In seinen fünf Jahren beim FC Bayern polarisierte Leroy Sané stets, auch nach seinem Wechsel nach Istanbul diskutiert Fußball-Deutschland weiterhin über ihn. Sein Draht nach München bleibt jedoch gut.
Leroy Sané ist ein ebenso hochtalentierter wie hochsensibler Fußballspieler. In Fußball-Deutschland wird er seit jeher kontrovers diskutiert, speziell seine fünf Jahre beim FC Bayern. Tatsächlich zeigte er im Trikot des Rekordmeister sowohl Weltklasseleistungen als auch für sein Leistungsvermögen erstaunlich schwache Vorstellungen. Die einen kritisierten diese als „lustlos“, die anderen bemerkten stets seinen hundertprozentigen Einsatz für das Team.
So wechselte der 70-fache deutsche Nationalspieler im letzten Sommer ebenso überraschend wie ablösefrei von der Säbener Straße zum türkischen Meister Galatasaray Istanbul. Über die Gründe wurde sehr viel diskutiert, er selbst nannte kürzlich sehr diplomatisch „eine neue Erfahrung sammeln“ als seine Haupt-Motivation für den Schritt. Tatsächlich hatte er wahrscheinlich eher die Nase gestrichen voll von der negativen Darstellung seiner Persönlichkeit in der deutschen Öffentlichkeit.
Deutsche „Negativ-Presse“ verfolgt Sané bis in die Türkei
Diese begleitet ihn jedoch weiterhin bis an den Bosporus. Für seine nachvollziehbare Nominierung für die WM-Qualifikationsspiele in Luxemburg und gegen die Slowakei bekam Bundestrainer Julian Nagelsmann sogar teils heftige öffentliche Schelte. Dieser würde mit der Nominierung des 29-Jährigen all seine verkündeten Leistungs-Prinzipien über Bord werfen. Sanés Leistungen in einer als schwach bezeichneten Liga würden dafür nicht ansatzweise ausreichen.
Tatsächlich führt Galatasaray die Süper Lig aktuell ähnlich souverän wie der FC Bayern die Bundesliga an. Allerdings steht der türkische Topclub in der Champions-League-Tabelle auch vor den drei Bundesligavereinen Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt, befindet sich punktgleich mit PSG, Real Madrid und dem FC Liverpool auf Rang 9.
Leroy Sané besitzt herausragende technische Fähigkeiten, einen exzellenten Schuss, war aber noch nie der gnadenlose Vollstrecker vor dem Tor. Seine sechs Torbeteiligungen (3 Tore, 3 Assists) in den 14 Pflichtspielen für Gala sind also nicht so schwach wie hierzulande häufig behauptet wird. Bemerkenswert ist vielmehr, dass er sich im Laufe der Jahre zu einer „Kampfmaschine“ für seine Teams entwickelt hat. Das hat sein aktueller Teamkollege Ilkay Gündogan vor Kurzem ebenso hervorgehoben wie all seine Trainer und Mitspieler in München.
Immer noch sehr guter Draht zum FC Bayern
Zu diesen pflegt er immer noch einen ausgezeichneten Kontakt, wie er aktuell in einem Interview mit Sky betont: „Sehr gut! Ich habe letztens noch mit Leon Goretzka und Joshua Kimmich gesprochen. Wir sind immer noch im Austausch. Wenn’s passt, schaue ich mir natürlich auch ihre Spiele an. Ich freue mich riesig, dass es bei ihnen so gut läuft und hoffe, dass sie weiter Gas geben. Und klar – wenn Jamal Musiala und Alphonso Davies bald wieder dazustoßen, macht sie das nur noch stärker. Ich freue mich wirklich für die Mannschaft.“
Vor allem von Harry Kane schwärmt der Nationalspieler: „Er spielt schon seine ganze Karriere über konstant auf Topniveau. Ich zweifle nicht daran, dass er so weitermachen wird und hoffe, dass am Ende der Saison all seine Ziele in Erfüllung gehen. Es hat Riesenspaß gemacht, mit ihm zusammenzuspielen – und es macht genauso Spaß, ihm zuzusehen.“
Wahrscheinlich wäre Sané am liebsten selbst noch Teil der Bayern-Mannschaft. Aus erwähnten Gründen ist sein Wechsel in die Türkei für ihn wahrscheinlich dennoch ein vernünftiger Schritt gewesen. Und wenn er – vom Bosporus anreisend – auch wieder exzellente Leistungen für die Nationalmannschaft bringt, die ein oder andere Torbeteiligung erzielt, könnte die deutsche Fußball-Öffentlichkeit vielleicht auch endlich Frieden mit dem „verhinderten Weltklassespieler Sané“ schließen.
