Die geplante viertägige Hospitanz des Ex-Bayernspielers Boateng beim Training an der Säbener Straße stellt derzeit einen riesigen Aufreger dar. Ein Kommentar dazu.
Beim Bundesliga-Spitzenspiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund wurden kurz nach der Halbzeitpause im Unterbereich der legendären Südkurve, wo die sogenannte aktive Fanszene beheimatet ist, mehrere großflächige Banner ausgerollt. Darauf zu lesen: „Wer dem Täter Raum gibt, trägt seine Schuld mit – Boateng, verpiss dich!“ wie auch „Kein Platz für Charakterschweine in unserem Verein – kein Platz mehr für Boateng!“
Vorausgegangen war diesen verbalen Amokläufen das Versprechen von FCB-Chefcoach Vincent Kompany an seinen alten Fußball-Kumpel Jérôme Boateng, auf dem Weg zum Profitrainer eine viertägige Hospitanz beim Training an der Säbener Straße machen zu dürfen. Beide hatten in jungen Jahren zusammen beim Hamburger SV und bei Manchester City gespielt. Danach wechselte der deutsche Nationalspieler zum FC Bayern, gehörte zehn Jahre lang (2011 bis 2021) zu den Leistungsträgern des Teams und zählt neben Manuel Neuer, Thomas Müller, Javi Martínez und David Alaba zu den fünf Vereinslegenden, die bei beiden FCB-Triple-Triumphen (2013, 2020) beteilt waren.
Verdienste, die für die FCB-Ultras, zumindest große Teile von ihnen, offensichtlich keine Rolle mehr spielen. Diese prangern den 37-Jährigen nun erneut wegen der Anschuldigungen von häuslicher Gewalt, die in einem 5-jährigen Prozess-Marathon (2019 bis 2024) verhandelt wurden, an. Dabei hob die letztinstanzliche Richterin am Landgericht München I hervor, dass nichts von den Vorwürfen übrig geblieben sei, dass Boateng „ein notorischer Frauenschläger“ sei. Boateng gilt damit nicht als vorbestraft. Diese Urteilbegründung stellt die FCB-Fanszene, in welcher selbst auch Personen vertreten sind, die man nicht unbedingt als „Kinder von Traurigkeit“ bezeichnen kann, offenbar nicht zufrieden.
Was tatsächlich im Juli 2018 im Karabikurlaub zwischen Boateng und seiner damaligen Freundin geschehen ist, kann kein Außenstehender beurteilen. Gerichtsurteile müssen natürlich nicht zwangsläufig korrekt und fair sein, dennoch leben wir in der Bundesrepublik Deutschland in einem Rechtsstaat, in dem übrigens auch die viel zitierte „Unschuldsvermutung“ gilt. Damit sei der juristische Teil dieses Beitrags abgeschlossen. Der Fokus liegt auf etwas anderem.
Die FCB-Ultra-Gruppierungen stellen nur eine winzige Minderheit der Bayernfans dar
Denn nach dieser Südkurven-Aktion wird nun fälschlicherweise verallgemeinernd in diesem Kontext von „den Bayernfans“ oder „vielen Bayernfans“ berichtet. Es soll der Eindruck entstehen, dass eine (große) Mehrheit der Anhänger des Rekordmeisters hinter den verbalen Blutgrätschen der FCB-Ultraszene stehen.
Eine zwar „publikumswirksame“, aber ansonsten äußerst fragwürdige Behauptung. Denn wenn man alle Ultra-Gruppierungen im Umfeld des FC Bayern berücksichtigt, dann sind diese zusammen vielleicht 1000 Personen stark, die gesamte „aktive Fanszene“ (im Club Nr. 12 organisiert) zählt um die 3000 Mitglieder: Zwar äußerst laut- und im Stadion durchaus mit Berechtigung meinungsstark, aber selbst dort nur eine kleine Minderheit. Ihre Meinung spiegelt nicht ansatzweise die der Mehrheit der Bayern-Anhänger wieder.
