Große FCB-Hoffnung: Eberl, Kompany & Freund bringen das Mia san mia zurück

Kommentar von Petersgradmesser

Das legendäre Mia san mia des FC Bayern, nicht nur ein vom früheren CEO Kalle Rummenigge installierter Slogan, sondern ein lange Zeit beim Rekordmeister tatsächlich gelebtes Gefühl der Stärke, des Selbstbewusstseins und der Gemeinsamkeit – ist es ausgerechnet in der Ära Kahn / Salihamidzic an der Säbener Straße verloren gegangen? Schon möglich, auch wenn dies wie ein schlechter Witz erscheint: Als super ehrgeizige Spieler waren beide der Inbegriff dieses Gefühls der bayerischen Unbesiegbarkeit. Nun gibt es aber berichtigte Hoffnungen, dass das Mia san mia wieder zurückkehrt.

Blicken wir zurück in den August 2020: Die Corona-Pandemie hatte die Welt fest im Griff, Hansi Flicks Bayern den Weltfußball. Beim in vielerlei Hinsicht einmaligen Champions League Finalturnier in Lissabon vollendeten sie nicht nur das zweite Triple der Vereinsgeschichte, sie vernichteten dabei auf niemals zuvor dagewesene Weise ihre Gegner mit der mit Abstand besten Statistik der gesamten Europapokal-Geschichte (seit 1955): Elf Spiele – elf Siege – unfassbare 43:8 Tore! Vier ihrer Gegner, oder soll man besser ihrer Opfer sagen, erlebten historische Pleiten in ihrer Europokalhistorie. Alle vier keine Laufkundschaft, sondern ehemalige Europapokalsieger.

Gruppenphase: Tottenham Hotspur, in der Vorsaison im CL-Finale – 2:7 zuhause, 3:10 Gesamtscore.

Gruppenphase: Roter Stern Belgrad – 0:6 im eigenen Stadion, Gesamtscore 0:9.

Achtelfinale: FC Chelsea – 0:3 an der Stamford Bridge, Gesamt: 1:7. Nur neun Monate später selbst CL-Sieger!

Viertelfinale: Messis Barcelona – 2:8!!

Die Väter dieses außergewöhnlichen Triumphes waren Hansi Flick, der im grauen Herbst 2019 das Team nach einer 1:5-Klatsche in Frankfurt von Niko Kovac übernommen hatte, und Hasan Salihamidzic. Dieser verpflichtete im Sommer zuvor nicht nur den später viel diskutierten (Negativ-)Rekordtransfer Lucas Hernández, sondern glänzte auch mit exzellenten Leihgeschäften: Ivan Perisic und Philippe Coutinho rundeten einen perfekten Kader ab.

Bereits nach dem in überragender Weise gewonnenen Double stieg Brazzo im Juli 2020 vom FCB-Sportdirektor zum Sportvorstand auf. Offensichtlich stieg ihm dies aber zu Kopf. Denn anstelle weiterhin respektvoll mit dem Erfolgstrainer Flick zu kooperieren, demütigte er diesen in den nachfolgenden Transferphasen. Der Hansi hätte gerne Coutinho, aber vor allem auch Perisic behalten, der Sportboss erfüllte ihm diese Wünsche nicht. Der spätere Sextuple-Erfolgstrainer wollte den damals ablösefreien Mario Götze, mit dem er als Jogis Co 2014 Weltmeister wurde – von Brazzo abgelehnt. Er wollte in der darauffolgenden Saison unbedingt David Alaba und Jerome Boateng behalten. Daraus wurde nichts. Heute machen einige FCB-Fans Witze über jene Phase: Flick hätte zumindest seinen Wunschspieler Bouna Sarr bekommen.

Das Ende vom Lied: Flick floh völlig entnervt zum DFB, Wunschtrainer Julian Nagelsmann wurde im Sommer 2021 mit einem 5-Jahres-Vertrag bedacht – und von Brazzo und Kahn anderthalb Jahre später auf abenteuerliche Weise entlassen. Exakt dasselbe Schicksal erfuhren die beiden dann nur gut zwei Monate selbst – Initiator: FCB-Patriarch Uli Hoeneß. Der für Nagelsmann verpflichtete Thomas Tuchel fremdelte eigentlich bis zu seiner vorzeitigen Entlassung nach der Saison 2023/24, die bereits im Februar von Kahns Nachfolger Jan-Christian Dreesen bekannt gegeben worden war. Tuchel bemerkte einmal ziemlich ernüchtert, dass er sich in großer Geschwindigkeit an immer neue Vorgesetzte bzw. Ansprechpersonen gewöhnen musste. Wenig hilfreich und erfolgsversprechend.

