonnter Schnittstellenpass wie speziell bei Upamecano – wurden von den gegnerischen Mannschaften taktisch ausgenützt: Da offensiv vom Engländer wenig Gefahr ausgeht, lässt man ihm auch gerne und ausgiebig den Ball.
Die Hausaufgaben des FC Bayern
Viel wird nun von der Not des FC Bayern, speziell wird in diesem Kontext Sportvorstand Max Eberl genannt, hinsichtlich der Innenverteidigung für die nächste Saison gesprochen. Nachdem der Japaner Ito mit seinem erneuten Mittelfußbruch offenbar bis zum Jahresende ausfallen könnte, scheint der Kader auf dieser Position tatsächlich ausgedünnt. Aber Eberl & Co. haben sicherlich einen Plan B, wenn sie einen aktuellen – wenn auch aus der Not heraus geborenen Stammspieler – ziehen lassen.
An der Säbener Straße muss man sich nun vor allem auf zwei Personalien konzentrieren: Endlich mit dem in Kürze wieder einsatzfähigen französischen Vizeweltmeister Upamecano verlängern, der für sein Leistungspotenzial wohl auch eine Gehaltserhöhung verdient. Und dann den „Fehler“ (Lothar Matthäus) aus dem letzten Jahr korrigieren und den deutschen Nationalspieler Jonathan Tah – ablösefrei aus Leverkusen – verpflichten. Dann wäre die Münchner Defensive sogar besser als in der laufenden Saison aufgestellt. Ach ja: Minjae Kim sollte natürlich auch nicht abgegeben werden.
PS: Soeben hat FCB-Sportdirektor Christoph Freund auf der PK vor dem Leipzig-Spiel bestätigt, dass Dier den Verein definitiv im Sommer verlassen wird.