Im Gegenteil: In der Arena wurde die Anti-Boateng-Aktion entweder von den „normalen Bayernfans“ ignoriert oder mit einem kurzen Kopfschütteln quittiert. Der Zeitpunkt der „Veröffentlichung“ (ab der 47. Minute) war wohl vorab als solcher identifiziert worden, der maximale Aufmerksamkeit erlangen sollte. Das Gegenteil war der Fall, das Topspiel wurde aufregender, spannender. Die Nicht-Kurven-Fans konzentrierten sich – wie es eigentlich sein sollte – auf die Partie. Ein organisatorisches Ultra-Eigentor, lediglich die Aufmerksamkeit der Medien kaschierte dies.
In den Sozialen Medien distanzierte sich eine riesige Mehrheit der Fans des Rekordmeisters in einem meist sehr scharfen Ton von der Stadion-Aktion der Ultras, die nicht selten als „verbale Amokläufer“ tituliert wurden. Auffallend viele weibliche FCB-Fans äußerten sich, diese steht stellvertretend für viele ähnliche Meinungen: „Es hat mich aufgeregt, wie die Südkurve da agiert hat. Das ist einfach nur völlig daneben, unfair und unberechtigt. Aber Fakten interessieren wohl nicht, wenn man sich wichtig machen will. Notfalls auch mal als Moralapostel. Natürlich würde ich eine Hospitanz bei uns begrüßen.“
Schon vor zwei Jahren: Riesige Mehrheit der FCB-Fans hält zu Boateng
Vor fast genau zwei Jahren hatte es dieses Aufreger-Thema schon einmal gegeben: Der vereinslose Boateng hatte unter dem damaligen Trainer Thomas Tuchel an der Säbener Straße trainiert (Titelbild), wollte sich für einen Vertrag qualifizieren, mit scheinbar guten Chancen, weil es zahlreiche Ausfälle in der FCB-Innenverteidigung gegeben hatte. Die Beleidigungen in der Südkurve hatten damals fast denselben Wortlaut gehabt, auch der noch nicht fix verpflichtete Max Eberl wurde im selben Aufwasch als „Charakterschwein“ beleidigt.
Obwohl im Oktober 2023 noch kein richterlicher „Freispruch“ für Boateng existierte und es auch Bedenken an der sportlichen Qualifikation des damals 35-Jährigen gab, hätten sich laut einer FCB-Fanseiten-Umfrage 89 Prozent der Teilnehmer über ein erneutes Engagement des Weltmeisters von 2014 gefreut.
Als die Vereinsführung dann letztendlich angesichts des „medialen Ultra-Drucks“ beschloss, Boateng „in der Betrachtung aller Aspekte“ nicht zu verpflichten, war die Enttäuschung der Bayernanhänger über den eigenen Klub gewaltig. Die Zustimmungswerte für Boateng, vor allem bei den weiblichen(!) Fans stiegen auf über 90 Prozent.
Wenn man bedenkt, dass es seitdem sogar diese gerichtliche Entlastung für den Ex-Nationalspieler gegeben hat und es sich nicht um eine Verpflichtung als Spieler, sondern lediglich ein viertägiges Hospitieren handeln wird, dann sollte die aktuelle „Fanunterstützung“ der „Nicht-Fanszene“ für Boateng sogar noch einmal einige Prozentpunkte dazu gewinnen. Fast komplett einheitlich haben diese Bayernfans „überhaupt kein Problem damit“ und „Jerome darf gerne bei uns hospitieren.“

Danke danke danke für diesen Beitrag.
Beim ganzen Einheitsbrei der heutigen „Lügenpresse“ (und nein, bekanntermaßen komme ich nicht aus der rechten Ecke) werden solche Dinge einfach einmal weggelassen.
Es ist zum Schämen!
Erfolg und Ruhe beim FCB:
der Albtraum für die Neider und Klickpresse.
Da kommt sowas gerade recht.
Die ganze Aufregung (hier) um Boateng dient nur als ein Mittel zum Zweck.