Die Auswärtsspiele des FC Bayern in Mönchengladbach waren seltener als bei anderen Bundesligarivalen von Erfolg gekrönt. Der spektakulärste Sieg gelang dem Rekordmeister dabei nach einer denkwürdigen Woche.
Vor dem Bundesliga-Topspiel beim alten Rivalen Borussia Mönchengladbach kann der FC Bayern auf viele Partien zurückblicken, die früher auf dem Bökelberg, nun im Borussia Park keinen großen Spaß gemacht haben. So wurden auch fünf der letzten neun Auswärtsspiele (drei Siege, ein Remis) bei den Fohlen verloren – so viele wie bei keinem anderen Team in diesem Zeitraum. Für FCB-Verhältnisse kann man da durchaus von einer Art „Angstgegner“ sprechen.
In der Gesamtbilanz hat der FCB mit 53 Siegen nach 56 gemeinsamen Bundesligajahren und 112 Spielen zwar klar die Nase vorn, die insgesamt 28 Niederlagen musste der deutsche Rekordmeister aber auch gegen keinen anderen Gegner im Wettbewerb hinnehmen. In der Vorsaison gewannen die Bayern allerdings beide Duelle mit der Borussia und auch bedeuten die 53 verlorenen Matches gegen den FCB für Gladbach einen Bundesliga-Negativrekord.
Beim spektakulärsten Auswärtssieg des FC Bayern in der Bundesligageschichte in Gladbach in der Saison 1978/79 kann man sich jedoch sicherlich darüber streiten, ob die Vorgeschichte oder das Spiel selbst außergewöhnlicher war. Dabei war jenes Spieljahr trotz späterem FC Hollywood und den heutigen turbulenten Social Media Zeiten insgesamt gewiss das mit Abstand turbulenteste der 60-jährigen Bundesligageschichte der Münchner.
Nach der desaströsen Saison 1 nach Beckenbauer hatte der FCB für das Spieljahr 1978/79 unter anderem mit der Verpflichtung von Paul Breitner – dieser kam über den Umweg Braunschweig aus Madrid zurück – kräftig aufgerüstet. Die Ergebnisse blieben jedoch aus vielen Gründen sehr unbefriedigend und fanden im Bundesligaspiel am 10. März 1979 einen aus Bayern-Sicht traurigen Höhepunkt: Arminia Bielefeld unter Trainer Otto Rehhagel zerlegte die Bayern im heimischen Olympiastadion vor lediglich 11.000 Zuschauern mit 4:0.
Dem heutigen Ehren-Präsident Wilhelm Neudecker war diese peinliche Pleite zu viel und er drohte nach jenem desaströsen Spiel mit dem bei den Spielern extrem unpopulären Trainer Max Merkel. Kurzfristig einigte sich Neudecker danach mit den „Anführern“ der Mannschaft (Paul Breitner, Sepp Maier) scheinbar darauf, dass der zu dem Zeitpunkt bei den Spielern sehr beliebte Coach Pal Cernai bleiben dürfe, wenn aus den anstehenden beiden Auswärtspartien drei Punkte (bei der damaligen 2-Punkte-Regelung) geholt werden würden.
Jedoch schon nach dem 0:0 in Braunschweig eine Woche später schien sich Neudecker nicht mehr an die Vereinbarung halten zu wollen. Die Mannschaft rebellierte und der damalige FCB-Patriarch schmollte und trat letztendlich zurück. Die längste zusammenhängende Präsidentschaft – 17 Jahre von 1962 bis 1979 – in der Geschichte des Vereins endete ebenso überraschend wie abrupt.
Der Rest ist „legendäre FCB-Geschichte“: Völlig entfesselte Bayern stürmten am darauf folgenden Wochenende den Bökelberg und verpassten beim 7:1 den Gladbachern eine „historische Klatsche“. Breitnigge & Co. nahmen den Vizemeister der Vorsaison, der lediglich aufgrund des schlechteren Torverhältnisses gegenüber dem 1. FC Köln die vierte Meisterschaft in Folge verpasst hatte, komplett auseinander. Karlheinz Rummenigge (3), Norbert Janzon (2), Katsche Schwarzenbeck und Kurt Niedermayer hießen die Torschützen in jenem denkwürdigen Spiel.
Am Ende der Saison belegte der Bayern in der Tabelle Rang 4, kehrte zurück in die internationalen Wettbewerbe und nur ein weiteres Jahr später war die sechsjährige nationale Titelflaute an der Säbener Straße mit der sechsten Meisterschaft der Vereinsgeschichte beendet.
Titelbild: Paul Breitner und Pal Cernai genießen den 7:1-Triumph in Gladbach.
