FCB-Unentschieden bei Union: Großer Respekt vom Gegner, Wut der eigenen Fans

Es gibt wohl weltweit keine Mannschaft, an welche die Erwartungen der eigenen Fans höher sind als beim FC Bayern. Die Reaktionen nach dem Unentschieden bei Union Berlin verdeutlichen das erneut.

Nach dem 1:1 bei den Eisernen in Berlin geriet die auf großartige Weise errungene Qualifikation für das CL-Viertelfinale in Leverkusen bei großen Teilen der Anhängerschaft des FC Bayern sehr schnell in Vergessenheit. Stattdessen entluden sich in den Sozialen Medien Wut und Frust auf dem eigenen Team, die nicht selten sogar in Beschimpfungen ausarteten.

Ein leider regelmäßig auftretender Reflex. Fast schon kollektiv herrscht die Meinung vor, der Rekordmeister müsste zumindest in der Bundesliga all seine Gegner dominieren – selbst wenn man einmal in Unterzahl spielen muss. Diese Sichtweise ist nicht nur ungerecht gegenüber der eigenen Mannschaft, sondern auch maßlos arrogant dem Kontrahenten gegenüber. Denn auch dieser hat einen Spielplan, meistens einen besonderen, einen nicht selten fiesen, wenn es gegen den FC Bayern geht.

Bayern suchen keine Ausreden

Es gibt wohl in ganz Europa kein Spitzenteam, gegen welches in solcher Regelmäßigkeit der Bus vor dem eigenen Tor geparkt wird, wie beim FC Bayern in der Bundesliga. In früheren Zeiten galt dies bei Auswärtsspielen als adäquates Mittel, längst akzeptieren dies auch die Heimfans als Mittel zum Zweck, wenn es gegen die Münchner geht. Nicht immer geht es gut, gestern in der Alten Försterei jedoch schon und dann wird ein 1:1 wie eine Deutsche Meisterschaft gefeiert.

Unter der Leitung von Vincent Kompany, aber auch von Max Eberl gibt es mittlerweile keine Erklärungen mehr für ein unbefriedigendes Ergebnis, die sowieso nur als Ausreden ausgelegt werden würden. Weil aber nach solchen Partien nahezu allen FCB-Spielern aus der eigenen Anhängerschaft häufig mangelnde Einstellung bis nicht vorhandenes fußballerisches Können vorgeworfen werden, passiert das nun hier.

Erklärungsansätze für das unbefriedigende Ergebnis

Je höher die Qualität einer Mannschaft ist, je deutlicher sie überlegen ist, umso wichtiger ist auch die Qualität des Rasens. Die zahlreichen Hoppeleinlagen des Balles deuteten in Köpenick darauf hin, dass diese eher bundesligauntauglich ist.

Und wenn es ein Schiedsrichter bevorzugt, einem permanent unfair verteidigten Supertechniker wie Jamal Musiala die Gelbe Karte wegen eines nachvollziehenbaren Meckerns zu zeigen, anstelle die wüst Attackierenden zu sanktionieren, dann ist das sehr frustrierend und wenig leistungsfördernd. Florian Exner beeindruckte es dabei auch wenig, dass ihm Musiala sein zerfetztes Trikot zeigte.

Die Union-Stimmen zum Spiel

Sehr interessant sind nach solchen Spielen auch immer die Stimmen des Gegners. Die der Unioner waren voller Respekt für die Leistung des Rekordmeisters:

Trainer Steffen Baumgart: „Wir haben gegen eine sehr gute Bayern-Mannschaft einen Punkt geholt, haben sehr leidenschaftlich verteidigt. Wir hatten auch das nötige Quäntchen Glück. Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass Bayern sehr viele Chancen hatte. Wir haben sehr gut verteidigt. Am Ende wurden wir mit einem Punkt belohnt, ein Punkt, mit dem keiner gerechnet hätte. Die Jungs haben sich das mehr als verdient.“

Christopher Trimmel: „Ich glaube, wenn du gegen Bayern so spielst – wir haben sehr, sehr tief gestanden und versucht, ihre Stärken rauszunehmen – darf nicht viel passieren. Aber es ist eben doch etwas passiert. Zum Glück haben wir noch das eine Tor gemacht. Die Bayern waren natürlich klar besser.“

Ex-FCB-Campus-Spieler Benedict Hollerbach, Schütze des Ausgleichstores: „Es ist etwas ganz Besonderes, weil Bayern einfach der beste Club in Deutschland ist und wir heute ein Riesenspiel gemacht haben – das haben wir uns verdient. Bayern verlangt einem natürlich sehr viel ab, aber umso mehr freue ich mich über so ein Tor. Als Stürmer ist es einfach wichtig, immer in der Box zu sein, denn nur dann kannst du torgefährlich werden. Und ja, als der Ball dann zu mir runtergefallen ist, war ich natürlich sehr happy und habe ihn reingemacht.“

„Real Madrid-Sieg“ nicht gut genug für FCB-Fans

Die Bayern waren in Berlin „natürlich klar besser“, konnten aber ihre Dominanz nicht im erwünschten Maße nützen. Über 80 Prozent Ballbesitz, 18:7 Torschüsse und 14:2 Ecken reichten nicht, weil man nach dem umjubelten Führungstreffer des eingewechselten Leroy Sané noch auf unglückliche Weise den Ausgleich kassierte.

Das zwar hoch respektierte, aber wenig geliebte Real Madrid hat fast zeitgleich in LaLiga beim FC Villarreal einen äußerst schmeichelhaften 2:1-Sieg eingefahrenen – bei 9:23 Schüssen, wovon 5:10 aufs Tor gingen. Ja, Fußball ist ein Ergebnissport. Das gilt aber beim FC Bayern nur, wenn er selbst nicht das verdiente Resultat erzielt. Bei den Statistiken von Real Madrid hätten nicht wenige eigene Fans von einem „unwürdigen“ Bayernsieg gesprochen.


Frustrierte Bayernspieler nach dem Unentschieden bei Union Berlin

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