Sowohl mit Christoph Freund (Sportdirektor ab 1. September 2023) als auch mit Max Eberl (Sportvorstand ab 1. März 2024) verstand sich Tuchel eigentlich gut, aber vieles war letztendlich nicht mehr zu reparieren.

Eine durch das Handeln von Hoeneß, Dreesen, Präsident Herbert Hainer & Co eingeleitete chaotische Trainersuche prägte die ersten Monate der Amtszeit von Eberl. Dabei wurde er – völlig zu Unrecht – viel und heftig kritisiert. Der Markt gab nur bereits engagierte Übungsleiter her: Xabi Alonso, Nagelsmann und Ralf Rangnick sagten nach (zu) langem Tamtam letztendlich ab. Die Medien spekulierten über – gefühlt – 300 andere Coaches, die natürlich alle dem Verein absagten. Felix Magath, Louis van Gaal, Jose Mourinho brachten sich selbst ins Spiel. Keine leichte Zeit für Max und Christoph Freund, die dennoch deutlich spürbar harmonierten.

Die Kaderplanung konnte ohne einen engagierten neuen Coach nicht wirklich forciert werden. Denn im Gegensatz zu Salihamidzic sind Eberl und Freund Teamplayer. Was nicht nur löblich, sondern absolut sinnvoll ist.

Ende Mai wurde dann endlich der neue Chefcoach präsentiert: Der 38-jährige Belgier Vincent Kompany. Medien und nicht wenige Fans stürzten sich sogleich auf dessen Unzulänglichkeiten: Zwar Weltklasseverteidiger und Kapitän bei Guardiolas ManCity, ABER keine Erfahrung als Trainer bei Spitzenvereinen und noch schlimmer: Abstiegstrainer beim Premier League Club FC Burnley, mit dem er ein Jahr zuvor noch äußerst souverän aufgestiegen war.

Eberl & Co interessierte aber nicht der Abstieg mit einer personell für die PL nicht adäquat besetzten Mannschaft, sondern Kompanys Spielidee, die er zuvor auch schon beim FC Anderlecht praktiziert hatte: Eine Pressingmaschine, prädestiniert für dominante Spitzenteams. Eine sehr gute Idee für die Wiedergeburt der zuletzt so angeschlagenen Bayern.

Und Kompany überzeugte sehr schnell viele seiner Kritiker: Sachlich, ruhig, kompetent, schon alleine aufgrund seiner Statur dominant und beeindruckend. Anders als zu Brazzo/Flick-Zeiten harmonieren an der Säbener Straße nun auch Trainer und sportliche Leitung auffallend. Ein wirkliches Team, Sportvorstand und -direktor unterstützen ihren Coach auch auf PKs. Dort wo zuvor seine Vorgänger ziemlich oft in prekären Situation vom Verein im Stich gelassen wurden.

Bei der Mannschaft, im ganzen Verein ist eine Aufbruchstimmung spürbar – auch wenn die Bedingungen in der Saisonvorbereitung alles andere als ideal waren.

Und die wahren FCB-Fans sollten nun auch Vertrauen zu diesem Trio haben, welches in kurzer Zeit schon einiges bewegt hat. Und sich auch nicht an getroffenen Personalentscheidungen abarbeiten, die nicht jedem Anhänger gefallen mögen. Letztendlich müssen aber nicht die Fans mit dem Spielermaterial arbeiten, sondern das Trainerteam, welches für seine Ideen eine perfekte Symbiose (Eberl) sucht und hoffentlich findet.

Solange der Umgang mit den – negativ – betroffenen Spielern korrekt und fair ist, dies ist bei Eberl & Co der Fall, kann sich keiner beschweren. Fans, die nicht aufpassen, was der Verein kommuniziert und sich stattdessen anderweitig aufwiegeln lassen, sind dabei klar im Nachteil.

Eberl, Freund & Kompany – die große Hoffnung auf ein großartiges Comeback des legendären Mia san mia beim deutschen Rekordmeister!

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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