FCB-Coach Vincent Kompany hat offenbar mit Nick Woltemade ein ähnliches Gespräch wie mit Florian Wirtz geführt – diesmal erfolgreich. Die logischen Konsequenzen.
Kaum haben sich in Fußball-Deutschland die ganz großen Aufregungen nach dem gescheiterten Werben des FC Bayern um den deutschen Nationalspieler Florian Wirtz beruhigt, werden sie in der „Causa Nick Woltemade & der FCB“ wieder mit vergleichbarer Heftigkeit aufgenommen.
Lothar Matthäus scheidet in diesem Kontext endgültig als möglicher Greenkeeper an der Säbener Straße aus, schickt stattdessen ein Bewerbungsschreiben an tranfermarkt.de. DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig lässt seine Neutralität ruhen und dafür die Routine seiner Abneigung gegen den FC Bayern wieder aufleben. Übertroffen wird er dabei vom Ex-Trainer des Münchner Lokalrivalen TSV 1860, Ewald Lienen, der sich in der Angelegenheit gar angewidert zeigt.
Anders als bei Wirtz: Kompany überzeugt Woltemade
Angetan von seinem potenziellen neuen Arbeitgeber zeigt sich dagegen der Noch-VfB-Stürmer Woltemade, mit dem FCB-Trainer Kompany laut neuesten Informationen ein ähnliches taktisches Gespräch wie im Mai mit dem Neu-Liverpooler Wirtz geführt hat. Das Resultat war aus Sicht des Rekordmeisters aber ganz offensichtlich wesentlich erfreulicher als mit dem Ex-Transferziel Nummer 1. Dem Torschützenkönig der vor wenigen Tagen zu Ende gegangenen U21-EM scheint eine Flexibilität beim Spielsystem weniger Sorgen zu bereiten als der (ehemaligen?) Hälfte von „Wusiala“.
Der 1,98-Meter-große Schlacks ist in der Offensive als „Allzweckwaffe“ einsetzbar: Hängende Spitze, Mittelstürmer, offensives Mittelfeld. Mit seinen überragenden technischen Fähigkeiten, seiner für die Größe sensationellen Wendigkeit, aber auch seiner – wenn nötig – rustikalen Durchsetzungskraft besticht er in vielen Teildisziplinen. Selbst seine (erstaunliche) kleine Schwäche, das Kopfballspiel, hat er bei der U21-EM eindrucksvoll zu den Akten gelegt.
Mit der Verpflichtung von Woltemade würde der Druck auf Eberl geringer
Die beiden Vereine, der VfB Stuttgart und der FC Bayern, scheinen zwar bei den Vorstellungen hinsichtlich der Transfersumme noch weit auseinanderzuliegen, es gibt aber genügend „Argumente“ (Alexander Nübel, Paul Wanner), um sich auf vernünftige Weise zu einigen. Passiert dies, müssen sich Max Eberl & Co. möglicherweise auf dem Transfermarkt künftig wenige „Pleiten“ abholen, als dies derzeit der Fall zu sein scheint.
Denn kommt Woltemade, könnte man an der Säbener Straße wieder den „Systemplan“ mit Wirtz aufnehmen und auf den seit dessen Absage gesuchten linken offensiven Außenspieler verzichten. Wäre Wirtz tatsächlich wie geplant nach München gekommen, hätten zu seiner Finanzierung zahlreiche Außenbahnspieler zur Ablösesummengenerierung den Verein verlassen sollen. Jetzt ist nur der – ablösefreie – Leroy Sané in die Türkei gewechselt und die FCB-Verantwortlichen sollen einen Ersatz suchen.
Woltemade als Müller-Nachfolger, Chance für den Nachwuchs
Woltemade könnte in absehbarer Zeit die Vereinslegende Thomas Müller – auf seine spezielle Art – ersetzen. Auf dem Spielfeld und außerhalb als meinungsstarker Führungsspieler. Eine Qualifikation, die übrigens bislang bei Wirtz wesentlich weniger bekannt ist.
Und dann gibt es noch die zahlreichen Kritiker des FC Bayern, was die Integration von Campus-Spielern betrifft. Der Abgang von Sané könnte sich noch als bitterer Fehler herausstellen – oder eben als eine große Chance für zwei riesige Talente beim Rekordmeister: Lennart Karl (17) und Wisdom Mike (16).
Ein möglicher Offensivkader des FCB für die Spielzeit 2025/26 könnte somit so aussehen: Harry Kane, Jamal Musiala, Nick Woltemade, Michael Olise, Kingsley Coman, Serge Gnabry, Lennart Karl, Wisdom Mike. Die Qualität ist durchaus beachtlich. Und wenn der Transfer-Druck dadurch nicht mehr so gewaltig wie aktuell ist, dann könnten sich plötzlich noch andere Möglichkeiten auftun. Das Transferfenster ist noch zwei Monate offen.
