Präsident Herbert Hainer hat zuletzt in einem Interview die Frage verneint, ob Didi Hamann beim FC Bayern zumindest Greenkeeper werden könnte. Die Chancen des „TV-Experten“ sinken weiter.
Seit dem Streit um die Einnahmen aus dem Abschiedsspiel im Jahr 2000 für Lothar Matthäus, der letztendlich sogar vor Gericht ging, gibt es rund um die Säbener Straße den Running Gag, dass ehemalige – auch verdiente – Spieler dort nicht einmal den Job des Greenkeepers bekommen würden, wenn sie sich mit dem Verein anlegen würden. Uli Hoeneß hatte dies damals dem Rekordnationalspieler angekündigt und auch eingehalten.
Für den Dauernörgler Didi Hamann gilt dieses Verbot wohl sogar im verschärften Maße. Wöchentlich nervt er Vereinsverantwortliche und Fans des Rekordmeisters mit scharfer Kritik, die nicht selten abenteuerliche Auswüchse annimmt. Das Ausscheiden aus der Champions League hat dem Ex-FCB-Spieler (1993-1998) eine Steilvorlage geliefert, um erneut gegen den Rekordmeister loszupoltern. Sein Fokus überrascht allerdings.
Während der ehemalige Bayernspieler Michael Ballack (2002-2006) speziell Mitleid mit dem nach dem 2:2 in Mailand todtraurigen Harry Kane hatte – „Mit jedem Jahr, das verstreicht, mit jedem Jahr, wo du die Chance nicht mehr hast, den Titel zu gewinnen – das macht was mit dir. Dieser Moment war sinnbildlich dafür“ -, teilte Hamann bei Sky gnadenlos aus.
„Man wird sich jetzt zusammensetzen und schauen, was das Beste ist. Da wird jede Position überdacht“, so der 51-Jährige. Völlig überraschend nahm er explizit FCB-Trainer Vincent Kompany aufs Korn und garnierte seine Theorie mit ziemlich abenteuerlichen Vermutungen:
„Wenn man sich dafür entscheidet, mit dem Trainer nicht weiterzumachen, braucht man natürlich einen anderen. Dann muss man erstmal schauen, wer verfügbar, wer auf dem Markt ist. Die Gerüchte um Xabi Alonso gehen nicht weg. Einen Florian Wirtz will man – das wäre nochmal ein Trumpf, wenn der Trainer mitkommt. Ich glaube, da ist im Moment nichts ausgeschlossen.“
Eine Trainerentlassung im Meisterschaftsendspurt erwartet selbst Hamann nicht mehr, um dann noch einmal heftig zu keilen: „Wenn man sich die ganze Saison anschaut, auch wie sie Fußball gespielt haben, muss man sagen, dass es nicht genug war“, dies als Antwort darauf, ob nicht der Gewinn der Deutsche Meisterschaft Kompany definitiv im Amt halten würde.
Einmal in Fahrt gekommen bekam schließlich auch Max Eberl noch sein Fett ab: „Man hat jetzt teure Verträge für utopische Summen verlängert. Wenn man sieht, wie Inter mit der Hälfte des Gehaltsbudgets der Bayern spielt, dann ist es zu wenig.“ In dem Kontext erinnert man sich daran, dass der Bayern-Sportvorstand Hamann und seine Thesen in der Vergangenheit schon einmal mit einem „Tinitus“ in Verbindung gebracht hatte.
Natürlich geht man auch beim Rekordmeister nach dem bitteren Ausscheiden in die Analyse, Hamanns Dampfhammer benötigt dabei aber niemand als adäquates Mittel. Kompany wie auch Joshua Kimmich bemängelten nach dem Ausscheiden die mangelhafte Chancenverwertung in den beiden Partien gegen Inter.
Thomas Müller wiederum fand, dass „du überall alles sezieren kannst, aber am Ende habe ich Spieler auf dem Platz gesehen, die gefightet haben und alles gegeben haben. War es also doch mehr Pech als fehlendes Vermögen? Die Prise Zufall, die den Fußball so schmackhaft macht?“
Dass das Ausscheiden im Viertelfinale der Champions League zum einen durchaus unglücklich auf dem Spielfeld zustande kam, zum anderen Kompany zuletzt ein halbes Dutzend äußerst wichtiger Spieler nicht zur Verfügung stand, scheint bei Hamanns Schnellschuss-Ratschlägen keine Rolle zu spielen.
So kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass der Belgier, mit dessen Arbeit alle Vereinsverantwortlichen hochzufrieden sind, auch zu Beginn der kommenden Saison noch das Training an der Säbener Straße leitet, während Hamann dort lebenslang nie als Greenkeeper oder auch für andere Jobs qualifiziert sein wird.
Titelbild: Hamann in der Saison 1997/98 im FCB-Trikot.
