Der brasilianische Nationalspieler Douglas Costa begeisterte 2015 die Bundesliga, sodass seine Teamkollegen vom FC Bayern dachten, er könne den Ballon d’Or gewinnen.
Nach Gerd Müller (1970) und Franz Beckenbauer (1972 und 1976) war Karl-Heinz Rummenigge der bis heute letzte Superstar des FC Bayern, der den Ballon d’Or (1980 und 1981) gewinnen konnte. Seitdem wartet man beim Rekordmeister auf einen Spieler, der die Trophäe wieder nach München holt. Franck Ribéry (2013) und Manuel Neuer (2014) scheiterten an der Messi/CR7-Ära, Robert Lewandowski (2020) an der Tatsache, dass diese Ehrung zu Corona-Zeiten schlichtweg ausfiel.
Geht es nach Thiago Alcantara, gab es 2015 zumindest kurzzeitig einen ernsthaften Kandidaten. Dies verriet der Ex-Profi des FC Bayern im Podcast von Rio Ferdinand, den er fragte: „Erinnerst du dich an Douglas Costa?“ Den Sinn der Fragestellung schob er sofort hinterher: „In den ersten sechs Monaten, ich schwöre es dir, dachte die ganze Mannschaft, er gewinnt den Ballon d’Or“.
„CoCo“ löste 2015 kurzfristig „Robbery“ ab
Weil die legendäre FCB-Flügelzange mit Franck Ribéry und Arjen Robben in der Spielzeit 2014/15 ihrem aufwendigen Spielstil Tribut hatte zahlen müssen und in der Endphase der Saison verletzungsbedingt kaum mehr zum Einsatz gekommen war, entschlossen sich die Verantwortlichen an der Säbener Straße, den Kader mit hochkarätigen Backups zu ergänzen: Von Juventus Turin wurde Kingsley Coman – inklusive später gezogener Kaufoption – ausgeliehen, und Douglas Costa wurde für 30 Millionen Euro von Schachtar Donezk geholt.
Das Duo wurde rasend schnell gefeiert („CoCo löst Robbery ab“), vor allem Costa begeisterte: In den ersten sieben Spielen legte er zehn Tore vor, bei seinem Bundesligadebüt gegen den Hamburger SV traf er zudem selbst. Der blitzschnelle Brasilianer schien unaufhaltsam – und auch die eigenen Kollegen staunten. Nach der ersten Saisonhälfte konnte der damals 25 Jahre alte Flügelspieler, der vom kicker in seiner Winterrangliste in die Rubrik „Weltklasse“ eingestuft wurde, aber schon nicht mehr an diese Topform anknüpfen. Am Saisonende waren es insgesamt lediglich vier Tore und 14 Vorlagen.
Thiago ratlos wegen Costas (Negativ-)Entwicklung
Aufgrund dieser ernüchternden Entwicklung stellte Ferdinand Thiago die naheliegende Frage, was denn passiert sei. Der ehemalige Fanliebling des FC Bayern musste passen: „Ich weiß es nicht. Das Leben. Persönliche Dinge, ich weiß es nicht. Aber wir haben alle gedacht: Dieser Spieler war so lange in der Ukraine, das war eine Verschwendung“, so Thiago.
Letztlich verließ Costa die Bayern nach nur zwei Jahren wieder, erst per Leihe und 2019 als fixer Transfer zu Juventus Turin. Von Oktober 2020 bis Mai 2021 kehrte der Brasilianer nochmal auf Leihbasis zu den Bayern zurück. Den Spieler aus dem ersten Bayern-Halbjahr bekamen die Fans aber nie wieder zu sehen, Costas Fähigkeiten blitzten nur noch sporadisch auf.
Es folgte eine Odyssee über die Kontinente, die Costa anschließend zu sechs weiteren Vereinen führen sollte: Gremio Porto Alegre, LA Galaxy, Fluminense Rio de Janeiro, Sydney FC, Chievo Verona. Mehrmals war er über Monate hinweg vertragslos. Vor Kurzem schloss er sich Al-Ittifaq FC in den Vereinigten Arabischen Emiraten an. Weit weg vom Glanz des Ballon d’Or.
