Kommentar von Petersgradmesser
Tatsächlich läuft in dieser Saison sehr sehr viel schief bei den Profis des FC Bayern, wofür Chefcoach Thomas Tuchel nichts kann: Ein unfassbares Verletzungspech, dennoch könnte der Rekordmeister gemessen an den sogenannten „Expected Goals“ an der Spitze der Tabelle stehen – aber man ist trotz der Tormaschine Harry Kane insgesamt zu ineffektiv vor dem gegnerischen Tor, während die Gegner häufig sensationelle Tore erzielen, zu welchen sie sonst in der gesamten Saison nicht fähig sind. Aber es gibt auch eine Sache, die man mittlerweile dem Bayerntrainer vorwerfen muss: Er torpediert das legendäre Mia san mia seiner Mannschaft, seines Vereins.
Eigentlich ist es eine Stärke der Bayern, in den entscheidenden Spielen, speziell in der Bundesliga, die gegnerischen Teams mit einem unglaublichen Selbstvertrauen zu verunsichern, zu besiegen. Das ist spätestens nach der Winterpause vollkommen verloren gegangen. Verkopft und verunsichert ist man im Spitzenspiel in Leverkusen mit 0:3 untergegangen. Tuchel hatte sich eine besondere – FCB-untypische – Defensivstrategie ausgedacht, die vielleicht bei anderen Teams hätte klappen können, aber eben nicht bei den aktuellen Bayern. Die haben ihre absolute Stärke in der Offensive und viel weniger im Verteidigen. Jonathan Tah zeigte sich nach dem Spitzenspiel überrascht von der FCB-Ausrichtung und sprach davon, dass die FCB-Startformation der Werkself noch einmal einige Prozentpunkte mehr zum sowieso schon überdimensionalen Selbstvertrauen dazu gegeben hat.
Und heute in Freiburg? Bayern lag nach lausigen uninspirierten 30 Minuten mit 0:1 absolut verdient zurück, gleicht durch einen Geniestreich von Mathys Tel zum 1:1 aus. Der FCB spielt nicht super, bekommt aber die Spielkontrolle, der nächste Geniestreich von Jamal Musiala beschert in der 75. Minute die für die Bundesliga und das Selbstvertrauen so eminent wichtige 2:1-Führung. Freiburg findet gerade nicht mehr statt – und was macht Tuchel? Wechselt in der 83. Minute den aktuell völlig verunsicherten Dayot Upamecano für den vermeintlichen Siegtorschützen Musiala ein! Beton anrühren – ja, das funktioniert bei Atlético & Co, aber nicht beim FCB! Ausgleich in der 87. Minute zum 2:2. Endgültiges Aus in der deutschen Meisterschaft.
Dieser Defensivwechsel hat beiden Teams ein Zeichen, ein Signal gegeben: Der FC Bayern 2024 ist verwundbar! Hat bei allen Akteuren auf dem Platz Wirkung gezeigt – nur sehr kontraproduktiv, wenn man als FCB(-Coach) gewinnen möchte (muss).
Bryan Zaragoza muss sich aktuell im falschen Film vorkommen. Extra wegen der Verletzungsmisere bei den schnellen dribbelstarken FCB-Offensivkräften schon im Winter aus Granada geholt, wurde er heute über die gesamte Spielzeit komplett ignoriert – obwohl Sané, Gnabry und Coman ausfallen! Ja, wann soll denn der Junge sonst eine Chance bekommen?
Heute Abend muss ich es nach knapp einem Jahr selbst auch aussprechen – zum ersten Mal: Tuchel hat tatsächlich den FCB nicht verstanden, keine Ahnung von Mia san mia. Ein tragisches Missverständnis. Für ihn selbst, die Mannschaft, den ganzen Verein.
Titelbild: Tels wunderbares Tor zum 1:1-Ausgleich.
PS: Dieser Beitrag soll bitte keineswegs als Tuchel-Bashing missverstanden werden. Bis zum Leverkusen-Spiel waren die meisten Leistungen auf dem Spielfeld zwar nicht brillant, aber ergebnismäßig mehr als in Ordnung – und Fußball ist nun einmal ein Ergebnissport. Das sollten vor allem diejenigen wissen, die nun einen FCB-Trainer Mourinho fordern.
Aber die Klatsche in Leverkusen scheint die Bayernwelt vollkommen in Unordnung gebracht zu haben. Man befindet sich in einem Strudel – und Kapitän Tuchel scheint vermehrt die falschen Manöver zu wählen, wirkt rat- und hilflos.
Tuchel ist ein Top-Trainer, aber völlig ungeeignet für die aktuellen Bayern.

Tuchel mag ein Top Trainer sein, aber – wie du zu Recht festgestellt hast – leider völlig ungeeignet für den FC Bayern, ganz unabhängig vom Zeitpunkt. Er hat nichts, was auch nur ansatzweise den FCB ausmacht. Ich hätte wirklich erwartet, dass er in seinem Alter und mit seiner Erfahrung mittlerweile Reif genug für den FCB wäre. Ist er aber nicht. Er ist gänzlich unflexibel was seine eigene Anpassungsfähigkeit angeht.