Ein „stolzer“ Uli Hoeneß ist mit dem Ehrenpreis der Deutschen Fußball Liga ausgezeichnet worden und kritisiert bei dieser Gelegenheit den Transferwahnsinn der Premier League.
FCB-Ehrenpräsident Uli Hoeneß bekam die Auszeichnung der DFL in Berlin am Vorabend deren Generalversammlung überreicht. „Du hast Millionen in den Bann gezogen und dem deutschen Fußball ein Gesicht gegeben“, lobte ihn zu diesem Anlass Rainer Bonhof, sein Teamkollege beim WM-Sieg 1974, in seiner Laudatio.
„Ich bin stolz, diesen Titel zu bekommen“, zeigte sich der 73-Jährige berührt. Die Auszeichnung sei für ihn „ein Zeichen dafür, dass ich auch versucht habe, dem deutschen Fußball in 50 Jahren etwas zu geben. Aber der Fußball hat auch mir alles gegeben“.
Hoeneß „fassungslos, was im internationalen Fußball los war“
Über die Entwicklungen auf dem internationalen, speziell dem englischen, Transfermarkt in diesem Sommer ist Hoeneß allerdings entsetzt: „Ich war fassungslos, was die letzten sechs, acht Wochen im internationalen Fußball los war.“ Die extrem hohen Summen, die im abgelaufenen Sommertransferfenster bewegt wurden, bezeichnete Hoeneß als „völlig gaga“ und meinte: „Irgendwann sagt der Bürger: Sind die völlig bekloppt?“
Während seine Bayern trotz riesigem Interesses und der Zusage des Spielers nicht bereit waren, mehr als 65 Millionen Euro für den deutschen Jungnationalspieler Nick Woltemade auszugeben, hat der Premier League Club Newcastle United – quasi ohne mit der Wimper zu zucken – die maßlosen VfB-Forderungen mit einer Ablösesumme von 85 bis 90 Millionen Euro sogar noch getoppt. Dabei wird der derzeitige Marktwert des 23-Jährigen mit gerade einmal 30 Millionen Euro taxiert.
Für den Fünften der vergangenen PL-Spielzeit, der seit 2021 einer Investmentgruppe unter Führung des saudi-arabischen Staatsfonds gehört, stellte diese enorme Investition kein großes Problem dar: Abgefedert durch die Petrodollars kassierte man zeitgleich zudem noch 144 Millionen vom FC Liverpool für den Schweden Alexander Isak, der einst beim BVB krachend gescheitert war.
„Ausgaben-Weltrekord“ der Premier League
Die englische Premier League hat insgesamt mit ihrem fast schon als hemmungslos zu bezeichnenden Kaufrausch im abgelaufenen Transferfenster laut transfermarkt.de mehr als 3,55 Milliarden Euro für Zugänge ausgegeben und damit den eigenen Rekord aus dem Sommer 2023 mit 2,94 Milliarden Euro torpediert. Die 20 englischen Erstliga-Klubs haben somit durchschnittlich 177,5 Millionen Euro in neue Spieler investiert.
Weit hinter der Premier League liegen die italienische Serie A (1,19 Milliarden), die Bundesliga (856 Millionen), LaLiga in Spanien (682 Millionen) und die französische Ligue 1 (636 Millionen). Zusammen liegen diese vier Topligen immer noch um 200 Millionen Euro hinter den PL-Ausgaben. Interessant: Auf Platz 9 im Ausgabenranking der europäischen Ligen liegt die Championship, Englands Zweite Liga, mit 309 Millionen Euro.
Hoeneß´ eindringlicher Appell an die Bundesliga
Hoeneß warnte in Berlin eindringlich vor einem englischen Szenario im deutschen Profifußball: „Das kann nicht gut gehen.“ Die Bundesliga sei gut beraten, ihren eigenen Weg zu gehen und müsse dabei eine Führungsrolle übernehmen. „Wir müssen Stärke zeigen und nicht das Geld der Araber, der amerikanischen Hedgefonds nehmen“, forderte der langjährige FCB-Manager und -Präsident, der derzeit als Aufsichtsrat den Rekordmeister weiterhin kontrolliert. Die DFL müsse sicherstellen, dass die Bundesligisten „dieses Geld nie annehmen müssen“.
Der FC Bayern das Hoffenheim der Königsklasse
Den FC Bayern erklärte Hoeneß für die kommende Spielzeit international mit einem erstaunlichen Vergleich zum krassen Außenseiter. „Ich freue mich auf diese kommende Saison, weil wir so wie Hoffenheim in die kommende Champions-League-Saison gehen. Keiner rechnet mit uns“, so der dreifache Europapokalsieger (1974-76).
Wenn man ausschließlich die ausgegebenen Transfersummen betrachtet, könnte der FCB-Patron sogar recht haben: Die knapp 90 Millionen Euro der Münchner für Jonathan Tah, Tom Bischof, Luis Díaz und Nicolas Jackson sind doch ziemlich bescheiden im Vergleich zu den 483 Millionen des FC Liverpool.
