Der Wechsel des 19-jährigen marokkanischen Nationalspielers Adam Aznou vom FC Bayern zum FC Everton hat viel Staub aufgewirbelt. Eine Geschichte mit vielen Enttäuschungen.
Nach einem für ihn hervorragenden Kalenderjahr 2024 – Debüt in der Nationalmannschaft, in der Bundesliga und Champions League – blickte Adam Aznou in einem Interview auf der vereinseigenen Homepage des FC Bayern kurz vor Weihnachten sehr hoffnungsvoll in das kommende Jahr. 18-jährig, hauptsächlich Spieler der Bayern Amateure in der viertklassigen Regionalliga Bayern, wollte er sich in der Rückrunde bei den Profis des Rekordmeisters durchsetzen.
Ende 2024: Adam Aznou mit sehr großen FCB-Zielen
Angesichts dessen, dass mit Alphonso Davies auf seiner Stammposition des Linksverteidigers ein international renommierter Konkurrent für den Rekordmeister aufläuft, war dies ein sehr ambitioniertes Ziel. Welches sechs Wochen später – mit der bitteren Erfahrung eines völlig verpatzten Kurzauftritts in der Bundesliga gegen Holstein Kiel – schon geplatzt war: Entgegen seiner eigenen ursprünglichen Planung ließ sich Aznou zum Tabellenletzten der spanischen Liga, Real Valladolid, verleihen.
2025: Viele Enttäuschungen für Aznou
Dort bekam er zwar in insgesamt 13 LaLiga-Partien Spielpraxis, insgesamt ging er aber in dem Chaos-Klub mit unter. Der Abstieg stand lange vor dem Saisonende fest. Ein Bewerbungsschreiben für FCB-Coach Vincent Kompany konnte er somit keineswegs abgeben. Dennoch wuchs seine mit Ungeduld gepaarte Enttäuschung sprunghaft an, als er zurück beim FC Bayern bei der Klub-WM in den USA lediglich einen Kurzauftritt gegen Auckland City (10:0) bekam.
Zahlreiche Bayernanhänger hatte er dabei auf seiner Seite, weil auch die Medien scharfe Kritik am Trainer übten, der zu wenig auf die mitgereisten Nachwuchskräfte setzen würde. Was wiederum eher unverständlich war, handelte es sich doch bei dem Turnier um kein unwichtiges Vorbereitungsturnier auf die neue Saison, sondern schlichtweg um die Premiere einer Vereins-Weltmeisterschaft in großem Format.
Aznou forciert FCB-Abgang wegen angeblicher Perspektivlosigkeit
Obwohl sich dem 19-jährigen, mittlerweile 3-fachen marokkanischen Nationalspieler, durch die langfristigen Ausfälle von Davies und Hiroki Ito auf seiner Position verbesserte Aussichten auf Bundesliga-Spielminuten bieten würden, forcierte er fortan einen Abgang vom FC Bayern. Unklar war lediglich, ob als Leihe oder fixer Wechsel. Es wurde ein fester: Zum FC Everton, dem Lokalrivalen des FC Liverpool, dem Tabellen-13. der vergangenen Premier League Saison.
Während sich Adam Aznou darüber höchst erfreut zeigt, ätzen zahlreiche FCB-Fans ob des Wechsels gegen Kompany, aber auch Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund, welcher sich verstärkt um die Integration von Campus-Spielern kümmern soll. Aber auch Eberl zeigt sich enttäuscht und macht keinen Hehl daraus, dass er sich die Entwicklung ganz anders vorgestellt hätte.
Dabei ist es finanziell durchaus ein passabler Deal für den FC Bayern. Für den 2022 ablösefrei aus Barcelona gekommenen Marokkaner erhält man eine Ablösesumme von neun Millionen Euro, welche durch Bonuszahlungen um weitere drei Millionen ansteigen könnte.
Eberls Spieler-Verabschiedung drückt große Enttäuschung aus
Die FCB-Abschiedsworte fielen bei Aznou dennoch vergleichsweise sachlich-nüchtern aus: „Wir bedauern, dass es mit Adam keinen weiteren gemeinsamen Weg geben konnte“, kommentierte Eberl den Wechsel: „Wir haben die Zielsetzung, künftig noch mehr auf unsere Talente zu setzen. In dieser Saison werden Nachwuchsspieler wie beispielsweise die, die bei der Klub-WM dabei gewesen sind, regelmäßig mit der ersten Mannschaft trainieren.“
Speziell die Formulierung des einleitenden Satzes deutet auf den Wahrheitsgehalt eines Gerüchts hin, nämlich dass Aznou zuletzt eine derart schlechte Stimmung verbreitet hat, dass man beim FC Bayern Angst hatte, dass sich diese auf die anderen Talente übertragen könnte. Ein derartiges Verhalten konnte nur zu einer Lösung führen: Einem baldmöglichen Vereinswechsel.
Eberl weiter: „Generell steht die Tür jedem offen, sich bei den Profis des FC Bayern dauerhaft zu etablieren, der jeden Tag alles für unsere gemeinsamen Ziele abruft.” Auch diese Aussage hat einen Background. Zuletzt drang nämlich immer mehr durch, dass man beim FC Bayern keineswegs mit den Trainingsleistungen und der Einstellung des 19-Jährigen zufrieden wäre. Aznou war offensichtlich nicht gewillt, jeden Tag „alles für die gemeinsamen Ziele“ abzurufen.
Aznou-Rückkehr zum FC Bayern sehr unwahrscheinlich
So ist es auch wenig überraschend, dass der Deal – wie sonst bei großen Talenten üblich – keine Rückkaufoption beinhalten soll. Laut Fabrizio Romano und BILD verfügt der Bayern lediglich über ein sogenanntes „Matching Right“. Im Klartext: Wenn zukünftig ein anderer Verein Aznou erwerben will, muss der FC Everton dies den FCB-Verantwortlichen mitteilen und ihnen die Möglichkeit einräumen, dieselbe Summe zu bieten.
Christoph Freund ergänzt in der Angelegenheit noch: „Adam Aznou hat es in seiner Zeit bei uns zum marokkanischen Nationalspieler gebracht. Da es für Adam nun das vorrangige Ziel war, sich für die WM im kommenden Jahr zu präsentieren und das für ihn absolute Priorität hatte, war es für alle Seiten die beste Entscheidung, diesem dringendem Wechselwunsch zu entsprechen“.
Kann sich der 19-Jährige in der „besten Liga der Welt“ durchsetzen?
Aznou selbst zu seiner Zukunft: „Das Projekt ist wirklich spannend. Die Premier League ist die beste Liga der Welt. Ich kann es kaum erwarten.“ Dabei stellt sich durchaus die Frage, ob der junge Mann die Aussagen seines neuen Cheftrainers David Moyes mitbekommen hat.
Dieser sieht im 19-Jährigen noch keine unmittelbare Verstärkung für seine Mannschaft, sondern eher ein Langzeitprojekt, das langsam an der Premier League herangeführt werden soll: „Er ist ein junger Spieler. Wir sehen in ihm jemanden mit einer guten Zukunft und großem Potenzial“. Ob das mit Aznous Nahziel Afrika-Cup (ab Dezember 2025) und Fernziel WM 2026 kompatibel ist? Weitere Enttäuschungen nicht ausgeschlossen.
