Die Fußballwelt freut sich auf die CL-Duelle zwischen den aktuell weltbesten Vereinsmannschaften. Wird es im Halbfinale zwischen PSG und Bayern „episch“?
Champions-League-Halbfinalspiele versprechen meist absoluten Topfußball und spannende Partien. Aber wann hat zuletzt ein Duell einen derartigen Hype ausgelöst, wie das des Titelverteidigers Paris Saint-Germain, der in der vergangenen Saison zudem das Triple gewinnen konnte, und des FC Bayern, der in einer Spielzeit voller Rekorde und Bestwerte selbst das dritte Triple der Vereinsgeschichte anstrebt? Die Erwartung ist enorm.
Das Duell gab es in dieser CL-Saison bereits: Am vierten Spieltag der Ligaphase traf im Pariser Prinzenpark der damalige Tabellenführer PSG auf den Zweiten aus München. In einem grandiosen Spiel behielt der deutsche Rekordmeister mit 2:1 die Oberhand, obwohl er nach dem Platzverweis des Doppeltorschützen Luis Díaz über eine Halbzeit lang in Unterzahl spielen musste.
PSG konnte anschließend in den Gruppenspielen nicht mehr an die ersten brillanten Leistungen anknüpfen. Die Bayern beendeten diese mit sieben Siegen aus acht Spielen als Zweiter. Einzig die Partie im Emirates Stadium beim FC Arsenal ging mit 1:3 verloren. Die Londoner lösten damals die Bayern als „Übermannschaft der Saison“ für einige Zeit ab, haben zum Saisonfinale aber ihre überragende Form verloren, obwohl sie gegen Atlético Madrid im zweiten CL-Halbfinale stehen.
Bayern mit Rekordsaison, PSG kommt ins Rollen
Würde es in Fußball-Europa eine Liga zur Ermittlung des Klub-Europameisters geben, der FC Bayern würde wohl kurz vor diesem Titel stehen. Abgesehen von zwei schwächeren Wochen Ende Januar spielt der deutsche Rekordmeister seit Saisonbeginn auf einem konstant hervorragenden Niveau und lehrt die nationalen wie internationalen Gegner das Fürchten.
Die Saison der Pariser lief insgesamt nicht ansatzweise so reibungslos wie die der Münchner. Das dokumentiert sich bestens in der Anzahl der wettbewerbsübergreifenden Niederlagen: Beim FCB sind das gerade einmal zwei (in 49 Pflichtspielen), bei PSG immerhin schon acht. Während die Bayern die Bundesliga mit zahlreichen Rekorden dominieren und erstmals seit 2020 wieder im DFB-Pokalfinale stehen, „kontrollieren“ die französischen Hauptstädter die Ligue 1 zwar, sind aber im Pokal schon frühzeitig ausgeschieden.
Wie in der Vorsaison zeigt der CL-Titelverteidiger in der Königsklasse seit den K.-o.-Spielen sein wahres Gesicht: Die Premier-League-Klubs FC Chelsea (5:2; 3:0) und FC Liverpool (2:0; 2:0) waren im Achtel- und Viertelfinale chancenlos. Der FC Bayern wird aber mit seiner Offensivwucht eine ganz andere Herausforderung darstellen: Diese stellte er mit 16 erzielten Treffern in diesen beiden Runden eindrucksvoll zur Schau. Beide Vereine könnten den CL-Torrekord des FCB aus der Triplesaison 2019/20 brechen. PSG weist bislang ein Torverhältnis von 38:17 Toren (aus 14 Spielen) aus, die Bayern von 38:14 (12 Spiele) – Flicks Bayern schossen vor sechs Jahren insgesamt 43 Tore, allerdings in lediglich elf Partien – die Corona-Pandemie ließ die Spielanzahl schrumpfen.
Gewinnt der FC Bayern in Paris – oder im Rückspiel in München -, würde er seinen Vereinsrekord aus den Spielzeiten 2000/01 und 2019/20 mit dann zwölf Siegen in einer CL-Saison überbieten und den Wettbewerbsrekord von Real Madrid von 2001/02 (in allerdings 17 Partien) einstellen. Gutes Omen: In beiden Spielzeiten holten die Münchner den Henkelpott, beide Male setzte man sich gegen PSG durch. Unter Ottmar Hitzfeld in der Gruppenphase (0:1; 2:0), unter Hansi Flick im Endspiel durch Kingsley Comans legendäres Kopfballtor.
FC Bayern mit positiver PSG-Bilanz – sogar „Angstgegner“?
In der Champions League ist die Bilanz der beiden Halbfinalkontrahenten aus Bayern-Perspektive positiv: Neun Siege, sechs Niederlagen aus 15 Partien, 21:16 Tore. Auch wenn nun zwei der weltbesten Angriffsreihen aufeinandertreffen, gab es in der Vergangenheit selten viele Tore bei diesen Duellen, aber auch kein einziges Unentschieden. Ausnahmen: Das 5:1 des FCB im Oktober 1997 und das 3:0 von PSG im September 2017, welches Carlo Ancelotti den Job an der Säbener Straße kostete.
Bemerkenswert: Während PSG von den ersten sieben Duellen (ab 1994/95) fünf für sich entscheiden konnte, siegten die Bayern in den letzten acht CL-Aufeinandertreffen siebenmal – und sind damit durchaus so etwas wie ein Angstgegner für die Pariser. Die letzten fünf CL-Spiele gewann der FCB sogar alle, davon dreimal in Paris. Die letzte Niederlage stammt vom CL-Viertelfinale 2020/21, als man vor leeren Rängen und auf teilweise schneebedecktem Platz unglücklich mit 2:3 unterlag.
All das zählt jedoch nicht, wenn am 28. April im Pariser Prinzenpark und am 6. Mai in der Allianz Arena die aktuell wohl weltbesten Teams um den Einzug ins CL-Finale am 30. Mai in Budapest kämpfen. Werden es zwei spektakuläre, epische Spiele mit vielen Toren oder gibt es eine Fortsetzung der traditionell eher torarmen Duelle? Setzt sich eine der beiden Mannschaften mit sehr ähnlichen Spielsystemen klar durch, oder geht es im Rückspiel in München gar in die Verlängerung oder ins Elfmeterschießen?
Titelbild: Choreo Südkurve vor dem CL-AF-Rückspiel gegen PSG im März 2023 (2:0).
