Es ist ganz gewiss keine Liebesbeziehung zwischen den Anhängern des FC Bayern und der UEFA. Kommt es nun vor den CL-Halbfinalspielen gegen PSG gar zum Eklat?
Es kracht regelmäßig zwischen dem europäischen Fußballdachverband, der UEFA, und den Fans des FC Bayern, speziell der aktiven Fanszene. Diese fordert bei Champions-League-Partien in schöner Regelmäßigkeit mit auffälligen Bannern mit dem Slogan „Twenty is plenty“ eine Deckelung der Eintrittspreise für Auswärtsfans bei den UEFA-Wettbewerben. Gleichzeitig gehört sie wohl auch zu den aktivsten „Pyrotechnikern“ in der Champions League, wobei man dazu auch feststellen sollte, dass es sich bei den Aktionen (fast) ausschließlich um Pyroshows mit Bengalos handelt. Die Aktionen der europäischen Kollegen mit Böllern und Raketen sind eher verpönt.
Die UEFA reagiert dennoch regelmäßg mit scharfen Maßnahmen: Teilsperrungen in der heimischen Arena, Stadionverbote für FCB-Supporter bei Auswärtspartien. Werden die Münchner Fans dagegen bei diesen von den einheimischen Ordnungskräften, wie auch in diesem Jahr erneut in Madrid geschehen, vermöbelt, oder von ihnen schikaniert (Paris), schaut die UEFA standardmäßig weg. Obwohl die Stadionbesucher einen elementaren Bestandteil eines großen Fußballmatches darstellen, scheint dem europäischen Fußballverband nicht allzu viel an ihrer Unversehrtheit zu liegen.
Kommt es nach den Geschehnissen nach Olises Siegtor zur Eskalation?
Nun droht dem FC Bayern und seinen Anhängern neues Ungemach: Ganz am Ende einer der dramatischsten CL-Partien der letzten Jahrzehnte zwischen dem FC Bayern und Real Madrid kochten die Emotionen nach Michael Olises 4:3-Siegtreffer über. Bereits nach dem 3:3-Ausgleichstreffer durch Luis Díaz, der für den Rekordmeister die Halbfinal-Qualifikation bedeutet hatte, hatten einige Südkurvenfans die Absperrgitter überquert und zwischen diesen und der Bande zum Spielfeld die restlichen Spielminuten verfolgt.
Nach Olises Tor kannte der Jubel in der gesamten Arena keine Grenzen mehr: bei den Umarmungen zwischen den Spielern und Fans am Rande des Spielfelds wurden jedoch offensichtlich vier Fotografen gegen die Bande zum Spielfeld gedrückt und dabei verletzt, einer von ihnen war kurzzeitig bewusstlos. Der Club Nr. 12, die Dachorganisation der organisierten FCB-Fans, drückte dafür unmittelbar nach den Geschehnissen ihr Bedauern aus und bat die Geschädigten um Entschuldigung.
Knapp zwei Tage später, am frühen Freitagabend, wurde bekannt, dass die UEFA Ermittlungen gegen den FC Bayern eingeleitet hat. Insgesamt wirft sie ihm sogar vier Vergehen vor: „Störung durch Zuschauer“, die „Blockierung öffentlicher Wege“, das „Werfen von Gegenständen“ und die „Übermittlung einer für eine Sportveranstaltung ungeeigneten Botschaft (Anti-UEFA-Banner mit „Twenty is plenty“?).
Seitdem wird spekuliert, ob die Geschehnisse nach Olises 4:3 (das Spiel wurde anschließend nicht wieder angepfiffen) erneut zu einer Teilsperre der Allianz Arena im CL-Halbfinale(!) gegen Paris Saint-Germain führen werden. So etwas gab es in der über 70-jährigen Europapokalgeschichte noch nie, obwohl es den Bayern-Spielern in früheren Europapokalschlachten im Bernabéu teilweise noch wesentlich schlechter ergangen war: Gerd Müller war 1976 nach dem Schlusspfiff von einem Fanatiker auf dem Spielfeld niedergeschlagen worden, Klaus Augenthaler hatte 1987 von Eisenstangen berichtet, die von den Rängen auf die FCB-Spieler geworfen worden waren.
