Kurioser Spielverlauf: Enttäuschte Bayern sind Deutscher Meister

Das Auswärtsspiel des FC Bayern bei RB Leipzig ist ein Spiegelbild der gesamten Saison. So dürfen die Münchner die 34. Meisterschaft der Vereinsgeschichte noch nicht offiziell feiern.

Auch wenn die Ausfallliste beim deutschen Rekordmeister am 32. BL-Spieltag ähnlich prominent wie die Formation auf dem Rasen war – Jamal Musiala, Harry Kane, Dayot Upamecano, Minjae Kim, Alphonso Davies, Hiroki Ito und Raphaël Guerreiro waren nicht einsatzfähig bzw. spielberechtigt, wollte Vincent Kompanys Truppe trotzdem auch das Topspiel beim CL-Aspiranten RB Leipzig erfolgreich bestreiten, um die 33. Bundesliga-Meisterschaft, die 34. Deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte ohne geringste Zweifel abzusichern.

Vor Anpfiff klar: Unentschieden reicht zum Titelgewinn

Dabei war eigentlich jedem vor dem Anpfiff klar, dass bereits ein Unentschieden den Titel endgültig sichern würde. Bei acht Punkten Vorsprung und dem um satte 30 Tore besseren Torverhältnis war dies ein Gebot der (Fußball-)Logik. Und genau diesen Auftrag erfüllte die dezimierte Münchner Truppe. Das Wie – absolut bezeichnend für den Saisonverlauf.

Obwohl feldüberlegen gingen die Bayern mit einem 0:2-Rückstand in die Halbzeitpause. Während die Heimmannschaft äußerst effektiv ihre Chancen nutzte, dabei auch von Unachtsamkeiten des Tabellenführers profitierte, gingen die Bayern – Serge Gnabry und Thomas Müller sind stellvertretend zu nennen – fahrlässig und schlampig mit ihren Möglichkeiten um.

FC Bayern dreht nach der Halbzeit gewaltig auf

Ohne personelle Veränderungen, aber mit frischen Elan starteten die Münchner in die zweite Halbzeit und schnürten den Gegner teilweise in die eigene Hälfte ein. Die Wechsel nach gut einer Stunde – Leon Goretzka für Sacha Boey und Kingsley Coman für den dieses Mal glücklosen Müller – ließen das Spiel dann endgültig kippen.

Zunächst der Doppelschlag durch Eric Dier (62.) nach Kimmich-Ecke und Michael Olise (63.) nach Gnabrys Kopfballvorlage zum 2:2-Ausgleich, dann der zu dem Zeitpunkt bereits hochverdiente 3:2-Führungstreffer durch Leroy Sanés satten 15-Meter-Schuss (116 km/h). Die auch rechnerische Deutsche Meisterschaft?

Leipziger Ausgleich mit Schlusspfiff

Nein, nicht beim FCB 2024/25 – nach weiteren Schlampigkeiten im Abwehrverbund kommt Leipzig in der Nachspielzeit der Nachspielzeit (90. +5) zum schmeichelhaften Ausgleichstreffer. Vier Minuten Nachspielzeit waren ursprünglich angezeigt. 20:8 abgegebene Schüsse hatten am Ende wieder einmal nicht zum grundsätzlich verdienten Sieg gereicht.

Nach dem 3:3 wurde erst gar nicht mehr angepfiffen. Obwohl sie über ihre Leistung in Halbzeit 2 sehr stolz sein konnten und die Meisterschaft definitiv nicht mehr in Gefahr kommen kann – 30 Tore kann man in fünf Spielen nicht mehr verlieren – waren die Bayern nach dem Schlusspfiff enttäuscht. Natürlich verständlich.

Vielleicht sogar schöner: Feiern in der heimischen Arena

Aber: Dann eben der Meisterschaftssekt und die Bierduschen am kommenden Samstag im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Oder schon morgen auf dem Sofa, wenn Leverkusen in Freiburg nicht gewinnen kann.

Wegen der Stadionatmosphäre am nächsten Spieltag in München muss man fast schon den Leverkusenern die Daumen drücken. Es wäre auch ein adäquates Happy End für den in Leipzig gesperrten Harry Kane.


Titelbild: Frenetischer Jubel nach Sanés 3:2.

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