Die Fans sind entsetzt, so manch Experte jubiliert gerade. Hier die Stimmen der Bayern zur deprimierenden 0:3-Niederlage beim nach wie vor ungeschlagenen Tabellenführer Bayer Leverkusen. Und alle Äußerungen treffen den Nagel auf den Kopf, unglaublich interessant sind die Spieleräußerungen zum Ende des Beitrags.
FCB-Sportdirektor Christoph Freund: „Wir haben uns fast keine Chancen herausgespielt und im Endeffekt verdient verloren. Das ist natürlich bitter in so einem Spitzenspiel. Es ist schwer zu erklären. Wir haben zu viele Fehler gemacht und Leverkusen so stark gemacht. Es war zu wenig und dann haben wir die Tore auch viel zu leicht kassiert. Es ist untypisch für diese Mannschaft, die sonst immer da war in großen Spielen. Aber das ist uns nicht gelungen. Wir müssen jetzt schauen, dass wir unsere Spiele gewinnen. Wir haben es jetzt nicht mehr in der Hand, das ist Fakt.“
Coach Thomas Tuchel: „Wir haben früh das Spiel dominiert, ohne gefährlich zu werden. Durch eigene Fehler haben wir das Momentum, die Energie kippen lassen. Das 1:0 kannst du eigentlich mit einer Fünferkette so nicht kassieren. Dann kippt das Momentum. Es hat sich nicht wie ein 3:0 angefühlt. Auch das zweite Tor fällt zu billig. Uns hat vorne die Durchschlagskraft gefehlt, um zu gewinnen. Wir wollten sehr offensiv verteidigen, um gar nicht erst den Spielfluss von Leverkusen aufkommen zu lassen. Wir haben sehr schlechte Entscheidungen getroffen, auch nach Balleroberungen. Uns passiert es zu häufig, dass wir nach Balleroberungen den Ball direkt wieder verlieren. Wir werden den Teufel tun, die Flinte ins Korn zu werfen. Leverkusen hat einen Abstand geschaffen. Unsere Herangehensweise verändert sich nicht. Wir müssen weitermachen und besser werden, um unserem Anspruch gerecht zu werden.“
Kapitän Manuel Neuer: „Es war eine unserer schlechtesten Leistungen an einem der wichtigsten Tage. Wir wollten aggressiv nach vorne verteidigen und haben Leverkusen auch nicht mit dieser Aufstellung erwartet. Jeder Einzelne muss sich an die eigene Nase fassen und sich über seine Leistung Gedanken machen.“
Routinier Thomas Müller: „Ich bin angefressen. Gratulation an Leverkusen, es ist ein absolut verdienter Sieg. Im Training zeigen wir deutlich bessere Ansätze, weil wir da mutiger sind, frei Fußball spielen. Es fehlt teilweise die Freiheit, wir haben eine Verkopftheit im Spiel. Leverkusen zockt einfach, sie suchen Lösungen. Ich erwarte, dass wir Spieler auf dem Platz zwar den Druck spüren, aber das muss einem Energie geben. Wenn es mal zäh ist, muss man den Ball öfter in die gegnerische Hälfte bringen. Keiner bei uns hat die Freiheit, dass er zu zocken beginnt. Heute waren wir nicht da, wir haben 3:0 verloren. Es hat mit Selbstständigkeit auf dem Platz zu tun, Entscheidungen zu treffen, welche Laufwege ich mache, wie aggressiv gehe ich raus, erkenne ich Situationen. Da müssen wir uns dringend steigern und das werden wir auch tun.“
Die Ausführungen von Thomas Müller lassen einige Schlüsse zu, dass der FCB sein mentales Problem speziell aus der Rückrunde der vergangenen Saison noch immer nicht in den Griff bekommen hat. Die Forderung von FC Bayern Total nach einem Mentalcoach steht immer noch unerfüllt im Raum. Dieses Problem scheint der Verein nicht ernst zu nehmen. Schade.
TV-Experte Lothar Matthäus sprach heute übrigens von einem Klassenunterschied. Dabei wird er sich sicherlich noch an die Saison 1993/94 erinnern, an deren Ende der 13. Deutsche Meistertitel des FCB stand. Wenige Wochen vor Saisonschluss verloren Lothar & Co. auf dem Betzenberg in Kaiserslautern beim späteren Vizemeister sang- und klanglos mit 0:4. Nach einer torlosen ersten Halbzeit ging man auf dem Betze in Durchgang 2 völlig unter, die Leistung war noch wesentlich schlimmer als heute.
Vielleicht gibt ja auch der letzte Satz von Thomas Müller noch ein bisschen Resthoffnung auf ein doch noch erfolgreiches Saisonfinale …
