Der denkwürdige Transfersommer des FC Bayern mit dem völlig misslungenem Deadline Day hat jungen Campus-Spielern die große Chance geboten, Pluspunkte bei Thomas Tuchel zu sammeln. War es zunächst der 20-jährige Frans Krätzig, auf dem der Fokus lag, ist es nun der 19-jährige Aleksandar Pavlovic.
Die Zeiten, in denen ein Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Thomas Müller aus dem Nachwuchsbereich des Rekordmeisters zu den Profis hochgezogen wurden und sich zu Weltklasse-Spielern entwickelten, schienen einer besseren FCB-Vergangenheit anzugehören. Zu hoch ist das aktuelle Niveau an der Säbener Straße und zu groß schien der Sprung für den FCB-Nachwuchs, wenn man von verpflichteten Riesentalenten wie Alphonso Davies und Jamal Musiala absieht.
Die Verantwortlichen an der Säbener Straße haben Sportdirektor Christoph Freund unter anderem auch deshalb verpflichtet, um die Durchlässigkeit zu erhöhen und die Stars von morgen selbst auszubilden. Uli Hoeneß traut beispielsweise Frans Krätzig einen Stammplatz bei den Profis zu, in den letzten beiden Bundesligaspielen gab auch Aleksandar Pavlovic sein Bewerbungsschreiben für das zentrale Mittelfeld ab. Schon bei seiner BL-Premiere, der Einwechslung gegen Darmstadt 98, hatte der gebürtige Münchner überzeugt. Am Samstag wurde er gut eine halbe Stunde vor Spielende beim deutschen Clásico in Dortmund eingewechselt und legte in der Nachspielzeit technisch stark aber auch robust das 4:0 von Harry Kane auf.
„Aleks ist ein super Junge„, zitiert der kicker Thomas Müller nach dem Spiel in Dortmund, der beim Aufwärmen gerne mit dem offensiv denkenden und mutigen Pavlovic zusammenspielt: „Ich mag seine Spielweise. Er spielt Fußball, wie ich das kenne. Er lässt sich nicht unterkriegen. Und, was man heute gesehen hat: Er hat den Mumm in den Knochen.“
Pavlovic zeichnet Wissbegierde aus, „es macht extrem Spaß zu sehen, wie er alles aufsaugt„, zeigt sich Leon Goretzka begeistert. Der detsche Nationalspieler weiter: „Man hat gar nicht gespürt, dass er nervös ist. Er kam super rein und hat sogar noch ein Tor vorbereitet — so wünschen wir uns das„.
Zahlt sich der teure FCB-Campus im Norden von München im siebten Jahr seines Bestehens endlich aus? Es wäre zu wünschen, wenn die bereits dafür getätigten hohen Ausgaben nicht nur scheibchenweise durch kleinere Millionen-Ablösesummen für die dort ausgebildeten Nachwuchskicker zurückfließen würden.
