Von vielen Fußball-Fans als unnötige „Kommerzveranstaltung“ abgelehnt könnte die FIFA-Klub-WM in den USA die Saison des FC Bayern retten.
Nach dem bitteren Ausscheiden im Champions-League-Viertelfinale gegen den italienischen Meister Inter Mailand prasselt auf den FC Bayern derzeit von allen Seiten heftige Kritik ein. Obwohl vor jeder Saison von Vereinsseite die Deutsche Meisterschaft als das wichtigste und ehrlichste Ziel ausgegeben wird, gibt es zahlreiche Kritiker, die diesen Titel nur als Minimalziel des Rekordmeisters betrachten. Nicht ausreichend, um von einer befriedigenden, gar guten Saison sprechen zu können.
An dieser Sichtweise hat ganz offensichtlich die Unterbrechung des Münchner Titel-Abos in der vergangenen Spielzeit durch Bayer Leverkusen nichts verändert. Bei einigen besonders scharfen Kritikern offensichtlich nicht einmal die eigene Einschätzung vor der laufenden Saison, dass der FC Bayern nur als Außenseiter ins Rennen gehen würde.
Durch das Viertelfinal-Aus in der Königsklasse soll sich der FCB nach Meinung vieler Experten aus dem Kreis der europäischen Topvereine verabschiedet haben, was immer der eigene Anspruch wäre. Dabei war der Rekordmeister – nicht nur in den Augen von Sportvorstand Max Eberl – im Duell mit dem Halbfinalisten Inter Mailand sicherlich „nicht die schlechtere Mannschaft.“ Wobei die Frage, ob man als Viertelfinalist, sprich Top8-Team, nicht automatisch auch europäische Spitze ist, durchaus auch eine Berechtigung haben sollte.
In der UEFA-5-Jahresliste für die Vereine liegt der FC Bayern übrigens – trotz des Wegfalls der Punkte aus der Rekordsaison 2019/20 – auf einem beachtlichen dritten Platz – hinter Real Madrid und Manchester City, ganz klar vor dem Vierten, dem FC Liverpool. Was haben diese drei europäischen Topvereine mit dem Rekordmeister gemeinsam? Sie stehen auch nicht im CL-Halbfinale. City scheiterte bereits in der Zwischenrunde, Liverpool im Achtelfinale, Madrid ging – anders als der FCB – im Viertelfinale unter: Gesamtscore gegen den FC Arsenal: 1:5!
Also ein neues Fußballzeitalter: Real Madrid, Guardiolas ManCity, der designierte englische Meister Liverpool und der FC Bayern sind nicht mehr europäische Spitze. In dieser Kombination kann man das wohl selbst aus Münchner Sicht mit einem Augenzwinkern akzeptieren.
Das „Finale dahoam“ findet trotzdem ohne den Lokalmatador statt, das tut schon weh. Aber vielleicht finden jetzt trotzdem immer mehr Bayernanhänger Gefallen an der verpönten Klub-WM? FCB-Spieler und Funktionäre scheinen sich auf alle Fälle sehr auf dieses neue Fußball-Großereignis zu freuen.
Die Klubweltmeisterschaft ist zum ersten Mal in der Fußballgeschichte in diesem Sommer ein wirklich großer Titel. Kommt man dort richtig weit, gewinnt man nicht nur internationales Renommee (zurück), sondern sackt auch eine gewaltige Prämie ein. Der Gewinner soll einen dreistelligen Millionenbetrag innerhalb eines Monats gewinnen können. Eine Wohltat für das angeblich mittlerweile so leere FCB-Festgeldkonto?
Obwohl das Turnier auf dem amerikanischen Kontinent stattfindet, gelten die zwölf Europäer unter den 32 teilnehmenden Vereinen, zumindest ein Großteil von ihnen, für das Turnier als die Favoriten: Neben Bayern haben sich in den UEFA-Wettbewerben folgende Teams qualifiziert: Mit Inter und PSG zwei CL-Halbfinalisten, Atlético Madrid, Porto, Chelsea, Benfica, Borussia Dortmund, ManCity, Real Madrid, Salzburg und Juventus Turin.
Nicht qualifiziert sind übrigens die CL-Halbfinalisten FC Arsenal und FC Barcelona, auch nicht der FC Liverpool. Nicht für die Klub-WM qualifiziert: Kann man da überhaupt europäische Spitze sein?
Der FC Bayern trifft in der Gruppenphase auf Auckland City (15.6. MEZ), die Boca Juniors (21.6.) und den „europäischen Lieblingsgegner“ Benfica Lissabon. Positiv für Vincent Kompany und seine Mannen: Außer Alphonso Davies und Hiroki Ito sollten alle anderen Spieler, darunter nicht zuletzt Jamal Musiala und Dayot Upamecano, wieder fit sein. Und vielleicht kommen die deutschen Nationalspieler des Rekordmeisters zwar nicht als CL-Sieger zum Turnier, aber als UEFA-Nations-League-Sieger.
Nur einmal optimistisch aus FCB-Sicht gedacht: Wäre eine Saison, die man als Deutscher Meister und Klub-Weltmeister abschließt, tatsächlich so eine schlechte? Alles Spekulation, aber immer noch vernünftiger, als Mitte April alles in Grund und Boden zu schreiben.
Titelbild: Dezember 2013 – der FC Bayern wird in Marokko Klub-Weltmeister (im alten Format mit sieben Vereinen). Philipp Lahm, Claudio Pizarro und Franck Ribéry feiern den Titel. Das Foto stammt vom Umlauf in der Allianz Arena.
