Max Eberl ist seit März 2024 Sportvorstand des FC Bayern. Seitdem verkündet der 52-Jährige vor jedem Transfersommer punktuelle Kaderanpassungen, auch die Abgänge betreffend.
Der FC Bayern liefert unter Cheftrainer Vincent Kompany eine exzellente Saison ab, selbst das dritte Triple der Vereinsgeschichte ist im Bereich des Möglichen. Trotzdem muss in solch aufregenden Zeiten natürlich schon die Planung für die nächste Spielzeit in vollem Gange sein. Dazu gehören Neuzugänge, aber natürlich auch Abgänge. Sport-Boss Eberl sieht diesbezüglich einen komplizierten Transfersommer auf sich zukommen.
Klar ist, dass die Verträge von Leon Goretzka und Raphaël Guerreiro auslaufen und nicht verlängert werden, die sehr teure Kaufoption für Leihspieler Nicolas Jackson wird erwartungsgemäß nicht gezogen. Ob dies tatsächlich das totale Aus für den Back-up von Harry Kane bedeutet, sollte aber noch nicht hundertprozentig sicher sein. Sollten die Zahlen nach unten korrigiert werden, bleibt eine Fortsetzung seines Engagements an der Säbener Straße eine sinnvolle Option. 15 Scorerpunkte (10 Tore, 5 Assists) bei lediglich 1152 Spielminuten sind kein schlechtes Argument.
„Einkaufen ist leichter als Verkaufen“
Für den offenbar geplanten nicht ganz billigen Transfer des englischen Offensivspielers Anthony Gordon müssen laut Eberls Ankündigung im Aktuellen Sportstudio des ZDF auch Spieler verkauft werden, und „das ist dann meistens nicht so entspannt. Einkaufen ist leichter als Verkaufen, also die Aufgaben werden schon da sein“, so der Sportvorstand auf die Frage, ob ihn ein ruhiger Sommer erwarte. Seitdem wird noch mehr spekuliert, wer die Kandidaten sein könnten.
Lässt man die spezielle Torwart-Frage um Manuel Neuer herum außen vor und zieht man Goretzka, Guerreiro und Jackson bereits für die kommende Spielzeit ab, bleiben aus dem aktuellen Profikader nur noch 16 Feldspieler übrig. Ein Dutzend davon gelten als unverkäuflich und/oder haben erst jüngst neue Verträge unterzeichnet, vier erlauben das Aufkommen von Gerüchten: Konrad Laimer, ausschließlich wegen seiner Vertragssituation – beide Seiten wollen grundsätzlich verlängern -, Minjae Kim, Hiroki Ito und etwas überraschend – leistungsbezogen – auch Alphonso Davies. Bei allen genannten Defensivkräften sollten jedoch mehr Argumente für einen Verbleib als für einen Wechsel sprechen.
„Leihspieler-Handling“ – die große FCB-Herausforderung im Sommer?
Wesentlich spannender sollte jedoch die Frage des zukünftigen Arbeitsplatzes bei einer Mehrheit der aktuellen 13 Leihspieler des Rekordmeisters sein. João Palhinha (Tottenham), Sacha Boey (Galatasaray) und Bryan Zaragoza (AS Rom) wurden bei ihren Leihen mit Kaufoptionen in zweistelliger Millionenhöhe ausgestattet. Stand heute wird wohl keine einzige gezogen. Es ist wenig wahrscheinlich, dass einer der drei Spieler noch einmal eine realistische Chance unter Kompany bekommt – eine harte Nuss für Eberl, Sportdirektor Christoph Freund & Co.
Für „Dauer-Leihspieler“ Alexander Nübel muss auch eine endgültige Lösung gefunden werden, sollte Neuer noch einmal um ein weiteres Jahr verlängern, wonach es derzeit aussieht. Transfermarkt.de gibt den Marktwert des Nationalkeepers mit 12 Millionen Euro an.
Was passiert mit den aktuell verliehenen ehemaligen Campus-Spielern des FC Bayern und dem 20-jährigen Maurice Krattenmacher, der 2024 von der SpVgg Unterhaching verpflichtet wurde und seitdem in die 2. Bundesliga (SSV Ulm, Hartha BSC) verliehen ist? U21-Nationalspieler Noël Aséko wird per Rückkaufklausel von Hannover 96 zurückkehren und soll den Kaderplatz von Goretzka einnehmen. Wer hat sonst noch eine realistische Chance in einer Weltklassemannschaft?
Was passiert mit den aktuellen Campus-Talenten?
Bundesligatauglichkeit ist wohl allen Talenten zuzuschreiben, aber können sich Armindo Sieb (derzeit Mainz 05), Lovro Zvonarek (Grasserhopper Club Zürich), der dauerverletzte Tarek Buchmann (1. FC Nürnberg), Felipe Chávez (1. FC Köln) oder das 18-jährige schwedische Mittelstürmer-Talent Jonah Kusi-Asare, dessen Leihe beim Premier-League-Club FC Fulham völlig schiefgelaufen ist, tatsächlich beim FC Bayern durchsetzen? Sie sind wohl alle eher als potenzielle Abgänge zu betrachten. Die besten Chancen besitzt wohl noch der aktuelle Heidenheimer Arijon Ibrahimovic, der als Back-up für Luis Díaz gehandelt wird. Er und Zvonarek wurden übrigens vor drei Jahren zu den weltweit besten 60 Talenten ihres Jahrgangs gezählt.
Und dann gibt es noch die zahlreichen Campus-Talente, die in der laufenden Saison als Teenager ihr Profidebüt unter Vincent Kompany gegeben haben: Darunter Deniz Ofli, Cassiano Kiala, Filip Pavić, David Santos Daiber, Erblin Osmani, Bara Sapoko Ndiaye, Wisdom Mike, Maycon Cardozo – wer bekommt in der kommenden Spielzeit eine erweiterte Chance bei den Profis, wer bleibt auf dem Campus, wer wird verliehen, wer wird verkauft? Der Fall von Supertalent Lennart Karl ist dabei nicht unbedingt ein Maßstab. Es wartet sehr viel Arbeit auf Max Eberl & Co….
