Der FC Bayern hat in Vincent Kompanys zweiter Spielzeit die beste Halbserie seiner Vereinsgeschichte gespielt – und ist mit dieser Bilanz auch Europas Topteam.
Auch wenn die großen Titel erst im Frühjahr abgeholt werden – im europäischen Fußball-Vereinsfußball beginnt die Crunch Time im April: Die Bilanz des FC Bayern bis zur kurzen Winterpause ist absolut außergewöhnlich und selbstverständlich auch eine sehr gute Basis für ein grandioses Saisonfinale. Seit seiner Gründung im Jahr 1900 hat der deutsche Rekordmeister nie eine bessere Serie bis zum Jahreswechsel gespielt. Die 22 Siege aus 25 Pflichtspielen (2 Unentschieden – eine Niederlage) mit einem sagenhaften Torverhältnis von 85:24 sind auch einmal in Europas Top-Fußball absolute Spitze.
Ein Vergleich mit der europäischen Fußballelite, den Topteams der Champions League, weist die Münchner als klar Verein aus, wenn man die erzielten Durchschnittspunkte aus den nationalen Ligen und der Königsklasse als Maßstab nimmt. Der FC Bayern hat als Bundesliga-Tabellenführer und CL-Zweiter in den 21 Spielen überragende 56 Punkte und damit einen Schnitt von 2,67 Punkten pro Partie erzielt. Würde man den Sieg im Franz-Beckenbauer-Super-Cup (2:1 in Stuttgart) und die drei DFB-Pokal-Auswärtssiege ebenfalls werten, wären es gar 2,72 Durchschnittspunkte.
Hinserie 2025/26: Europas Topvereine können mit dem FCB nicht mithalten
Lediglich elf CL-Teilnehmer erreichen insgesamt einen Durchschnittswert von zwei und mehr Punkten: Der FC Arsenal, der einzige FCB-Bezwinger im ersten Halbjahr, folgt dabei als Zweiter schon mit einem beträchtlichen Abstand (2,50 Durchschnittspunkte aus 24 Partien), dahinter liegt die PSV Eindhoven mit 2,35. Im letzten Ligaspiel der Königsklasse müssen die Bayern noch zum niederländischen Spitzenreiter.
Vierter im Ranking ist LaLiga-Tabellenführer Barcelona (2,33), Fünfter Portugals Doublesieger Sporting Lissabon (2,29), der jüngst in der Allianz Arena beim 1:3 seine höchste Saisonniederlage erlitt. Dahinter folgen Real Madrid (2,25, 6.), CL-Titelverteidiger Paris Saint-Germain (2,23, 7.), dem FCB gar zuhause mit 1:2 unterlegen, Pep Guardiolas ManCity (2,21, 8.), Inter Mailand (2,14, 9.) und Borussia Dortmund (2,05, 10.). Der BL-Tabellen-Zweite verlor seine einzige Liga-Partie beim 1:2 in München. Atlético Madrid übertrifft als elfte CL-Top-Mannschaft die Zwei-Punkte-Hürde ebenfalls knapp (2,04).
Kompanys Bayern sind bislang auch ganz eindeutig Europas Tormaschine (73) und das Team mit dem mit Abstand besten Torverhältnis (73:18; +55). Keine andere Mannschaft kann mit durchschnittlich 3,48 Treffern pro Spiel nur ansatzweise mithalten, auch nicht mit den 2,62 Toren, die der deutsche Rekordmeister pro Partie besser als der Gegner ist. Bei den Treffern ist Eindhoven mit durchschnittlich 2,91 pro Spiel Europas „zweithungrigstes Team“, Sporting ist bei der „Spieldominanz“ (1,81 Tore durchschnittlich besser als der Gegner) Zweiter vor dem FC Arsenal (1,58).
Oft wird dem FC Bayern eine Abwehrschwäche, sogar eine große Schwäche bei der Verteidigung von Standards nachgesagt. Die Zahlen widerlegen auch dies: Nur Arsenal (0,50) und wiederum Sporting (0,76) erhielten im Durchschnitt weniger Gegentore pro Spiel als die Münchner (0,86). Zu erwähnen wäre hier noch, dass Lennart Karls zwischenzeitlicher Ausgleichstreffer in London den bislang einzigen CL-Gegentreffer der Gunners markiert und dass die drei des portugiesischen Meisters in München dessen Saison-Negativrekord bedeuten.
Starke Bundesliga und Blick in die FCB-Historie
Reflexartig werden solche Statistiken in der Regel mit dem Argument der „schwachen Bundesliga“ begründet. Dieses kann man in dieser Saison ganz einfach kontern: Denn bei den Top-4-Ligen Europas (und damit der Welt) liegt in dieser Spielzeit in der UEFA-Jahreswertung einzig die englische Premier League vor der deutschen Eliteliga – und der Abstand ist nicht einmal besonders groß: 12,819 (Durchschnitts-)Punkte zu 11,857. Die italienische Serie A (11,178) und die spanische Liga (11,062) liegen dagegen hinter den Bundesligisten.
Die bisherigen beiden FCB-Triple-Triumphe haben sich 2012/13 und 2019/20 auch schon angedeutet: Jupp Heynckes´ Team hat die Bundesliga von Beginn an dominiert und die CL-Gruppe gewonnen. Im Herbst 2019 gab es zwar den Trainerwechsel von Niko Kovač zu Hansi Flick, aber in der CL-Gruppenphase stellte man bereits einen noch bestehenden Rekord auf: Sechs Siege und 24:5 Tore. Tottenham Hotspur (7:2) und Roter Stern Belgrad wurden auswärts pulverisiert.
Es werden nun sicherlich fünf sehr spannende Monate der Kompany-Bayern folgen. Was diese Mannschaft mit ihren Triple-Vorgängern eint, ist, dass sie sich als absolut verschworener Haufen präsentiert. Mit wie vielen Titeln die Saison letztendlich enden werden, ist die spannende Frage. Mit der in 2025 gelegten Basis erscheint jedoch definitiv alles möglich zu sein. Fußball-Europa schaut wieder einmal mit bangen Blicken nach München.
