Vor vier Wochen zog sich Alphonso Davies beim CL-Auswärtsspiel in Rotterdam einen Muskelfaserriss zu. Seine Stellvertreter konnten nicht überzeugen, die linke Abwehrseite ist aktuell eine Schwachstelle beim FC Bayern. Nun naht sein Comeback.
Die Szene war bei der CL-Partie des FC Bayern bei Feyenoord Rotterdam der Vorbote des 0:3-Debakels: Der Rekordmeister lag zwar kurz vor der Halbzeit mit 0:1 zurück, drängte aber vehement auf den Ausgleich. Dann saß Alphonso Davies plötzlich auf dem klatschnassen Rasen in Rotterdam und musste tief in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit ausgewechselt werden. Sein Bewegungsablauf beim Verlassen des Platzes ließ keine allzu positive Diagnose erwarten, welche dann tags darauf von Vereinsseite bestätigt wurde: Muskelfaserriss im hinteren Oberschenkel.
Und es sollte für den FCB sogar noch bitterer im De Kuip kommen: Der für Davies eingewechselte portugiesische Nationalspieler Raphaël Guerreiro verursachte noch vor dem Halbzeitpfiff auf nahezu tölpelhafte Art und Weise einen Foulelfmeter, den Feyenoord zur 2:0-Halbzeitführung nutzte. Die Ausgangssituation für die zweite Hälfte verkomplizierte sich noch einmal um ein Vielfaches und am Ende jenes Fußballabends musste der FCB seine vor der Partie noch berechtigten Hoffnungen auf eine direkte Qualifikation für das CL-Achtelfinale begraben.
Der 24-jährige Kanadier verlängerte zwar in der Zwischenzeit – viel beachtet und umjubelt, aber auch ob der finanziellen Dimensionen kritisiert – seinen Kontrakt an der Säbener Straße bis 2030. Seine linke Abwehrseite ist aber seit Rotterdam eine große Baustelle beim Rekordmeister. Speziell Guerreiro, auf den Vincent Kompany zunächst vermehrt setzte, entpuppte sich ein ums andere Mal als Schwachpunkt im bayerischen Abwehrverbund. Der 31-Jährige hat natürlich weder offensiv noch defensiv die Geschwindigkeit des Musiala-Kumpels, selbst technisch offenbarte der eigentlich diesbezüglich sehr versierte Kicker aber große Schwächen.
Auch die anderen Davies-Stellvertreter konnten nicht überzeugen. Der 18-jährige mittlerweile nach Valladolid verliehene Adam Aznou erlebte in der Endphase gegen Holstein Kiel auf dieser Position bittere Minuten. Konrad Laimer und Josip Stanišić mussten dafür von ihrer angestammten rechten Seite nach links wechseln. Zudem kommt das Eigengewächs Stanišić ebenso wie Hiroki Ito aus einer sehr langwierigen Verletzungspause.
Der japanische Nationalspieler wurde im Celtic-Park in der Schlussphase für Guerreiro eingewechselt und durfte drei Tage später auf der defensiven linken Außenposition in Leverkusen starten. Angesichts der Schwere der Aufgabe gelang sein Startelf-Comeback so gerade noch befriedigend. Vor der Schlussphase wurde er für Stanišić ausgewechselt, der allerdings auf die rechte Seite ging, während Laimer die Seiten wechselte.
Von Leverkusener Seite wurde nach dem Spiel bekannt, dass Coach Xabi Alonso die Devise ausgegeben hatte, vor allem die linke Münchner Abwehrseite zu bearbeiten. Durchaus sehr aussagekräftig. Diese Flanke war schon vor einem Jahr noch unter Thomas Tuchel bei der 0:3-Pleite in Leverkusen die Münchner Schwachstelle gewesen. Auch damals hatte Davies verletzungsbedingt und seine Schnelligkeit dem Bayernspiel auf fatale Weise gefehlt.
Nun trainiert der Kapitän der kanadischen Nationalmannschaft wieder mit dem Team, auch beim Abschlusstraining vor dem Rückspiel gegen Celtic ohne Einschränkungen. Ob ein Comeback nach vierwöchiger Pause aus unterschiedlichen Gründen ein Risiko darstellen würde, können nur Kompany und sein Trainerstab beurteilen.
Vor dem Endspurt der Fußballsaison wird die Rückkehr des pfeilschnellen Spieler jedoch sehnsüchtig erwartet. Und es sollte derzeit mehr denn je klar sein, warum sich die Verantwortlichen an der Säbener Straße seine Verlängerung vor zwei Wochen bis 2030 offenbar sehr viel haben kosten lassen.
