Effenberg watscht Bayernstar ab, vergisst dabei aber seine eigene Karriere komplett

Nach der frühen Roten Karte im Bundesliga-Topspiel in Leverkusen musste sich Bayernstürmer Nicolas Jackson viel Kritik anhören – auch von Stefan Effenberg.

Es war eine der Schlüsselszenen in der Bundesligapartie des FC Bayern bei Bayer Leverkusen, als Nicolas Jackson bei seiner Grätsche im Zweikampf mit Martin Terrier zu spät kam und diesen heftig am Knöchel traf. Nach Intervention des VAR korrigierte Schiedsrichter Christian Dingert seine ursprüngliche Verwarnung und zeigte dem Senegalesen glatt Rot.

Nachdem FCB-Coach Vincent Kompany Jackson schon nach dem Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach gegen die aus seiner Sicht unberechtigte permanente Kritik in Schutz genommen hatte, tat dies auch Sportvorstand Max Eberl nach dem Platzverweis: „Im Fußball geht es so schnell: Du hast gegen Gladbach ein Tor und gegen Atalanta ein sehr ordentliches Spiel gemacht. Und drei Tage später bist du der Depp, weil du eine Rote Karte kassierst.“

Der 52-Jährige sah den Feldverweis vor allem als Folge eines missglückten Zweikampfs: „Im Willen, einen Zweikampf zu führen, kommt er zu spät und trifft den Knöchel. So ist dieser Fußball – einfach gnadenlos.“

Scharfe Experten-Kritik an Jackson

Dagegen übte der frühere Bayern-Führungsspieler Stefan Effenberg im Sport1-Doppelpass scharfe Kritik am Leihspieler vom FC Chelsea, aber auch am Unparteiischen: „Er hat den klaren Blick und ich erwarte von einem Top-Schiri, dass er die Szene nicht mit Gelb beurteilt, sondern direkt mit Rot. Aber die Frage, die sich hier stellt: Warum Jackson im Mittelkreis so dumm übermotiviert dahingeht? Wenn ich Trainer wäre, würde ich mich verdammt ärgern.“

Der 57-jährige Effenberg gilt bei einer großen Mehrheit der Anhänger des Rekordmeisters derzeit als der einzige seriöse TV-Experte in der Riege der Ex-Bayernspieler. Während Dauernörgler Didi Hamann von den FCB-Fans ausnahmslos komplett abgelehnt wird, Lothar Matthäus und Mario Basler mehrheitlich für Kopfschütteln sorgen, gefallen die stets sachlichen Analysen von „Effe“.

Allerdings verwundert im Fall von Jackson die scharfe Kritik des 35-fachen Nationalspielers doch ein wenig. Denn in der Historie der Bundesliga zählt er zu den größten Raubeinen unter den Spielern: In seinen 370 BL-Partien (davon 160 für den FCB) hat Effenberg 114 Gelbe Karten gesammelt und ist damit bis heute trauriger Rekordhalter. Zudem musste er sieben Platzverweise hinnehmen – viermal Gelb-Rot, dreimal Rot.

Nicht Jackson, sondern Effenberg hätte fast einen Titel durch „Dummheit“ verspielt

Eine seiner drei Roten Karten kassierte er ausgerechnet im „Skandalspiel“ in Dortmund vor fast genau einem Vierteljahrhundert. Diese Partie war das letzte Pflichtspiel des FC Bayern, welches er wie nun in der BayArena zu neunt beenden musste. Bereits durch die Ampelkarte von Bixente Lizarazu in Unterzahl spielend, ließ sich Effenberg zehn Minuten nach der Halbzeit zu einer Tätlichkeit provozieren. Auch damals kämpfte sich der Rekordmeister in doppelter Unterzahl zu einem 1:1.

Allerdings war die Meisterschaft in der Spielzeit 2000/01 viel enger als in dieser Saison. Effenberg und drei seiner Mannschaftskollegen fehlten eine Woche später beim nächsten Topspiel gegen den FC Schalke, welcher dieses mit einem triumphalen 3:1 im Olympiastadion verließ. „Effes“ Unbeherrschtheit hätte dem FCB damals die Meisterschaft kosten können. Am Ende der Saison befand sich aber „Vier-Minuten-Meister“ Schalke 04 in tiefer Trauer, während Effenberg & Co. in Hamburg nach Patrik Anderssons Last-Minute-Treffer euphorisch den Titel feierten.

Es ist nicht bekannt, wie „verdammt“ sich Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld im April 2001 über Effenberg geärgert hat. Der hat jedoch ganz im Gegensatz zu Jackson in einer „verdammt“ engen Saison einen Platzverweis in einem Schlüsselspiel kassiert, welcher nicht einmal in einer Spielsituation passierte. Hitzfeld hätte damals sicherlich mehr Grund für großen Unmut als nun Vincent Kompany haben können. Ist das Effenberg bewusst? 😉


Titelbild: Effenberg und die Bayern zum Saisonende 2000/01 im großen Glück: Vier Tage nach der Meisterschaft folgte der CL-Titel in Mailand gegen Valencia.

Ein Kommentar zu “Effenberg watscht Bayernstar ab, vergisst dabei aber seine eigene Karriere komplett

  1. Das hat er wohl erfolgreich verdrängt. 😉
    Auch ein Effe liegt mit seinen Einschätzungen nicht immer richtig. Aber verglichen mit anderen TV-Experten ist er der beste…

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