Obwohl viele Fachleute in Julian Nagelsmann vor seinem DFB-Engagement aufgrund seines geringen Alters eher einen Vereins- als Bundestrainer sahen, ist er in dieser Funktion nun ein großer Hoffnungsträger. Andere trauern ihm nach.
Jüngst hat FCB-Ehrenpräsident Uli Hoeneß die überraschende Entlassung vom heutigen Bundestrainer Nagelsmann im März 2023 durch die damals verantwortlichen Vorstände Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić noch einmal scharf kritisiert. Vor allem deren Alleingang, ohne sich dabei mit anderen Vereinsbossen abzustimmen, erzürnt den 73-Jährigen noch heute.
Der heute 37-jährige deutsche Nationalcoach war im Sommer 2021 trotz laufenden Vertrags bei RB Leipzig als Nachfolger des Sextupel-Trainers Hansi Flick zum FC Bayern gekommen. In der Nachbetrachtung bezeichnet der damalige RBL-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff dies nun wiederum als „eine der größten Fehlentscheidungen“ seiner Manager-Karriere.
Als aktueller Tabellen-Vierter mit 18 Punkten Rückstand auf den deutschen Rekordmeister muss sich RB Leipzig auch im neunten Jahr seiner Bundesligazugehörigkeit das Thema Deutsche Meisterschaft früh in der Saison abschminken. Laut Mintzlaff wäre die Situation höchstwahrscheinlich eine andere, hätte er Nagelsmann 2021 nicht vom Vizemeister in Sachsen zum Meister an die Säbener Straße ziehen lassen.
„Julian Nagelsmann war für mich der beste Trainer, den ich persönlich erlebt habe. Ein überragender Trainer“, erklärt der damalige Geschäftsführer von RBL, der heute in derselben Funktion bei der Red Bull GmbH tätig ist, nun auf der SPOBIS Conference in Hamburg.
„Wir haben fantastische Trainer von Ralph Hasenhüttl, Ralf Rangnick bis Marco Rose, mit dem wir Titel gewonnen haben und in die Champions League gekommen sind“, so Mintzlaff rückblickend. „Aber Julian Nagelsmann hatte für mich schon so was Spezielles. Ich glaube, dass wir mit Julian Nagelsmann auch gerne einen längeren Weg gegangen wären.“
Statt mit dem heute 37-Jährigen, der in Leipzig einen bis 2023 gültigen Vertrag hatte, „nochmal drei, vier Runden“ zu drehen, ließen Mintzlaff und Co. Nagelsmann gegen die Zahlung einer stattlichen Entschädigung vorzeitig ziehen: „Das Paket über 20 Millionen Euro war da und die Situation war so, dass Julian das wollte. Und dann gehört es sich für mich auch, dass du dann auch an den Tisch kommst.“
Für Nagelsmann selbst kam dann knapp zwei Jahre später der große Schock, als er vor dem Saisonendspurt 2022/23 in einer Länderspielpause ziemlich unerwartet von den Herren Kahn und Salihamidžić suspendiert wurde. Seine Mannschaft befand sich zu dem Zeitpunkt in noch allen drei Wettbewerben aussichtsreich im Rennen.
Auch wenn die neue FCB-Führungsspitze diesen Fehler im Frühjahr 2024 mit einer Rückholaktion an die Säbener Straße korrigieren wollte, verlängerte Nagelsmann seinen DFB-Kontrakt nach einer gewissen Bedenkzeit schließlich bis 2026 und nun sogar bis 2028. Er gilt als großer deutscher Hoffnungsträger für einen weiteren großen Titel. Nach der Zwischenstation Nations League 2025 soll im nächsten Jahr unter ihm der fünfte deutsche WM-Titel errungen werden.
Auch der deutsche Rekordmeister ist derzeit glücklich mit seinem nur um ein Jahr älteren Chefcoach Vincent Kompany. Trotzdem ist es sicherlich nicht ausgeschlossen, dass Nagelsmann irgendwann in seiner Trainerkarriere noch einmal zu seinem eigentlichen Herzensverein in München zurückkehren wird, dem er schon als Kind als Fan gefolgt war.
