Jorginho, Élber, Lúcio, Zé Roberto & Co. hinterließen ihre Spuren beim FC Bayern. Dass aber auch dem großen Pelé ein ernsthaftes Angebot aus München vorlag, ist nahezu unbekannt.
Der FC Bayern und der brasilianische Fußball: Das Achtelfinale bei der Klub-WM in den USA gegen Flamengo ist erst das zweite wichtige Aufeinandertreffen des deutschen Rekordmeisters mit einem Klub aus dem Land des Sambas. 1976 konnten Beckenbauer, Müller & Co. in zwei Spielen gegen Cruzeiro Belo Horizonte (2:0; 0:0) zum ersten Mal den Weltpokal an die Säbener Straße holen. Bei den Mini-Klub-WM-Turnieren 2013 und 2020 (2021) scheiterten die brasilianischen Vertreter Atlético Mineiro und Palmeiras dagegen überraschend bereits im Halbfinale.
FCB-Transfer-Flops und Legenden aus Brasilien
1991 kamen mit Bernardo (für ganze drei Monate) und Mazinho (bis 1994) die ersten brasilianischen Kicker zum FCB. Ersterer gilt als einer der schwächsten Spieler, die jemals das Bayerntrikot in der Bundesliga übergestreift haben. Zwischendurch machte sogar die Runde, dass ein weniger talentierter Bruder des eigentlichen Fußballers nach München geschickt worden war. Auch Mazinho konnte sich nicht durchsetzen.
Jorginho, der 1994 als Bayernspieler Weltmeister in den USA wurde, hatte da schon eine andere Qualität, verließ den FCB aber bereits nach zweieinhalb Jahren. Torjäger Giovane Élber (1997-2003), Zé Roberto (2002-2007) und auch Lúcio (2004-2009) genießen beim FC Bayern und seinen Fans mehr oder weniger Legendenstatus, ebenso die CL-Sieger von 2013 Dante und Rafinha.
Pelé bestätigt in Interview das FCB-Interesse 1966
Aber wer weiß heute (noch), dass ein früherer Bayern-Präsident 1966 einen Deal in einer ganz anderen Größenordnung einfädeln wollte: Roland Endler, Multimillionär und FCB-Präsident von 1958 bis 1962, wollte einen der größten Fußballspieler aller Zeiten, Edson Arantes do Nascimento, kurz Pelé, zum FC Bayern locken.
Dies bestätigte die 2022 verstorbene brasilianische Fußballlegende in einem Interview im September 2012: „Ich hatte Angebote von Mailand, Madrid, aber das konkreteste Angebot war von Bayern: Der damalige Präsident Roland Endler hat mich direkt angesprochen: Wenn du nach München kommen willst, dann machen wir das. Roland war ein richtiger Fan von mir. Als er gehört hat, dass ich heirate, hat er mich zur Hochzeitsreise nach Deutschland eingeladen und dabei immer wieder gesagt: Du musst auch zum FC Bayern kommen zum Spielen. Aber ich fühlte mich wohl in Brasilien. Ich wollte dort nicht weg.
Später bin ich zu Cosmos New York gewechselt, weil der Präsident versprach, eine gute Mannschaft aufzubauen mit Franz Beckenbauer usw. Deshalb bin ich noch einmal gewechselt: Um den Fußball auch in den USA ein wenig voranzubringen.“
FCB-Präsident war ein guter Freund von Pelé und Santos-Ehrenvorsitzender
Pelé blieb seinem FC Santos 18 Jahre lang treu (1956-1974), schoss 567 Tore in 583 Pflichtspielen, ehe er 1975 als 34-Jähriger nach New York ging. Mit Endler war er tatsächlich fest befreundet. Der deutsche Industrielle war wie er selbst Ehrenbürger von Santos und Ehrenvorsitzender des FC Santos.
Im Interview von 2012 wusste Pelé allerdings nicht mehr bzw. er hatte es vergessen, dass 1966 nicht Endler, sondern bereits Wilhelm Neudecker seit vier Jahren der Präsident des FCB gewesen war.
Pelé mit Beckenbauer und Müller beim FC Bayern: Eine unglaubliche Vorstellung
Insgesamt eine ebenso legendäre wie fast unbekannte Geschichte. Man stelle sich vor: Pelé hätte von 1966 bis 1974 zusammen mit Franz Beckenbauer und Gerd Müller die Bundesliga und ganz Fußball-Europa aufgemischt. Ältere FCB-Fans werden bei solchen Gedankengängen sicherlich ein Lächeln im Gesicht stehen haben.

Tolle Geschichte. Danke.
Einmalige FCB-(Geschichts-)Seite!