Der FC Bayern ist auf dem Weg zum Triple in der Champions League an Titelverteidiger PSG gescheitert. Die Ursachenforschung ist nicht immer fair und korrekt.
Nach dem bitteren Ausscheiden des FC Bayern im Halbfinale der Champions League gegen Paris Saint-Germain (4:5; 1:1) setzte in der Öffentlichkeit unmittelbar die Suche nach den „Schuldigen“ ein. Neben den massiven Benachteiligungen durch Schiedsrichter João Pinheiro galt es natürlich auch, die Schwachstellen im System des Rekordmeisters zu finden. Obwohl im Rückspiel ausgerechnet die Weltklasseoffensive des FCB mit Harry Kane, Michael Olise, Luis Díaz und Jamal Musiala schwächelte bzw. eine so bisher nicht gekannte Ineffektivität zeigte, ging es wenig überraschend um die Defensivleistung.
Generell wird seitdem Vincent Kompanys (zu) offensive Spielausrichtung von allen Seiten beleuchtet, natürlich aber auch die Spieler. Lange Zeit galten die Innenverteidiger des FC Bayern als die Schwachstelle. Dayot Upamecano & Co. wurden – häufig zu Unrecht – als Buhmänner abgestempelt. Wesentlich besser kamen immer die Münchner Außenverteidiger weg. Alphonso Davies – vom Verein selbst zu einem der Gesichter der Zukunft erklärt – war bis zu seinem Kreuzbandriss im März 2025 als Weltklasse auf seiner Position eingestuft worden. Mit Freude und viel Lob wurde die Entwicklung von Konrad Laimer und Josip Stanišić beobachtet.
Plötzlich stehen die FCB-Außenverteidiger in der Kritik
Angesichts der Schwierigkeiten mit den offensiven Top-Außenspielern der Pariser, Chwitscha Kwarazchelia, Désiré Doué und Bradley Barcola, änderte sich diese positive Einschätzung nach dem Königsklassenscheitern sehr rasch. Vor allem wurden die angeblichen Geschwindigkeitsdefizite auf den defensiven Außenbahnen des FC Bayern moniert, die laut Meinung zahlreicher Fußballfans auf diesem internationalen Level nur zum Scheitern führen konnten.
Tatsächlich hat der FCB im vergangenen Sommer durch die Abgänge von Kingsley Coman und Leroy Sané in seinem Kader erheblich an Speed eingebüßt – dies aber in der Offensive. Und Davies ist nach seiner langen Verletzung und den vielen kleinen Blessuren danach körperlich noch nicht auf seinem Toplevel, was sich auch auf seine Top-Geschwindigkeit auswirkt. Aber Überraschung: In der laufenden Bundesligasaison sind laut kicker-Datenbank die drei genannten Außenverteidiger die FCB-Spieler mit der höchsten gemessenen Geschwindigkeit in den Ligapartien.
Laimer liegt im Bundesliga-Ranking mit einem Topspeed von 35,46 km/h auf Platz 20, Stanišić mit 35,16 auf 32, Davies mit 35,11 auf 36. Die hochgelobte Weltklasseoffensive folgt weit dahinter: Michael Olise (34,54; 86.), Luis Díaz (34,14; 130.) und Harry Kane befindet sich mit 32,24 km/h als 327. gar im hinteren BL-Mittelfeld – insgesamt wurden die Topspeed-Werte von 497 Bundesligaspielern gemessen.
Nicht alle Daten sind aussagekräftig: Der FC Bayern ist national wie international größtenteils im Vorwärtsgang, findet fast ausschließlich enge Räume vor. Dies begrenzt in erheblichem Maße die Möglichkeiten der Offensivspieler zu Sprints im Höchsttempo. Die Geschwindigkeitswerte der defensiven Außenspieler des Rekordmeisters sind dennoch beachtlich und dies auch im internationalen Vergleich. Diese brachten sie zusätzlich über die gesamte Saison auch in der Offensive äußerst positiv ein: Laimer ist mit 16 Scorerpunkten (3 Tore / 13 Assists) fünftbester FCB-Spieler, Stanišić Zehnter im internen Ranking (11 – 3/8).
Die schnellsten BL-Spieler waren in dieser Spielzeit bislang Oliver Burke (Union Berlin) mit 37,00 km/h, Ricky-Jade Jones (St. Pauli) / 36,46, Adam Daghim (Wolfsburg) / 36,32 und der heiß umworbene RB-Stürmer Yan Diomande (36,30).