UEFA mit vollkommen unterschiedlichen Maßstäben? Der FCB bleibt gelassen
Gerade nach den Geschehnissen beim Hinspiel 2026, als ganz normale Münchner Fans beim Stadioneinlass – nachweislich grundlos – von den Ordnungskräften in Madrid schikaniert und geschlagen wurden, ist die aktuelle Situation brisant. Werden Prügelaktionen gegen Fans von der UEFA geduldet, dagegen wilde Jubelszenen, bei welchen Personen versehentlich zu Schaden gekommen sind, heftig sanktioniert?
Die FCB-Anhänger äußern dazu auf Social Media ihre Vermutungen: „Die UEFA hat es nicht geschafft, dass UEFA Madrid weiterkommt, dann muss man halt dem FC Bayern anderweitig schaden…“ Allerdings sind sich die meisten auch darin einig, dass sich die UEFA damit auch kräftig ins eigene Knie schießen würde: „Wollen die wirklich auf der Weltbühne des Fußball ein leeres Stadion haben im Halbfinale?“
Beim FC Bayern selbst geht man mit der Situation noch gelassen um. Als Erster äußerte sich Sportdirektor Christoph Freund auf der PK vor dem Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart zum Stand der Dinge: „Am Ende waren es sehr viele Emotionen, auch Chaos. Dass Journalisten verletzt worden sind, tut uns sehr leid. Wir sind mit den Journalisten und den Gremien im Austausch. Es war ein sehr emotionaler Abend und ein außergewöhnlicher Spielverlauf. Das darf aber nicht passieren.“ Dass es sich dabei um eine absolute Ausnahmesituation handelte, wiederholte er mehrmals, denn „unser Stadion steht für Sicherheit und eine Atmosphäre, wo sich alle wohlfühlen.“
Laut Freund ist beim FC Bayern hinsichtlich einer möglichen Teilsperrung im Halbfinale „die Sorge nicht groß. Der Austausch mit der UEFA ist gut und eng, über die gesamte Saison, auch mit Jan-Christian Dreesen. Die UEFA weiß, was sie mit der Allianz Arena hat. Es war eine extreme Situation, aber die UEFA weiß, dass es eines der sichersten Stadien ist. Wir gehen davon aus, dass wir mit einem vollen Stadion gegen Paris ein Fußballfest feiern können.“
UEFA-Strafen nach einem „epischen Europapokalspiel“?
Aus Bayern-Perspektive kann man nur hoffen, dass der 48-jährige Österreicher mit seiner Einschätzung recht behält. Das Viertelfinal-Rückspiel der Champions League 2025/26 zwischen dem FC Bayern und Real Madrid geht ganz sicherlich in die Fußballgeschichte ein. Einen erheblichen Anteil an diesem überragenden Event hatte auch die frenetische Zuschauerkulisse. Eigentlich unfassbar, dass diese nun zu derart negativen Konsequenzen führen könnte. Übrigens: Wetten, dass einige Fans bei den Jubelexzessen auf den Rängen größere Blessuren als mindestens drei der vier Fotografen davongetragen haben?
PS: Sollte der Eindruck entstanden sein, dass die Verletzungen der Fotografen hier nicht ernst genommen werden: Sie sind natürlich bedauerlich, sollten aber auch eingeordnet werden. Glücklicherweise geht es „inzwischen allen wieder den Umständen entsprechend gut“, wie der Verband deutscher Sportjournalisten mitteilt. Warum der Ordnungsdienst in der Südkurve das frühzeitige Überklettern des Zaunes nicht verhindert hat, muss jedoch auf alle Fälle noch geklärt werden.
Titelbild: SK-Choreo vor dem epischen Spiel.
