Fan-Ausschluss in der Südkurve: Das Statement der Bayern-Ultras

Im CL-Heimspiel gegen Sporting Lissabon zeigten die FCB-Ultras eine beeindruckende Pyro-Show, die einerseits Applaus, aber auch eine UEFA-Sperre nach sich zog.

München – Nach dem wiederholten Einsatz von Pyrotechnik in der Südkurve bei Champions League-Heimspielen wurde der FC Bayern von der UEFA-Disziplinarkommission mit einer Geldstrafe in Höhe von 50 000 Euro sowie einer teilweisen Sperrung der Allianz Arena (Sektoren 111 bis 114) im nächsten Heimspiel gegen Royale Union Saint-Gilloise belegt.

Die Verantwortlichen des Rekordmeisters gingen in Konsequenz sogar noch einen Schritt weiter. Denn obwohl zumindest in den Blöcken 109, 110, 115, 116 und 117 Zuschauer zugelassen wären, verbannt der Verein alle Fans im Unterrang der Südkurve: Der aktuelle Stand ist, dass dieser Stadionbereich am 21. Januar komplett leer bleibt.  Da es dem FC Bayern technisch nicht möglich erscheint, einzelne Tickets aus den 9336 für die Südkurve (Blöcke 109 bis 117) gültigen zu stornieren, werden in einem ersten Schritt alle Tickets für die Südkurve ungültig.

Nun melden sich auf der Website „Südkurve München“ die zuletzt wegen der Pyro-Aktion von vielen Seiten scharf kritisierten Ultras des FC Bayern zur Situation und legen ihre Sichtweise dar.

Bayern-Ultras kritisieren die UEFA

Wenig überraschend äußert die aktive Fanszene des Rekordmeisters ihre Kritik am Vorgehen der UEFA: „Wieder einmal müssen wir uns mit Kollektivstrafen seitens eines Verbandes beschäftigen, dieses Mal mit drastischeren Auswirkungen als bisher. Hierzu stellen wir eine kleine Botschaft vorab: Wir wissen, dass dieses Thema aktuell für viele Fans ein hoch emotionales Thema ist und es vollkommen legitimerweise unterschiedlichste Sichtweisen darauf gibt. Wir stehen für unsere Positionen ein und sind immer offen für konstruktiven und respektvollen Austausch und appellieren an alle, gegensätzliche Meinungen zu akzeptieren.“

Wie stets in der Vergangenheit lehnen die „Gruppen der Südkurve München Kollektivstrafen ab.“ Denn: „Aus unserer Sicht sind sie weder legitim noch geeignet, Verhalten zu erzwingen, egal von welchem Verband oder welcher Institution auch immer. Entsprechend ist es für uns nur konsequent, uns einem solchem Regime nicht zu beugen.“

Stattdessen verweisen die FCB-Ultras auf das durchaus auch gezeigte positive Feedback auf ihre grundsätzlich untersagte Aktion: „Die Bilder der Pyroshow in der Südkurve beim Heimspiel gegen Sporting Lissabon sind um die Fußballwelt gegangen und haben im Stadion und im Nachgang viel Applaus bekommen. Für uns und viele andere ist Pyrotechnik ein wichtiges Element von Fankultur, das besondere Momente und Atmosphäre schafft.“

Konsequenzen für unbeteiligte und andersdenkende FCB-Fans werden billigend in Kauf genommen

Reue zeigt man seitens der Münchner Ultras keineswegs: „Die Aktion hatte diesmal primär den Zweck, uns nicht der von der UEFA gegen den FC Bayern verhängten Bewährungsstrafe zu beugen, auch wenn dafür Konsequenzen drohen. Wir wussten und wissen, dass diese Konsequenzen viele Bayernfans treffen, die keine Verantwortung für unsere Aktion tragen und vielleicht sogar eine andere Meinung dazu haben. Gerade das ist ja auch das Perfide an diesem Werkzeug, das zurecht in demokratischen Rechtssystemen keinen Platz hat, aber leider in der Sportgerichtsbarkeit der UEFA inflationär Anwendung findet. Leider hat dieser Verband auch eine Struktur, die unserem Anliegen keine andere Stimme gibt als eben durch Aktionen im Stadion.“

Es wird auch darauf hingewiesen, dass die DFL solche Vorkommnisse ganz anders handhabt: „In den nationalen Wettbewerben finden Kollektivstrafen nach langen Diskussionen und Kämpfen der Fans aktuell keine Anwendung. Wir haben in Deutschland aktuell eine Fankultur und eine Stadionatmosphäre, um die uns viele in anderen europäischen Ländern beneiden und die die Attraktivität des Fußballs bei uns entscheidend ausmacht. Jeder Fan, der unsere Mannschaft in Europa begleitet, weiß, wie Fans dort behandelt werden.“

Appell an die Vereinsbosse, aber auch die übrigen Fans

„Wir hoffen auf die Funktionäre der deutschen Europapokalteilnehmer, sich für eine lebendige Fankultur und gegen Sippenhaft und Kollektivstrafen einzusetzen, auch wenn wir wissen, dass unsere Aktion Euch viele Probleme schafft. Ihr habt dort eine Stimme, wir nicht“, so der Appell der FCB-Ultras an Jan-Christian Dreesen & Co.

Zum Ende wenden sich Schickeria & Co. noch an die übrigen Stadionfans des Rekordmeisters: „Wir hoffen auf das Verständnis von Euch, den Fans, die wie wir jetzt bei dem Spiel gegen Union Saint-Gilloise aus unserer gemeinsamen Kurve ausgesperrt sind. Egal wie Ihr Pyrotechnik im Stadion seht, wir dürfen uns nicht durch Kollektivstrafen auseinander bringen lassen. Heute trifft sie uns wegen Pyrotechnik, morgen wegen kritischen Spruchbändern. Zusammen haben wir viel erreicht. Unser Zusammenhalt ermöglicht die Atmosphäre bei unseren Spielen, die Choreografien, die sozialen Aktionen oder Feiern – und eben auch eine starke Stimme für die Rechte von uns Fans.“

Aufgrund der zahlreichen empörten Meinungsäußerungen in den Sozialen Medien darf stark bezweifelt werden, dass dieses Statement des harten Kerns der FCB-Stadionfans tatsächlich auf viel Gegenliebe der „normalen“ Anhänger des Rekordmeisters stößt. Die Ultra-Message ist auf alle Fälle ganz klar: „Gegen Kollektivstrafen – für eine lebendige Fankultur.“

2 Kommentare zu „Fan-Ausschluss in der Südkurve: Das Statement der Bayern-Ultras

  1. Ich weiß nicht, was mich in diesem Zusammenhang mehr nervt und enttäuscht: Solche dämlichen Pseudo-Statements oder die Vereinbosse (allen voran Dreesen), die es nicht hinbekommen (wollen), dass die Hälfte des SK-Unterrangs besetzt ist…

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