FCB-Ehrenpräsident Uli Hoeneß macht kein Geheimnis aus seiner großen Abneigung gegenüber der AfD. Deren Parteichef revanchiert sich nach der Bundestagswahl.
Nach einer Pressekonferenz zusammen mit der Kanzlerkandidatin Alice Weidel behauptete AfD-Chef Tino Chrupalla, er habe von zwei Nationalspielern und ehemaligen Spielern des FC Bayern Glückwünsche nach der Bundestagswahl bekommen. Dabei ließ er die Gelegenheit nicht aus, eine Vereinslegende des Rekordmeisters zu provozieren: „Von daher auch viele Grüße an Uli Hoeneß.“
Leider wollte Chrupalla aber auf Nachfrage keine Namen nennen. Er gab lediglich die Auskunft, dass es sich dabei um ehemalige FCB-Spieler handelte, die auch für die deutsche Nationalmannschaft aufgelaufen wären.
Der Satz in Richtung der FCB-Legende ist eine Retourkutsche für dessen zahlreiche AfD-kritische Äußerungen. Im Januar 2024 hatte Hoeneß auf der Trauerfeier zu Ehren seines langjährigen Weggefährten und Freundes Franz Beckenbauer in der Allianz Arena geäußert, dass er sich die vom Kaiser ermöglichte WM-Stimmung von 2006 in Deutschland zurückwünschen würde, aber „die AfD will ich nicht dabei haben“. Von den 20.000 Trauergästen hatte er dafür langanhaltenden Applaus bekommen.
Noch am Wahltag untermauerte Hoeneß diese ablehnende Haltung gegenüber der AfD. In einem kicker-Interview kündigte er für den Fall, dass ein Spieler des Fußball-Rekordmeisters Werbung für die rechtsextreme Partei machen würde, an, dass er dann „mit ihm reden und ihn fragen würde, ob er noch alle Tassen im Schrank hat.“ Er maße sich aber nicht an, dem FC Bayern seine Meinung „aufzudrücken“, fügte der 73-Jährige hinzu.
Bereits seit längerem positioniert sich Hoeneß auf diese Weise und engagiert sich zudem in Projekten, die Rassismus bekämpfen. „Ich glaube, es ist klug, sehr erfolgreiche Initiativen wie Rot gegen Rassismus zu machen. Wir begehen dabei aber nicht den Fehler, die Spieler zu überfordern. Wenn, dann muss jemand aus eigener Überzeugung handeln.“
Auch der aktuelle FCB-Präsident Herbert Hainer grenzte sich in der vergangenen Woche scharf von der AfD ab, als er versicherte, dass er einen AfD-Politiker in einem Gremium des deutschen Fußball-Rekordmeisters für ausgeschlossen halte: „Nein, das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen bei einer Partei, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall eingestuft wird, unsere Gesellschaft spaltet und versucht, unsere Demokratie auszuhöhlen“, so Hainer in einem Interview der Sport Bild.
Generell macht sich auch Hainer wegen des Erstarkens der AfD und des Rechtsrucks in der deutschen Gesellschaft „sehr große Sorgen“. Fußball und Sport seien das Kerngeschäft, „aber es gibt gewisse Punkte in einer Gesellschaft, da sollten ein Verein und seine Persönlichkeiten aufstehen und ihre Stimme erheben.“
Dem Rekordmeister ist die Erinnerungskultur sehr wichtig. Im Dritten Reich musste der legendäre Vereinspräsident Kurt Landauer vor den Nazis fliehen und neun Jahre im Exil in der Schweiz leben, bevor er ein bewundernswertes Comeback beim FC Bayern feierte. Die unsäglichen historischen Verdrehungen jener Zeit der AfD-Kanzlerkandidatin Weidel lassen in diesem Zusammenhang alle geschichts- und gesellschaftsbewussten Bayern nur erschaudern.
Dass Herr Chrupalla nun dem Verein süffisant Sympathisanten aus den eigenen Reihen unter die Nase hält, ohne deren Namen nennen zu wollen oder zu dürfen, vielleicht aber sogar auch zu können, ist dem Niveau der Aktion angemessen.

Kein wirklicher FCB-Fan würde jemals diese unsägliche Partei wählen. Intelligenz, Anstand, Geschichtsverständnis müssen dagegen stehen.
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