Vor 63 Jahren trat der FC Bayern als Oberligist zu seinem ersten „Europapokalspiel“ im Messepokal beim FC Basel an. Der Ausgang der Partie hatte eine entscheidende Bedeutung für die Ansetzung des Rückspiels.
In der Saison 1962/63, der Spielzeit vor der Bundesliga-Gründung, traf der FC Bayern, damals in der Oberliga Süd spielend, in der ersten Runde des Messe- bzw. Messestädte-Pokals auf den FC Basel. Das Hinspiel fand am 16. Oktober 1962 im sog. Landhof, bis 1967 Heimstätte der Basler, vor gerade einmal 5500 Zuschauern statt. Durch Tore von Dieter „Mucki“ Brenninger (2) und Jakob Drescher gewannen die Münchner mit 3:0. Dieses Spiel gilt als das erste Europapokalspiel in der glorreichen FCB-Historie.
Der klare Auswärtssieg hatte damals ein absolutes Kuriosum zur Folge: Die Basler, die sich deshalb chancenlos wähnten, verzichteten auf das Rückspiel im Grünwalder Stadion. Ein Szenario, welches heute völlig undenkbar wäre, auch weil dem Gastgeber so Zuschauereinnahmen verloren gingen. Allerdings waren die Zuschauerzahlen im Messepokal äußerst gering: In der 2. Runde gegen Dublin 2500, im Viertelfinale, in dem der FC Bayern gegen Dinamo Zagreb ausschied (1:4; 0:0), 10000.
Einzige FCB-Teilnahme am Messepokal – die erfolgreichen Europapokal-Jahre kamen später
Für die Bayern, die in den beiden Folgejahren in der zweitklassigen Regionalliga Süd spielten, blieb dies die einzige Teilnahme am Messepokal (im ursprünglichen Sinn). Dieser war ein Wettbewerb, der zur Promotion internationaler Handelsmessen zwischen 1955 und 1971 insgesamt 13-mal ausgetragen wurde. Anders als beim damaligen Landesmeistercup (ab 1955/56) oder auch dem ebenfalls bereits ausgespielten Europapokal der Pokalsieger (ab 1960/61) musste man sich für diesen Wettbewerb nicht qualifizieren.
Die Teilnehmer waren Städtemannschaften oder Klubs als Vertreter von Handelsstädten, die zwischen 1955 und 1971 um die „Trophée Noel-Beard“ spielten. Der Messestädte-Pokal hatte keinen Bezug zur UEFA, gleichzeitige Teilnahmen am Europapokal der Landesmeister waren daher anfänglich sogar möglich.
Da die UEFA nach Einstellung des Messestädte-Pokals direkt den UEFA-Pokal ins Leben rief, wird dieser von den im Wettbewerb siegreichen Vereinen heute oftmals ebenfalls als „UEFA-Pokal“ bzw. als sein Vorgänger tituliert, um so die Wertigkeit ihres Triumphes zu erhöhen.
Beim Basel-Spiel waren außer Brenninger von der ein paar Jahre später so erfolgreichen Mannschaft schon dabei: Peter Kupferschmidt und Rainer Ohlhauser. Zudem der Aufstiegskapitän 1965 Adi Kunstwadl und Peter Grosser, der allerdings später seine größten Erfolge beim Lokalrivalen TSV 1860, dessen Kapitän er wurde, feierte.
Franz Beckenbauer spielte zu dem Zeitpunkt noch in der FCB-Jugend und der 18-jährige Sepp Maier war noch Ersatztorwart, bekam aber im Laufe der Saison seine ersten Pflichtspieleinsätze, u.a. auch beim Ausscheiden im Messepokal-Viertelfinale gegen Zagreb. Nur vier Spielzeiten später holten sie gemeinsam mit Gerd Müller, Franz Roth & Co. bei der ersten „richtigen“ Europapokalteilnahme gleich den Pokal der Pokalsieger.
PS: Einzige FCB-Teilnahme am Messe(städte)pokal? Stimmt nicht ganz. Bei der letzten Austragung des Wettbewerbs 1970/71, bevor er vom UEFA-Pokal abgelöst wurde, nahm der heutige Rekordmeister auch teil. Allerdings musste er sich dafür schon qualifizieren, was als Vizemeister der BL-Saison 1969/70 gelang. Es war ein fließender Übergang der Wettbewerbe: Er hieß 1970/71 zwar noch Messepokal, wurde aber bereits unter den Regularien des nachfolgenden UEFA-Cups ausgetragen.
Titelbild: Dieter „Mucki“ Brenninger, der in Basel in der 41. Minute den ersten Europapokal-Treffer der FCB-Geschichte erzielte.
