Mit dem Aus im CL-Halbfinale gegen PSG ist der Triple-Traum des FC Bayern beendet. Dafür steht Erfolgscoach Vincent Kompany nun in der Kritik. Der 40-Jährige kontert.
Der FC Bayern spielt eine herausragende Saison. Nach dem bitteren Ausscheiden im Halbfinale der Champions League gegen Titelverteidiger Paris Saint-Germain setzten jedoch rasch die Mechanismen des Fußball-Business ein: Gründe und Schuldige für das Scheitern müssen gefunden werden. Dabei (nicht wirklich) überraschend im Fokus: Der zuvor so sehr gefeierte Cheftrainer Vincent Kompany, dem die offensive Spielweise seines Teams angelastet wird. Der Belgier kontert auf der Spieltags-PK vor der BL-Auswärtspartie in Wolfsburg in aller Souveränität.
Zu den nun verschärft einsetzenden Diskussionen über die vermeintlichen defensiven Schwächen haben neben den sechs Gegentoren gegen PSG auch die zahlreichen gegnerischen Treffer in den letzten Bundesligarunden beigetragen. Viele Experten sehen Kompanys Bayern deshalb zu offensiv ausgerichtet, vergessen dabei aber nicht zuletzt, dass der Rekordmeister seit Wochen in den Ligaspielen nur noch mit einer B-Elf aufläuft.
Kompany kontert seine Kritiker mit einem Bundesligarekord
Die Vorwürfe, dass seine offensive Spielweise zu hohe Risiken mit sich bringt, kontert Kompany entsprechend, nämlich offensiv. Auf der Pressekonferenz vor dem Wolfsburg-Spiel verweist der ehemalige Weltklasse-Innenverteidiger auf die beeindruckenden Statistiken seiner Mannschaft. Für ihn sind diese ein eindeutiger Beweis dafür, dass der eingeschlagene Weg grundsätzlich richtig ist: „Wenn das Torverhältnis +81 ist, wenn du den Rekord in der Bundesliga hast. Dann hast du viel gemacht, dass du nicht verlieren kannst.“
Der Rekordmeister hat in dieser Spielzeit nicht nur den legendären Torrekord von 101 aus der Saison 1971/72 pulverisiert, auch die beste Tordifferenz von 2012/13 von +80 (98:18) ist bereits nach 32 Spieltagen überboten – und dies, obwohl seit Mitte März nicht mehr die bestmögliche Elf aufläuft. Zwei Partien vor Saisonschluss lautet das beeindruckende Torverhältnis 116:35. Kompany über die geforderte defensivere Ausrichtung: „Wir wollen nicht verlieren, was uns stark macht – und wir wollen gewinnen.“
Für den Belgier waren gegen Paris Kleinigkeiten über Weiterkommen oder Ausscheiden ausschlaggebend: „Ein Spiel wie PSG wird in den feinsten Details gespielt.“ Verbesserungspotenzial erkennt der FCB-Coach dennoch: „Klar müssen wir manche Sachen deutlich besser machen.“
Eine Veranlassung für eine generelle taktische Neuausrichtung sieht der Belgier aus gutem Grund keineswegs: „Was wir verbessern wollen, darf uns nicht das kosten, was uns stark macht.“ Dabei wird er deutlich: „Ich mag nicht erst links, dann rechts gehen – und dann einen U-Turn machen. So arbeite ich nicht.“ Stattdessen wird für die nächste Spielzeit an Details gearbeitet werden, ohne dabei aber die eigene DNA zu verlieren. „Wir machen immer Verbesserungen, und ich werde alles tun dafür, dass wir wieder ein bisschen besser sind kommende Saison.“
Kompany weist in seinen Erläuterungen wiederholt darauf hin, dass Fußballspiele auf absolutem Topniveau von zahlreichen kleinen Faktoren entschieden würden: „Das Spiel wird von so vielen Kleinigkeiten entschieden. Die muss man analysieren – aber man kann nicht in alle Richtungen gehen, das führt zu keinen Lösungen.“ Beim 1:1 im CL-Rückspiel gegen PSG hatte die zuvor so famose FCB-Offensive „Ladehemmung“, zudem benachteiligte SR João Pinheiro die Münchner entscheidend.
