Voller Fokus auf das Achtelfinal-Rückspiel in der Königsklasse in Leverkusen. Der FC Bayern hält sich nicht mit Erklärungen und Ausreden nach dem ärgerlichen 2:3 im BL-Heimspiel gegen Bochum auf. Die Stimmen.
Es war eigentlich alles angerichtet für eine große Party des FC Bayern: Herrliches Biergartenwetter und die Fanszene lieferte zum 125. Vereinsgeburtstag eine grandiose Ganzstadion-Choreografie (Titelbild), die begleitet wurde von der neuen Stadionhymne „Immer vorwärts FC Bayern“.
Etwas Unbehagen bereitete dagegen im Vorfeld der Partie – zumindest bei zahlreichen Fans des Rekordmeisters – die Schiedsrichteransetzung Christian Dingert mit dem VAR Felix Zwayer. Auf wenig Begeisterung stieß bei den FCB-Anhängern auch Vincent Kompanys dem CL-Rückspiel in Leverkusen geschuldete Totalrotation: Von der Startformation, die in der Champions League die famose Leistung gegen Bayer Leverkusen (3:0) gezeigt hatte, blieb lediglich Leon Goretzka übrig. Würde Aleksandar Pavlović derzeit nicht mit einem hartnäckigen Infekt ausfallen, hätte wohl auch der 57-fache Nationalspieler nicht begonnen.
Trotzdem startete die bayerische B-Elf extrem dominant (zu Beginn 90 Prozent Ballbesitz) und obwohl es der erste Torschuss des Spiels war, fiel das 1:0 durch Raphaël Guerreiro (14.) fast schon zwangsläufig. In Abwesenheit von Harry Kane setzte Serge Gnabry kurz später einen an Leroy Sané verschuldeten Foulelfmeter an den linken Pfosten. Dazu die Randnotizen: Auch Thomas Müller wäre sichtbar gerne zur Ausführung angetreten und in den Social Media kam die Diskussion auf, warum diese klare Notbremse keinen Feldverweis nach sich zog. Das Thema „Mehrfachbestrafung“ bleibt verwirrend.
Aus Bayernsicht lief es zunächst dennoch gut weiter: Guerreiro per Kopf(!) nach Kopfballvorlage von Thomas Müller zum 2:0 (28.). Drei Zeigerumdrehungen später agierte die FCB-Ikone aber im eigenen Strafraum unglücklich und ermöglichte den völlig überraschenden Bochumer Anschlusstreffer zum 1:2 durch Jakov Medic. Das Unheil nahm so langsam seinen Lauf, Gnabrys 3:1 kassierte der VAR (Abseits) ein, bevor es wohl zur spielentscheidenden Szene in der 42. Minute bei einem Zweikampf zwischen João Palhinha und Giorgios Masouras tief in der Bochumer Hälfte kam.
Beide gingen mit vollen Risiko in den Zweikampf, der Bayernspieler war jedoch klar vor seinem Gegenspieler am Ball, traf diesen aber anschließend in seiner dynamischen Bewegung schmerzhaft am Knöchel. Dingert zeigte zum Entsetzen der Bayern sofort auf glatt Rot, VAR Zwayer bestätigte bzw. meldete sich erst gar nicht.
In Überzahl drehten „die Freunde aus Bochum“ in Halbzeit 2 die Partie, wobei es einen weiteren großen Aufreger gab, als der zwischenzeitlich eingewechselte Harry Kane elfmeterwürdig gefoult wurde und der Ruhrpottverein im unmittelbaren Anschluss den Siegtreffer zum 3:2 erzielte.
Die Bayern wollten dennoch nach dem Spiel (offiziell) keine Ausreden gelten lassen. Dass Vincent Kompany auf der PK nach dem Spiel die Beantwortung zu zahlreichen Nachfragen zu Palhinhas Roter Karte strikt verweigerte und Max Eberl wegen der Szene beim Schiedsrichter in der Kabine war, deutete ganz klar darauf hin, was alle beim FC Bayern wirklich über den höchst umstrittenen Feldverweis dachten. Vielleicht wäre alles wesentlich mehr hochgekocht, hätte nicht Leverkusen beim 0:2 gegen Werder Bremen ebenfalls Federn gelassen.
Die Stimmen zum Spiel(verlauf)
FCB-Sportvorstand Max Eberl
„Wir sind sehr gut ins Spiel gekommen, führen hochverdient 2:0. Dann bekommen wir das 2:1 aus einer Standardsituation und die Rote Karte. In der zweiten Halbzeit haben wir es versucht, sind aber nicht für den einen Mann mehr gelaufen. Bochum macht dann die zwei Tore und wir gehen als Verlierer vom Platz, das ist sehr ärgerlich.“
Chefcoach Vincent Kompany
„Gratulation an Bochum. Wir suchen keine Ausreden und Entschuldigungen, wir haben verloren. Wir werden es analysieren und müssen die Verantwortung dafür übernehmen. Es ist wichtig, dass wir uns auf die Reaktion konzentrieren. Auch mit zehn Mann müssen wir den Anspruch haben, das Spiel zu gewinnen oder zumindest nicht zu verlieren. Das ist uns nicht gelungen. Bochum verdient das Gefühl, dass sie gewonnen haben, ich weiß, was es an Energie dafür braucht. Für uns geht es jetzt um das nächste Spiel.“
Thomas Müller
„Es war ein Fußballspiel mit allen Facetten. Wir haben natürlich unseren Teil dazu beigetragen, dass es zunächst in unsere Richtung ging. Wir haben am Anfang ein richtig gutes Spiel gemacht, aber dann haben wir Fehler gemacht. Wir haben einen Elfmeter verschossen, eine Rote Karte bekommen und Gegentore kassiert. Nur weil man zu zehnt ist, heißt das nicht zwangsläufig, dass man Gegentore bekommt. Es ist für alle Analysten etwas dabei, und trotzdem haken wir es ab. Vielleicht können wir es auch leichter abhaken, weil sich in der Tabelle nichts verändert hat. Ab morgen früh werden wir uns voll auf Dienstag fokussieren.“
Harry Kane
„Wir haben das Spiel gut begonnen und alles getan, was nötig war, um in Führung zu gehen. Dann haben sie ein Tor erzielt und das Momentum hat sich verschoben. Nach der Roten Karte zeigt sich, dass man auf diesem Niveau 90 Minuten konzentriert bleiben muss, sonst kann man bestraft werden – und genau das ist heute passiert.“
