Wolfsburgs Trainer Ralph Hasenhüttl meint, Möglichkeiten zu kennen, wie man dem FC Bayern auch in der heimischen Arena weh tun kann. Sämtliche bisherigen Ausflüge der Niedersachsen nach München waren jedoch ausnahmslos erfolglos.
Schafft es Ralph Hasenhüttl, der frühere Spieler der Bayern Amateure (2002-2004), als erster Chefcoach des VfL Wolfsburg mit einem Sieg bei den Profis des FC Bayern die Heimreise antreten zu können? Vor dem Bundesliga-Rückrundenstart beider Teams gibt er sich dezent optimistisch: „Es gibt Möglichkeiten, ihnen ein bisschen wehzutun.“
Die Hoffnungen des 57-jährigen Österreichers beziehen sich dabei vor allem auf die Offensiv-Power seiner Mannschaft. Der deutsche Rekordmeister stellt mit 53 Treffern zwar klar die gefährlichste Angriffsreihe der Bundesliga, die Wölfe liegen in diesem Ranking jedoch immerhin auf Rang 4 – 38(:29) Tore, knapp hinter Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt. Auch der jüngste 5:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach, welches drei Tage zuvor dem FCB lange getrotzt hatte (0:1), sollte Selbstvertrauen geben.
Gibt Hasenhüttl dagegen viel auf historische Statistiken, würde er die Partie in der Allianz Arena wohl sicherlich gerne absagen: Von allen aktuellen Bundesligisten hat der VfL die mit Abstand schlechteste Bilanz gegen den Tabellenführer. Seit dem Aufstieg im Jahr 1997 hat man 62 Pflichtspiele gegen den FC Bayern bestritten, kümmerliche fünf davon wurden gewonnen, dazu zählt auch der Sieg im Elfmeterschießen im Supercup 2015. Dagegen stehen satte 50 Niederlagen bei sieben Unentschieden.
Konnte man von 28 Bundesliga-Heimspielen immerhin vier gegen den FCB gewinnen, darunter das legendäre 5:1 in der Meistersaison 2008/09, ist es auswärts eine einzige Horrorbilanz: Null Siege – zwei Unentschieden – 25 Niederlagen – 16:77 Tore, auch die vier Pokalspiele in München wurden mit einem Torverhältnis von 2:11 verloren.
Nur der SC Freiburg hat von den aktuellen Bundesligisten eine ähnlich schwache Bilanz gegen Bayern, vor allem in München: Null Siege – drei Unentschieden – 22 Niederlagen. Die Breisgauer konnten aber immerhin vor zwei Jahren im Pokal in der Allianz Arena auf ihrem Weg ins Pokalfinale bestehen.
Die Wolfsburger Katastrophenbilanz ist umso bemerkenswerter, weil der VfL mittlerweile längst zum Inventar der Bundesliga zählt. Nur drei aktuelle Bundesligavereine spielen länger als die Wölfe ohne Unterbrechung in Deutschlands Eliteliga: Der FC Bayern (seit 1965), der BVB (seit 1976) und Leverkusen (seit 1979).
Erstaunlich: Die Hälfte der derzeitigen Bundesligisten (neun) ist noch nie aus dem Fußball-Oberhaus abgestiegen. Dazu zählt auch Wolfsburg und weil Borussia Dortmund von 1972 bis 1976 zweitklassig war, ist der Werksverein die Nummer 3 der noch nie abgestiegenen Klubs bezüglich der Dauer der Bundesligazugehörigkeit.
Das Pech des VfL Wolfsburg hinsichtlich der FCB-Bilanz: Diese knapp 28 Jahre erfassen die mit Abstand konstanteste und dominanteste Bundesligaperiode der Münchner. Unter den Top 20 der Ewigen Tabelle befinden sich zumeist Traditionsvereine, die schon zu wesentlich weniger dominanten Bayernzeiten in der Bundesliga aufgelaufen sind. So hat zum Beispiel der VfL Bochum eine bessere Siegquote (13,4%) gegen Bayern als Wolfsburg (8,1%). Nur Freiburg ist in dieser Statistik ebenfalls lediglich einstellig (9,8%).
Auch wenn der VfL Wolfsburg sich zuletzt formstark präsentierte: Vincent Kompanys Team darf sich im engen Titelrennen mit Leverkusen keine Blöße geben und ist selbst sehr gut ins Spieljahr 2025 gestartet. Eine Verlängerung der Horrorbilanz der VW-Städter beim FC Bayern ist alles andere als unwahrscheinlich.
Titelbild: Bayern – Wolfsburg im August 2022. Die Bayern machten es beim 2:0 „gnädig“:
