Der beeindruckende 3:1-Sieg des FC Bayern im CL-Spiel gegen Sporting Lissabon wurde nach der Partie schnell zur Nebensache. Die Pyro-Show der FCB-Ultras sorgt für Ärger. Ein Kommentar.
Mit Beginn der Halbzeitpause wusste der erfahrene FCB-Stadionfan sehr genau, was zu Beginn der zweiten Spielhälfte folgen würde: Eine Pyro-Show über den gesamten Unterrang der legendären Südkurve der Allianz Arena. Im ganzen Stadion deutlich sichtbar bereitete sich die Ultraszene unter aufgezogenen Bannern auf diese Aktion vor.
Während die nachfolgende Pyro-Show von einem großen Teil der Fans im ganzen Stadion eine viel fotografierte Attraktion war und bei Beendigung sogar mit viel Applaus bedacht wurde, sorgt sie nun im Nachgang für viel Ärger und Aufregung. Der Grund dafür ist, dass der FC Bayern bereits im März mit einer UEFA-Strafe belegt worden war, nachdem ihre Ultras im Champions-League-Achtelfinale gegen Leverkusen eine vergleichbare Show gezeigt hatten. Zum einen hatte der Verein dafür eine Geldstrafe über 50.000 Euro kassiert, zum anderen eine zweijährige Bewährungsstrafe mit drohendem Fan-Ausschluss.
Bericht über die Ultra-Erwägungen bei der Pyro-Aktion
Wie die BILD nun berichtet, wurde die nun folgende Strafe von der FCB-Ultraszene dabei absolut bewusst einkalkuliert. Das Boulevardblatt will aus Fan-Kreisen erfahren haben, dass man „natürlich ganz genau“ wusste, „dass wegen der Bewährung beim nächsten Vorfall ein Fan-Ausschluss kommt. Die Aktion soll lange geplant gewesen sein, damit die Strafe der UEFA genau jetzt kommt. Die Idee dahinter: Das nächste Champions-League-Heimspiel ist erst am 21. Januar – das eher unglamouröse Duell gegen Belgien-Klub Union Saint-Gilloise. Die Fans sollen eingeplant haben, dass es gegen die Belgier dann zum Fan-Ausschluss der Blöcke 111-114 hinter dem Tor in der Südkurve kommt.“
Damit sollte die UEFA ausgetrickst werden: Die Strafe gegen Union Saint Gilloise absitzen, „damit man dann die komplette Strafe weg hat – und rechtzeitig für die Knaller-Duelle in der KO-Phase der Königsklasse wieder bei Null beginnt und quasi wieder neu loszündeln könnte…“ Laut BILD sollen zahlreiche FCB-Ultras sogar versuchen, sich für das Spiel gegen den belgischen Meister Tickets für andere Blöcke zu besorgen.
Geht der Plan der FCB-Ultras auf?
Sollte dies tatsächlich der dahinter steckende Plan der FCB-Ultras gewesen sein, stellt sich nicht nur die BILD die Frage, ob die UEFA dabei auch genauso mitspielt. Derzeit untersucht diese die Vorfälle und im „Normalfall“ wäre die Sanktion der genannte Fan-Ausschluss plus etwa 67500 Euro Geldstrafe für die rund eingesetzten 90 Pyrofackeln. Jedoch könnte die UEFA die Strafe theoretisch auch erhöhen, weil die „Bayern-Fans“ Wiederholungstäter sind.
FCB-Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen hatte direkt nach dem Sporting-Spiel geklagt: „Wie teuer das wird, kann ich nicht sagen. Aber klar ist, was die Sanktion der UEFA sein wird. Es wird einen Teilausschluss der Fans in der Südkurve geben.“
Erstaunlich und absolut unüblich ist es übrigens, dass die „geheime Pyro-Strategie der Bayern-Ultras“ (BILD) nach außen getragen wurde. So etwas ist in der Szene, vor allem gegenüber dem Boulevard, ein absolutes „No-Go“. Ein Maulwurf in der FCB-Fanszene? Gelangen diese Informationen an die UEFA, könnte die „gehässig“ reagieren.
Auch könnte sich die Ultraszene die Wut zahlreicher anderer Südkurvenfans zuziehen. Die dürfen dann nämlich (mindestens) für ein CL-Heimspiel zu Hause bleiben, während die Verursacher trotzdem in der Arena sein werden. Diese Art von Egoismus dürfte bei sehr vielen Bayernfans überhaupt nicht gut ankommen.
Außerdem: Wäre es nicht auch ziemlich naiv, anzunehmen, dass man dann ab dem CL-Achtelfinale quasi wieder bei Null anfangen kann? Künftige UEFA-Strafen könnten wesentlich höher ausfallen.
Präventive Maßnahmen gegen Pyro-Aktionen
CEO Dreesen gilt seit seiner Zeit als FCB-Finanzvorstand als der Fanszene wohlgesonnen. Nun ist aber auch er mächtig angefressen. Welche Konsequenzen müssen die FCB-Ultras – bei der Aktion gegen Lissabon waren ganz offensichtlich sämtliche Gruppierungen beteiligt – befürchten?
Seit vielen Jahren ist bekannt, dass das „Material“ für Pyro-Aktionen lange vor dem Spiel irgendwo in der Arena deponiert wird. Konsequent nachgedacht bedeutet das, dass man dort auch Helfer und Möglichkeiten besitzt. Sollte man das nicht rechtzeitig schaffen: Eine Viertelstunde sollte für die im Stadion eingesetzten Ordner genügen, um das „drohende Unheil“ noch zu verhindern. Denn mindestens so lange vorher kündigt es sich immer an.
Aber auch noch ein Wort zur scharfen Verurteilung von kontrolliert abgebrannten Pyro-Material wie am Dienstagabend bei Bayern gegen Sporting: Während dies in den Social Media größtenteils scharf verurteilt wird, liebt ein ziemlich großer Teil der Stadionfans diese „Unsitte“. In Gefahr fühlt sich eigentlich niemand, die Rauchentwicklung gegen Sporting war zwar gewaltig, aber auch keineswegs eine Gefahr für die Atemwege. Außerdem befinden sich „normale Fans“, gar Kinder eigentlich nie auf den Plätzen, wo gefackelt wird.
Körperletzung: Pyro ist nicht gleich Pyro
Was dagegen gar nicht geht: Als die Bayernspieler auf dem Rasen gerade die Verhältnisse zurecht rückten, gab es im Sporting-Block einen gewaltigen Böller, der fast so laut wie ein Bombeneinschlag war. Offensichtlich wurde dadurch ein Polizist und auch ein portugiesischer Fan verletzt. Die Aktion hatte eine ganz andere Dimension als die der Südkurve: Eine Strafanzeige wegen Körperverletzung und ein lebenslanges Verbot für weltweit alle Stadion muss da die Konsequenz sein.

Der Südkurve wäre es durchaus zuzutrauen, dass sie mit Kalkül gehandelt hat. Wenn sie sich damit mal nicht verkalkuliert hat.
Ich empfinde den Einsatz von Pyrotechnik dann als störend, wenn damit das Spiel negativ beeinflusst wird, weil z. B. dicke Rauchschwaden das Spielfeld vernebeln und weder die Spieler noch die Zuschauer genug sehen können. Es nervt sehr, wenn sich der Anpfiff verzögert oder sogar ein Spiel unterbrochen werden muss.