Mit einer meist bewundernswerten Gelassenheit beantwortet FCB-Coach Vincent Kompany selbst äußerst provokative Fragen der Journalisten. Nach dem 3:0-Sieg gegen Werder Bremen brachte ihn aber doch ein Medienvertreter aus der Fassung.
Direkt nach der Partie gegen Werder Bremen erklärte Vincent Kompany bei DAZN, dass er und die Mannschaft „immer ruhig“ geblieben seien, um die öffentlich diskutierten Defensivprobleme in den Griff zu bekommen. „Die Wahrheit ist: Wir haben immer so hohe Ziele, dass wir natürlich, wenn es ein oder zweimal nicht perfekt ist, sofort Fragen darüber bekommen. Aber letztendlich haben wir die beste Abwehr in Deutschland. Jede Mannschaft in Deutschland kassiert mehr Tore als wir. Das ist die Wahrheit. Es ist okay, wir wollen immer versuchen, noch besser zu werden. Wir haben aber auch schonmal sieben Spiele ohne Gegentor in Folge gehabt“, so der Belgier unmissverständlich.
Entscheidend für den Umgang mit Kritik ist für den 38-Jährigen, „auch in diesen Momenten die Ruhe zu behalten. Wenn du auf einmal diese Panik reinbringst, dann bekommst du ganz oft nicht die Lösung.“ Als ehemaliger Innenverteidiger weiß er bestens, dass viele Gegentore nicht allein auf eine schwache Verteidigung zurückzuführen sind: „Wir müssen auch immer kollektiv nach der Lösung schauen. Für mich ist es wichtig, zu schauen, was die gesamte Mannschaft besser machen kann“. Die aufmerksame Leistung seines Team gegen Werder lobte er ausdrücklich: „Die Konzentration 95 Minuten heute, das war schon sehr gut“.
Auf der PK nach dem Spiel zusammen mit seinem Bremer Kollegen Ole Werner brachte die beharrliche Nachfrage eines BILD-Reporters den sonst so ruhigen Belgier dann aber doch zum ersten Mal in seiner Zeit als Bayerntrainer in der Öffentlichkeit aus der Fassung. Dieser sprach zunächst von einem ungefährdeten, aber wenig spektakulärem Sieg des Rekordmeisters. Dann blickte der Medienvertreter auf das anstehende Champions League KO-Spiel bei Celtic Glasgow: Ob es dort einer Leistungssteigerung bedürfe, ob die gegen Bremen gezeigte Leistung reichen kann.
Daraufhin Kompany, der sonst immer ganz in Ruhe zu den gestellten PK-Fragen ausholt, wie aus der Pistole geschossen: „Ich bin nicht einverstanden!“ Nach einer kurzen Pause legt er argumentativ nach: „Es stimmt auf jeden Fall, dass die erste Halbzeit etwas weniger Schwung hatte. Aber wir spielen gegen einen Gegner, der nicht immer alles macht, was wir wollen. Das gehört dazu.“
Der FCB-Cheftrainer ergänzt: „Aber für die zweite Halbzeit kann ich der Mannschaft für die Leistung nur ein großes Kompliment geben. Mit allem Respekt, aber in der zweiten Halbzeit hatten wir einen xG-Wert von 4.0, wir hatten viele Chancen. Wenn Sie auf die Highlights schauen, dann können Sie sehen, dass die zweite Halbzeit aus unserer Sicht gut war. Es ist aber völlig normal, dass man darauf aus ist, jedes Spiel immer besser zu machen.“
Mit Blickrichtung BILD-Reporter: „Nicht einverstanden?“ Dieser signalisierte Kompany diese Einschätzung offensichtlich non-verbal. Der FCB-Coach schloss die Beantwortung dieser Frage mit einem leicht verständnislosen „Okay“. Sein anschließendes Lächeln verriet dann doch deutliche Züge von Genervtsein.
Vincent Kompanys Bayern spielen aktuell eine der besten Serien in der Bundesliga-Geschichte. Nur unter Pep Guardiola (2013/14; 2015/16) hatte der FC Bayern selbst und Bayer Leverkusen in der letzten historischen Saison nach 21 Spieltagen mehr als die 54 Punkte des derzeitigen Tabellenführers auf dem Konto. Trotzdem sehen sich die Bayern fast permanent abgewandelter Kritik ausgesetzt. Entweder ist es die angeblich nicht sattelfeste Abwehr oder wenn diese souverän zu Null spielt, kommt Kritik an der „weniger spektakulären Spielweise“ auf. Das war selbst nach den sieben zu-Null-Siegen in Folge nach der zuvor erlittenen Barcelona-Pleite der Fall. Sämtliche Antworten darauf hat Kompany eigentlich im Interview bei DAZN gegeben.
