Während man bei Bayer Leverkusen auf das „Wunder“ hofft, den 0:3-Rückstand aus dem CL-Achtelfinal-Hinspiel in München aufzuholen, geht FCB-Coach Vincent Kompany voller Selbstbewusstsein in die Partie in der BayArena.
In Leverkusen klammert man sich nach der herben Klatsche in der Allianz Arena an jeden Strohhalm: Die Verletzung von Florian Wirtz, tatsächlich ein herber sportlicher Verlust für die Werkself, soll zusätzliche Energien in der Mannschaft frei machen. Man kramt tief in der Bayer-Historie und holt den UEFA-Cup-Sieg aus dem Jahr 1988 heraus, ebenso Xabi Alonsos 2005er Triumph mit dem FC Liverpool im CL-Finale gegen Milan. In beiden Fällen konnte man einen zwischenzeitlichen 0:3-Rückstand egalisieren und dann im Elfmeterschießen gewinnen.
Der mentale Vorteil eines FCB-Trainers
Aber ganz ehrlich: Der FC Bayern hat nichts mit Espanyol Barcelona im Jahr 1988 zu tun und Bayer ist nicht der FC Liverpool. Das verdeutlichte Bayern-Cheftrainer Vincent Kompany mit seiner ersten Aussage auf der Spieltags-PK auch gleich deutlich. Die Frage, wie er sein Team das Rückspiel angehen lassen wird, beantwortete der Belgier mit: „Wenn man Trainer von Bayern ist, ist es mental etwas einfacher. Hier will man immer gewinnen. Wir wollen das Ergebnis holen, das uns weiterbringt. Wenn wir ein Spiel anfangen, gehen wir mit der Hauptpriorität rein, dass wir das Spiel gewinnen wollen.“
Indirekt konterte der 38-Jährige damit auch das Psychospielchen von Leverkusen-Coach Alonso, dass beim Rückspiel nur der FC Bayern verlieren könne, weil er in den Augen der meisten Fußballfans durch das 3:0 im Hinspiel bereits mit „anderthalb Beinen im Viertelfinale“ stünde. Damit beschäftigt sich Kompany gar nicht, weil er eben diesen „mentalen Vorteil“ für sich beansprucht. Er möchte auch in Leverkusen gewinnen.
Das Rückspiel in Leverkusen wird „nicht monoton“
Der ehemalige Weltklasse-Innenverteidiger hat auch keine Bedenken, dass sich seine Mannschaft ähnlich tief in die Defensive drängen lassen wird wie vor knapp einem Monat beim Bundesligaspiel in Leverkusen:
„Wenn eine Mannschaft es sich verdient, dass wir tief stehen und verteidigen müssen, dann machen wir das. Das mussten wir in diesem Spiel machen. Es ist immer unser Ziel, mit der besten Leistung das weiterzuführen, das uns hierhergebracht hat. Das wird auch morgen so sein. Wir werden sehen, wie es morgen laufen wird. Wir können erwarten, dass es morgen nicht monoton wird, sondern dass viel passieren wird.“
So ganz nebenbei ist durch jenes 0:0 im Februar auch die Dauerfrage bzw. -kritik verschwunden, der FCB hätte unter Kompany keine andere taktische Variante als permanent hoch zu verteidigen und zu pressen.
„Wieder unsere beste Leistung bringen“
Auf der anderen Seite lässt sich der Belgier aber auch nicht durch den Ausfall von Leverkusens „Unterschiedsspieler“ Florian Wirtz, dessen verletzungsbedingten Ausfall er aufrichtig bedauert, in Sicherheit wiegen. „… Es gibt so viele andere Spieler, die viel Qualität haben. Wir müssen wieder unsere beste Leistung bringen, damit wir das Spiel gewinnen. Ich hoffe, dass Florian sich schnell erholt.“
Volles Vertrauen in die eigenen Spieler
Von der Qualität und dem Charakter seiner Spieler ist der ehemalige ManCity-Spieler vollkommen überzeugt: So unter anderem von Michael Olise, der „diese Mischung“ hat. „Auf den Außenbahnen ist er sehr gefährlich, so hat er die Vorlage im Hinspiel gemacht. Er hat aber auch die Qualität, in der Mitte zu spielen. Dieses Paket wird in der Zukunft wichtig sein. Er macht sich nicht so viele Gedanken und leistet im Moment konstant.“
Ebenso lobt er die „Resilienz“, die Widerstandsfähigkeit, den Charakter von Leon Goretzka, der mittlerweile wieder eine sehr wichtige Rolle im Team des FCB spielt: „Die Geschichte von Leon ist positiv für den Kader, auch für die anderen Jungs.“
Auch der Ausfall von Kapitän Manuel Neuer, den Lothar Matthäus als eine gravierende Schwächung des Rekordmeisters sieht, kann Kompany nicht aus der Ruhe bringen. Lieber lobt er den 21-jährigen Ersatzmann Jonas Urbig in höchsten Tönen und stellt den Teamgeist seiner Spieler heraus: „Er (Urbig) ist sehr ruhig, war sehr gut im Training. In den großen Spielen sind die erfahrenen Spieler wichtig und müssen die Verantwortung nehmen. Alle in der Mannschaft haben geleistet. Wir sind immer durchgekommen, auch bei Ausfällen von Manuel Neuer, Harry Kane oder Jamal Musiala. Morgen erwarten wir nicht weniger.“
Zweiter Sieg in Folge gegen den „Angstgegner“?
Man traut „Vinni“ durchaus zu, dass er seinen Spielern mit seiner ruhigen Art so viel Selbstvertrauen für das Rückspiel in der BayArena einimpft, dass diese tatsächlich auch die zweite Partie im CL-Achtelfinale gewinnen können. Und das nach zuvor sechs sieglosen Spielen gegen den „Angstgegner“ Xabi Alonso.
