Ein nachdenklicher Kommentar
Der FC Barcelona kann sein CL-Halbfinal-Heimspiel gegen Inter Mailand nicht gewinnen (3:3), wird trotzdem gefeiert. Beim FC Bayern wären die Kommentare höchstwahrscheinlich anders ausgefallen.
Vor allem für den neutralen Zuschauer war das Halbfinal-Hinspiel in der Königsklasse zwischen dem FC Barcelona und Inter Mailand ein Spektakel. Letztendlich trennten sich überlegene Katalanen von einem – wie gegen den FC Bayern im Viertelfinale – effektiven Gegner mit 3:3. Wäre Inters 36-jähriger Armenier Henrikh Mkhitaryan bei seinem vermeintlichen 4:3 nicht um zwei oder maximal drei Zentimeter im Abseits gestanden, wäre sogar der italienische Meister mit einem knappen Erfolg nach Hause gereist. Trotz Heim-Remis wird aber vor allem der spanische Tabellenführer gefeiert.
Bei solchen Spielbewertungen und Lobeshymnen schütteln die Anhänger des FC Bayern regelmäßig den Kopf. Liefert der deutsche Rekordmeister ähnlich famose Leistungen ab, die am Ende nicht mit dem entsprechenden Ergebnis belohnt werden, hagelt es eher Kritik: Es wird die Ineffizienz der Offensive bemängelt, aber bei drei (vier) Gegentoren nicht zuletzt die Defensive in der Luft zerfetzt und als nicht „Champions League reif“ abqualifiziert.
Hanno Balitsch stellte angesichts der Spielleistungen in beiden CL-Halbfinalspielen (auch FC Arsenal – PSG 0:1) fest, dass die Bundesligisten in dieser Saison nicht das Niveau hatten, um in der Vorschlussrunde zu stehen.
Dabei gab es im CL-Achtelfinale mit dem FC Bayern eine deutsche Mannschaft, die zumindest in jener Spielrunde – ausnahmsweise nahezu in Bestaufstellung – die besten Leistungen aller 16 Teams zeigte. Die bei vielen Experten sogar favorisierten Leverkusener wurden im Gesamt-Score mit 5:0 pulverisiert – vier weitere Aluminiumtreffer zeigten, dass es noch viel deftiger hätte ausgehen können. Aber leider war nicht Real Madrid, Barcelona, PSG oder auch Inter der Gegner. Im innerdeutschen Duell konnte man die herausragende Performance klein reden.
Alle(!) FCB-Mannschaftsteile spielten gegen den Double-Sieger der vergangenen Spielzeit wie aus einem Guss. In jener März-Form hätte der deutsche Rekordmeister vor allem der anfälligen Defensive Barcelonas viele Probleme, viele Schmerzen bereiten können. Konjunktiv, denn ein unfassbares Verletzungspech hat Kompanys Team zu sehr geschwächt.
Und obwohl es trotzdem auch der Münchner FCB ins Halbfinale hätte schaffen können, es sogar verdient gehabt hätte, wird dieser nun bei vielen frühzeitigen Saisonbilanzen – selbst in Anbetracht einer fast sicheren Meisterschaft – scharf kritisiert. Nahezu kein Spieler soll seinen Kaderplatz in der nächsten Saison sicher haben.
Bei Barcelona erinnert man dagegen nach dem „wilden“ 3:3 an das spanische Pokal-Halbfinale, als sich Hansi Flicks Team zuhause sogar 4:4 von Atlético Madrid getrennt hatte, dann aber mit einem 1:0-Auswärtssieg fürs Finale qualifizierte.
Blicken wir voraus: Der FC Barcelona gewinnt – wider Erwarten – nicht die Champions League und der FC Bayern gewinnt – auch wider Erwarten? – Mitte Juli die Klub-WM in den USA, für die sich die Katalanen übrigens nicht qualifizieren konnten. Ob in diesem Fall die Resümees zur abgelaufenen Spielzeit fairer ausfallen würden? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

so ist es !
Guter Bericht. Trifft es auf den Punkt. Wenn zwei das gleiche tun…usw