Vor dem Bundesligaspiel in Augsburg zeigte die FCB-Kurve eine Choreografie, die bei manchem für Verwunderung sorgte. Der „Ultra-Hintergrund“.
Augsburg / München – Wer sich ein bisschen in der FCB-Fanszene auskennt, dem ist die Ultra-Gruppierung Munich´s Red Pride, kurz MRP, sicherlich ein Begriff. Zahlreiche MRP-Graffitis verzieren Stadt, Autobahnbrücken und Umland, im der Allianz Arena kann man sie im Unterrang der Südkurve schnell dort verorten, wo die häufigsten Protestbanner zu beobachten sind.
Neben der Schickeria ist MRP wohl die auffälligste, die dominierende Ultra-Gruppierung beim FC Bayern. Und genau diese war in der WWK Arena in Augsburg verantwortlich für diese durchaus gelungene Choreografie. Zu ihrem eigenen 15-jährigen Jubiläum ließ MRP aufblitzen, wofür bzw. wo sie selbst steht: Auf Seiten der „Revoluzzer“.
Legendärer FCB-Spieleraufstand in der Saison 1978/79
Dafür bediente sie sich einer legendären FCB-Geschichte von vor über 46 Jahren, die sie selbst im ausgelegten Flyer zum Choreo-Ablauf als „Spieleraufstand“ titulierte. Dieser fand in der Saison 1978/79, der wohl turbulentesten der FCB-Bundesliga-Geschichte statt. Trotz der spektakulären Wiederkehr von Paul Breitner lief es sportlich eher suboptimal, die Legende Gerd Müller verließ im Februar 1979 den Verein tief gekränkt und im Streit mit Coach Pal Cernai Richtung Florida zu den Fort Lauderdale Strikers.
Nach Blamage: Präsident droht mit Trainer Merkel
Fünf Wochen später, am 10. März 1979, folgte der absolute Saisontiefpunkt: Arminia Bielefeld unter Trainer Otto Rehhagel zerlegte den FC Bayern im heimischen Olympiastadion vor lediglich 11.000 Zuschauern mit 4:0. Der heutige Ehren-Präsident Wilhelm Neudecker drohte nach jenem desaströsen Spiel folglich mit dem bei den Spielern extrem unbeliebten Max Merkel. Damals bezeichnete man Trainertypen wie ihn als „Schleifer“.
Bevor dies passieren würde, einigte sich der damalige FCB-Präsident mit den „Anführern“ der Mannschaft (Paul Breitner, Sepp Maier) kurzfristig scheinbar darauf, dass der beliebte Cernai bleiben dürfe, wenn aus den anstehenden beiden Auswärtspartien drei Punkte (bei der damaligen 2-Punkte-Regelung) geholt werden würden.
Neudecker hält sich nicht an Vereinbarung und verliert den Machtkampf mit den Spielern
Jedoch schien sich Neudecker schon nach dem 0:0 in Braunschweig nicht mehr an die Vereinbarung halten zu wollen. Die Mannschaft rebellierte – Neudecker schmollte und trat zurück. Die längste zusammenhängende Präsidentschaft – 17 Jahre von 1962 bis 1979 – in der Geschichte des FCB war damit beendet.
Der Rest ist „legendäre FCB-Geschichte“: Völlig entfesselte Bayern stürmten am darauf folgenden Wochenende den Bökelberg und verpassten beim 7:1 den Gladbachern eine „historische Klatsche“. Die Bayern spielten bis zum Saisonende noch eine gute Serie und landeten auf dem 4. Platz, der – nach einem Jahr Pause in Europa – die Qualifikation für den UEFA-Pokal bedeutete.
Was sieht man auf der MRP-Choreografie
Auf der MRP-Choreografie kann man auf der linken Seite die damaligen „Revoluzzer“ unter den Spielern, Paul Breitner und Sepp Maier, erkennen. Die Torwartlegende verpasst dabei dem Meistercoach vom TSV 1860 (1966) und dem 1. FC Nürnberg (1968) einen heftigen Tritt in den Allerwertesten, während Neudecker (eingedeckt mit DM-Scheinen) entsetzt die Hände über den Kopf schlägt.
Darüber kann man einen 16:0-Kantersieg der „Revoluzzer“ (der damaligen Spieler) über die „Obrigkeit“ (Wilhelm Neudecker) erkennen. Die Spieler stimmten damals mit 16:0 gegen die Verpflichtung von Max Merkel ab. Ganz so erfolgreich sind die aktuellen Revoluzzer der MRP nicht, die Geburtstags-Choreo ist dennoch amüsant und gelungen.
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Titelbild: Unter der Choreografie



