Retten die „totgesagten Spieler“ dem FC Bayern die Saison?

Der FC Bayern beklagt zahlreiche Verletzungen. Kann er trotzdem mit bereits ausrangierten und weggeschriebenen Spielern eine großartige Saison zu Ende spielen?

Vor vier Wochen beeindruckte der deutsche Rekordmeister nicht nur mit dem souveränen Champions League Viertelfinaleinzug – 5:0 im Gesamtscore gegen den „Favoriten“ Bayer Leverkusen – die Fußball-Welt, nahezu ohne verletzte Spieler sah er mit großem Optimismus einem erfolgreichen Saisonfinale entgegen. Lediglich Aleksandar Pavlović stand wegen eines „Infekts“ (die Öffentlichkeit kannte den Befund „Pfeiffersches Drüsenfieber“ noch nicht) und Manuel Neuer wegen einer Wadenverletzung nicht zur Verfügung.

Gewaltige Verletzungsliste bei Schlüsselspielern

Seitdem hat sich die Personalsituation an der Säbener Straße nahezu dramatisch verändert: Nicht nur dass die beiden genannten wesentlich länger als ursprünglich geplant ausfallen, vier schwere Verletzungen innerhalb von knapp zwei Wochen erschweren Trainer Vincent Kompany die Arbeit, lassen die Fans verzweifeln.

Alphonso Davies – Kreuzbandriss, Dayot Upamecano – Knorpelschaden im Knie, Hiroki Ito – Mittelfussbruch, Jamal Musiala – Muskelbündelriss im hinteren Oberschenkel. Eine Horrorbilanz vor dem Saisonfinale. Weitere kleinere Wehwehchen lassen Spieler wie Kingsley Coman oder auch Raphaël Guerreiro regelmäßig ausfallen. Wenn Harry Kane, wie zuletzt in Augsburg geschehen, von hinten in die Knochen getreten wird, zuckt die FCB-Gemeinde kollektiv zusammen.

Kein Jammern, „weiter, immer weiter.“

Aber alle – Trainer, Spieler, Funktionäre – im Verein betonen immer wieder: Jammern ist nicht gestattet. Stattdessen zählt die „alte Fußballweisheit“ des ehemaligen Weltklassekeepers und FCB-CEOs Oliver Kahn: „Weiter, immer weiter!“

Kompanys Kader hat natürlich an Qualität, an Tiefe, an Breite verloren. Aber dieser reduzierte Kader besitzt etwas, auf was der Coach, aber auch der Verein bei den Verpflichtungen immer haargenau schaut: Er hat Charakter.

Goretzka als charakterlichen Vorbild

Der Belgier hat zu Beginn der Saison immer wieder den starken Charakter eines Leon Goretzka hervorgehoben. Er diene als Vorbild für alle „in der zweiten Reihe stehenden“. Der deutsche Nationalspieler wurde vor der laufenden Spielzeit auf seiner Position im zentralen Mittelfeld als Nummer 5 eingeordnet: Hinter dem gesetzten Joshua Kimmich, Pavlović, 50-Mio-Neuzugang João Palhinha und selbst hinter dem Österreicher Konrad Laimer. Aber bereits in der Vorrunde kam Goretzkas Stunde: Pavlović und Palhinha verletzt, Laimer aufgrund anderer Verletzungen im Kader auf der rechten Verteidigerposition festgespielt.

Andere FCB-Spieler in der zweiten Reihe wie Eric Dier, der schon als sicherer Sommerabgang galt, verinnerlichten diese Worte ihres Trainers und werden nun belohnt, sie werden im schwierigen Saisonendspurt plötzlich zu Schlüsselspielern. Dazu zählt auch ein immer stärker aufspielender Leroy Sané, Palinha selbst hat auch „diesen Charakter“ – und die den FCB am Ende der Saison verlassende Vereinsikone Thomas Müller sowieso.

Müller – der perfekte Held im „Finale dahoam“

Traum aller Bayern(fans): Thomas Müller schießt nach gewonnener Meisterschaft im Finale dahoam seinen Herzensverein kurz vor Spielende zum Titel gegen Real Madrid. Das wäre fast schon zu kitschig, man sollte dieses Szenario jedoch nicht ausschließen – die aktuelle Mannschaft des FC Bayern hat den Charakter dazu. Die – nicht nur medial – „Totgesagten“ tragen maßgeblich dazu bei.

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